Warum trauern wir um Diego Armando Maradona ?

03.12.20
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Von Max Brym

Tiefe Trauer empfinde ich über den Tod der Fussballlegende Diego Armando Maradona. Er war nach meinem dafürhalten der beste Fußballer aller Zeiten. Diego starb viel zu früh mit 60 Jahren. Ein jüngerer Freund von mir konnte dieser Tage meine Trauer überhaupt nicht nachvollziehen. Dazu muss gesagt werden, dass sich der Jüngling nur bedingt für Fußball interessiert. Wie man sich diesem Wahnsinn - Fussball- entziehen kann ist mir unverständlich. Ich muss aber auch nicht alles verstehen. Dem jungen Freund antwortete ich wie folgt: „Der ehemalige deutsche Kanzler Kohl hat in einem anderen völlig verkehrten Zusammenhang von der -Gnade der späten Geburt- gesprochen, du hast das Pech -der späten Geburt-. Du hast Maradona nie live Fussball spielen sehen können.“ Der 1960 in einem Arbeiter und Armenviertel in Argentinien geborene Maradona hat niemals einfach Fußball gespielt, seine Technik und Spielübersicht war umwerfend. Der Ball war ihm seit seiner frühesten Jugend hörig. Der Ball hat sich an den Beinen Madonnas wie in einer Wohlfülloase gefühlt. Die Behandlung des Balles durch Maradona war einfach ein Kunstgenuss. Dies in einer Zeit als Treter ohne wirkliche Technik sich auf dem Spielfeld tummelten. Darunter der „ Schlächter von Bilbao“ im spanischen Nationalteam, oder ein Claudio Gentile, in der italienischen  Squadra Azzurra,Im deutschen Fußball waren damals Typen wie Hansi Pflügler oder etwas später gar ein Bernd Hollerbach gefragt. In den achtziger und neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts war Maradona die klassische Nummer Zehn. Er hatte keine Deckungsaufgaben gleichzeitig wurde er normalerweise von einem Manndecker und oft zusätzlich von 2 bis 3 Spielern gedeckt. Mit dem Fussball hat Maradona die Herzen speziell der Armen und Beleidigten erfreut.

Die Karriere

Maradona machte sich zu Beginn seiner Karriere bereits im Alter von 15 Jahren einen Namen bei den „Argentinos Juniors. Er wechselte dann als sehr junger Mann zu den Bocca Juniors. !981 wurde er mit den „Bocca Juniors“ argentinischer Meister. Bereits damals verzauberte er die Jugend und weite Teile der Arbeiterklasse mit seinem Spielwitz, den Körpertäuschungen, sowie seiner Ballbehandlung. Anschließend zog es den „Goldjungen“ (El Pibe de Oro) für eine Rekordablösesumme nach Europa zum FC Barcelona. Dort hatte er allerdings wenig Glück. Die spanische Liga duldete damals massive Foulspiele. Das wirkliche Fussballglück wurde ihm beim SSC Neapel hold. Maradona verkörperte im Bewusstsein der Massen im Mezzogiorno, die Auflehnung gegen den inneritalenischen Rassismus, sowie den Kampf gegen die reichen Vereine aus dem Norden, Mailand und Turin. Zu seiner Vorstellung in Napoli- ohne Spiel- kamen mehr als 60.000 Zuschauer. Natürlich gab der „ Fussballgott“ gleich einige Proben als Ballartist. Maradona enttäuschte die Massen nicht. 1986 und 1990 holte der SSC Napoli zwei italienischer Meistertitel. In Anlehnung an diese Zeit sagte ein weinender Neapolitaner nach dem Tod Maradonas: „ Er hat uns gelehrt uns zu wehren und den Kopf hochzutragen.“ 1989 gewann Napoli mit Maradona den europäischen UEFA Cup. Damals 89 war der Autor dieser Zeilen Zeuge des Spiels zwischen dem FC. Bayern und dem SSC Neapel im Münchner Olympiastadion. Einfach unvergesslich. Maradona kam zum Aufwärm- Training in die Napoli Kurve und jonglierte mit dem Ball ungefähr 20 Minuten lang. Ball hoch, Ball runter, Ball auf den Kopf, dann über den Rücken und mit der Hacke wieder zurück. Die Napoli Kurve tobte. In dem Spiel hatte Maradona auch noch Zeit einen Klaus Augenthaler mehrmals zu demütigen. Augenthaler meinte eine Woche vor dem Spiel: „ Maradona ist nicht gefährlich, er ist zu dick.“ Im Spiel selbst wusste sich Augenthaler dann nicht anders als durch Foulspiele gegen Maradona zu helfen. Einmal wartete Maradona auf den am Boden liegenden Augenthaler, um ihn mehrmals zu narren. In Neapel findet man neben dem Kruzifix bis heute speziell in den Vierteln der Armen Maradona Bilder, ja fast schon Altäre. Im Jahr 1990 schlug bei der WM in Italien Argentinien, die argentinische Nationalelf im Halbfinale gegen eine starke Squadra Azzurra, das italienische Nationalatem im Elfmeterschissen. Für Argentinien war es faktisch ein Heimspiel. Denn die meisten Zuschauer feuerten Argentinien mit Maradona an. Die rechte italienische Presse schrie Zeter und Mordio gegen die „ vaterlandsvergessenen Neapolitaner“ Für diese war es wieder ein Sieg gegen den Norden.

Weltmeister 1986


Bei der Weltmeisterschaft 1982 trat im Achtelfinale Claudio Gentile, Maradona aus dem Turnier. Maradona konnte nicht mehr weiterspielen. Italien gewann 3:2.
Im Jahr 1986 war es dann soweit. Argentinien wurde Weltmeister. Maradona schoss gegen England das Tor des Jahrhunderts. Das entscheidende Tor machte er per Handspiel, was er später die „ Hand Gottes“ nannte. Dieser Sieg gegen England wurde in Argentinien frenetisch gefeiert. Die Massen begriffen dies als späte Genugtuung bezüglich des Falklandkrieges. Als Sieg gegen den britischen Imperialismus.

Maradona Epos und Drama

Nach der WM 1990 kam Maradona nicht mehr richtig auf die Beine. In Neapel konnte er nicht aus dem Haus gehen ohne dass ihm mindestens 1.000 Leute folgten. Der Arbeiterjunge aus Buenos Aires geriet an die falschen Leute. Er fing auf Parties an zu trinken und nahm Koks. Das hatte nachhaltige Folgen. Am 4. Januar 2000 erlitt Maradona während eines Aufenthaltes in Uruguay im Badeort Punta del Este  einen schweren Herzinfarkt. Das wurde auf eine Überdosis Koks zurückgeführt. Nach seiner Genesung unterzog sich Maradona einer sechsmonatiger Entziehungskur in Kuba wo er Freundschaft mit Fidel Castro schloss. Der Arbeiterjunge der nie vergas wo er herkam bekam nicht nur wieder eine annehmbare Figur. Nein aus der Nummer 10 wurde ein bewusster Sozialist. Seine Memoiren hat Maradona Fidel Castro gewidmet. Er stand auf der Seite von Evo Morales und an der Seite von Venezuela gegen den US Imperialismus. Dar Fall Maradona speziell sein Alkohol und Drogenkonsum zeigt der Arbeiterjugend auch: Lasst euch nicht auf die falschen Freunde mit ihrem Alkohol und ihren Drogen ein. Lest, bildet euch und betreibt Sport. Nach dem Geschmack des Autors: Am besten Fussball.







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