Zum Kreuzzug gegen die Kreuzfahrtschiffe: Die Zukunft liegt auf dem Meer !


Bildmontage: HF

13.07.19
DebatteDebatte, TopNews 

 

Von Siegfried Buttenmüller

Nicht erst seit der Serie „Das Traumschiff“ sind die Kreuzfahrschiffe in den letzten Jahrzehnten immer beliebter geworden und immer mehr von Ihnen Kreuzen auf den Meeren und auch auf den großen Flüssen. Kreuzfahrten sind längst zum Massentourismus geworden. In den letzten Monaten gab es deswegen scharfe Kritik in den sozialen Netzwerken und in den sonstigen Medien. Man liest allerdings sehr viele unsachliche und auch unsägliche „Argumente“, die schon an die Kreuzzüge gegen „Ungläubige“ erinnern. Die Ursache auch dieses Kreuzzuges sind letztlich wirtschaftliche Interessen, sei es um wirtschaftliche Konkurrenz in der Tourismusbranche zu bekämpfen, um vom Auto als Umweltverschmutzer Nr. 1 abzulenken, Privatpersonen sich vom Tourismus tangiert fühlen oder weil der größte Autokonzern Hauptsponsor eines alten und ihn grünwaschenden Umweltverbandes ist. Also ein eher kleinerer Personenkreis dem es zeitweilig aber gelingt, sich auch in Medien und Netzwerken Gehör zu verschaffen.

Zunächst muss man natürlich schauen was ein Kreuzfahrtschiff eigentlich ist denn in den unsäglichen Vergleichen wird es nur als Transportmittel dargestellt und als solches wird es dann nur mit dem Transportmittel Auto verglichen.
Ein Kreuzfahrtschiff ist jedoch viel mehr, es ist eine schwimmende Stadt mit um die 6000 Einwohnern zuzüglich etwa 1000 Personen für die Wartung und den Betrieb. Wie eine Stadt in dieser Größe hat auch ein Kreuzfahrtschiff Wohnungen, ein Kraftwerk, Versorgung mit Strom, kaltes und warmes Wasser, Handwerker, Techniker, Werkstätten, Wäschereien, Theater, Bars, Restaurant, Schwimmbad, Arztpraxis, Apotheke, Geschäfte usw. Das Auto bringt die meisten dieser Leistungen natürlich nicht sondern hauptsächlich nur eine meist unnötige Transportleistung im Individualverkehr. Man muss beim Autofahrer nicht nur den Schadstoffausstoß seines Autos berücksichtigen sondern auch sämtliche Erzeugung von Schadstoffen die er auch Zuhause, beim einkaufen in Geschäften, in der Freizeit, im Urlaub usw. erzeugt, wie beim Kreuzfahrtpassagier auch. Wenn man seriös rechnen will dann muss man den Autofahrer, den Stadtbewohner oder auch einen Hotelgast in einer Hotelanlage an Land mit dem Passagier eines Kreuzfahrschiffes vergleichen. Hierbei ist auch zu bedenken das Jeder Mensch einen Energieverbrauch hat und damit auch Schadstoffe erzeugt, egal ob er Zuhause, auf einem Kreuzfahrtschiff oder zum Beispiel in einer Hotelanlage an Land ist. Und hier schneidet der Passagier eines Kreuzfahrtschiffes erheblich besser ab als die genannten Vergleichspersonen. Diese Fliegen vielleicht auch in den Urlaub oder nutzen ihre Autos im Individualverkehr, während Transporte auf dem Wasser seit jeher effizient und umweltfreundlich sind. Kreuzfahrschiffe haben ein Kraftwerk an Bord das nicht nur Antrieb sondern in Kraft-Wärme- Kopplung auch Strom und warmes Wasser erzeugt. Den Autofahrern, Stadtbewohner oder sonstigen Urlaubern muss ja auch der Schadstoffausstoß des bezogenen Stromes, der Heizung usw. in Rechnung gestellt werden einschließlich der Fahrzeuge der stromerzeugenden Mitarbeiter, der Ingenieure und Handwerker z.B, Jedenfalls wenn man seriös vergleichen und rechnen möchte.
Die Erzeugung von Strom, Heizung, Warmwasser usw. sowie alle nötigen Transportleistungen für 7 Tausend Menschen führen natürlich in jedem Fall zu einer Erzeugung von Abgasen und Emissionen. Je Kreuzfahrtpassagier allerdings deutlich weniger als die Vergleichspersonen wie Autofahrer, Stadtbewohner oder sonstiger Urlauber.

Richtig ist das auch die Abgase aller Schiffe besser gereinigt werden können und müssen, etwa durch Nachrüstung mit Filter und Rauchgasentschwefelungsanlagen. Hier versagt allerdings die Politik die sich sehr wenig um dieses wichtige Thema kümmert. An Land gibt es längst Müllverbrennungsanlagen deren Abluft nur noch wenig Schadstoffe enthalten. Das sogenannte Schweröl, das zum Teil in den Kraftwerken der Kreuzfahrschiffen verbrannt wird, ist ein Reststoff der bei der Erzeugung von Heizöl, Diesel und anderen Kraftstoffen so oder so anfällt und auch irgendwie verwendet oder entsorgt werden muss. Wenn die Schiffe nur noch mit Diesel fahren dann wird dieses Schweröl nicht nur nicht mehr verwertet, es wird auch mehr davon erzeugt wenn auch die Schiffe mit Diesel fahren.

„Landstrom“ dürfte hier auch keine Lösung sein denn dann kommt der Strom vermutlich aus einem Kohlekraftwerk oder einem Atomkraftwerk, die halt die Umwelt mit allen Begleiterscheinungen noch mehr belasten. Wobei „Landstrom“ eben bedeutet auf die umweltfreundliche und effiziente Kraft-Wärme-Kopplung zu verzichten denn die Einwohner der Schiffe brauchen vor allem auch warmes Wasser und Heizung.
Bei den Kraftwerken an Bord der Kreuzfahrtschiffe, die vielfältig Energie liefern, gibt es also durchaus Regelungsbedarf, Kontrollbedarf und Verbesserungsmöglichkeiten, auf die auch gedrungen werden muss. Bei seriöser Rechnung schneiden diese Kraftwerke nach Einschätzung des Autors aber schon heute gegenüber Vergleichsanlagen gut ab.

Der „immense Wasserverbrauch“ der Kreuzfahrschiffe wird auch oft bemängelt. Klar ist aber das Menschen immer Wasser verbrauchen egal ob sie auf einem Schiff, Zuhause oder anderweitig in Urlaub sind. Die Kreuzfahrschiffe haben in der Regel jedoch eigene Anlagen zur Entsalzung und Aufbereitung von Trinkwasser und so sparen Kreuzfahrtpassagiere das ganze Wasser das sie als Urlauber etwa auf dem Balkan, in Iberien, Balkonien oder Zuhause verbrauchen würden. Dieses „Argument“ fördert den Kreuzzug also nicht ganz im Gegenteil.

Der Verdienst an Bord der Kreuzfahrtschiffe wird auch oft bemängelt, der in den unteren Lohngruppen bei 900 Euro je Monat liegen soll. Das ist nicht gerade viel doch kommt Kost und Logis hinzu, wodurch der Verdienst sicher mindestens erheblich höher ausfällt als Beschäftigte in den klassischen Urlaubsregionen bekommen. Kreuzfahrtpassagiere nehmen auch Niemandem die Wohnung oder den Lebensraum in der Urlaubsregion weg denn diese bringen sie ja mit.

Auch über „zu viele Touristen“ wird öfter geklagt, oft von Anwohnern oder konkurrierenden Hotelbetreibern. Hier handelt es sich aber um politische Angelegenheiten und Interessenkonflikte, die jeweils vor Ort diskutiert und entschieden werden können und müssen. Ein Argument gegen die Kreuzfahrtschiffe ist das nicht denn der Schiffsverkehr muss geregelt werden genau wie das mit anderem Verkehr von Fahrzeugen oder den Flugzeugen auch ist. Geeignete Flächennutzungspläne und Regeln braucht es auch für die Gewässer. Die Liegezeiten können natürlich begrenzt werden und auch die Anzahl der anlegenden Schiffe kann nötigenfalls eingeschränkt werden. Allerdings befürchten dann auch viele das dann eben andere Routen genommen werden und das dann kapitalistische Konkurrenz entsteht.

Weiterhin wird bemängelt das der Profit bei den Kreuzfahrtschiffen sehr hoch sei. Hier wird wohl richtig vorgerechnet das die Baukosten eines Kreuzfahrtschiffes im Milliarden Euro Bereich liegen, dieser Betrag aber innerhalb von 4 Jahren bereits erwirtschaftet sei. Dies ist jedoch ein echter, ein realer Profit da diese Kreuzfahrtschiffe eben einen großen Mehrwert in Form einer schwimmenden Kleinstadt mit 7000 Einwohnern darstellen. Diese sehr hohe und außergewöhnliche  Profitrate in der Realwirtschaft ist ein Beleg für die Effizienz und kein Argument gegen die Kreuzfahrtschiffe. Zu kritisieren ist hier vielmehr die private Aneignung des Mehrwertes und dieses hohen Profits. Die ganze Gesellschaft muss von diesem hohen Mehrwert profitieren, ihn einfach zu vernichten wäre ein großer Fehler.

Ein Thema das immer wichtiger wird ist der Flächenverbrauch, das abholzen der Wälder und die Bebauung von immer mehr Wiesen und Feldern das Flora und Fauna den Lebensraum nimmt. Dem Bauwahn und Industrialisierungswahn und dem damit einhergehenden Flächenverbrauch muss Einhalt geboten werden, Flächen müssen stattdessen aufgeforstet und renaturiert werden. Die Erdoberfläche besteht aber zu über 70 Prozent aus Wasser und dort steht wirklich noch sehr großes Potential an Nutzfläche zur Verfügung. Schwimmende und fahrende Städte, wie sie mit den Kreuzfahrtschiffen ja bereits vorhanden sind, sind eine Möglichkeit. Natürlich könnte und sollte man solche Schiffe auch für Rettungseinsätze für Flüchtlinge, für Opfer von Naturkatastrophen oder als Krankenhausschiffe z.B. einsetzen. Oder sie könnten als Montageschiffe mit viel Personal und Material ausgestattet werden, um Wüstenregionen zum Beispiel mit Solaranlagen und Trinkwasseraufbereitungsanlagen auszustatten und die Natur aufzuforsten. Auch als riesige Plantagen für Obst und Gemüse sind solch große Schiffe geeignet, erste Prototypen gibt es schon. Flugzeugträger mit Tausenden Menschen Besatzung gibt es auch schon lange doch sind dies destruktive und Zerstörung bringende Einrichtungen die zudem noch atomar und damit sehr gefährlich angetrieben werden.

An den Schiffen liegt es nicht sondern an der Politik und am System !

Siegfried Buttenmüller
13.07.19







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