Schnelltests unwirksam?


Bildmontage: HF

24.03.20
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Von Matthias Nomayo

Zum Beispiel auf der Nachrichtenseite des Bayerischen Rundfunks (https://www.br.de/nachrichten/wissen/coronavirus-die-suche-nach-neuen-sars-cov-2-schnelltests,RrQlHxe) erfahren wir hierzu, dass „neue“ Schnelltests durchaus existieren, die ähnlich einfach wie Schwangerschaftstests funktionieren sollen und in Arztpraxen durchführbar seien. Diese beruhen auf dem Nachweis von Antigenen der Viren, bzw. spüren Antikörper auf, und weisen somit eine Reaktion des Immunsystems auf das Virus nach (nicht das Virus selbst). Damit zeigen sie eine aktuelle oder sogar schon überstandene Infektion erst nach ein paar Tagen an. Zum Bluttest einer Berliner Firma gibt man dort die Erkenntnis des Virologen Hendrik Streeck wider, wonach der Bluttest zwei Drittel der Erkrankten nicht erkenne (wobei aber zu dem Beitrag anzumerken ist, dass ein positives Testergebnis zu über 90% zutreffend ist, also weniger als 10% fälschlich negative Ergebnisse).

„Neu“ sind diese Typen von Tests, die bezüglich beliebigem Viren-Material übrigens jeweils relativ schnell entwickelt werden können, keineswegs. Z.B. bin ich auf einen n-tv-Beitrag aus dem Jahr 2016 (!) gestoßen (https://www.n-tv.de/wissen/Bluttest-zeigt-Infektionsursache-an-article16817961.html), in dem die damit verbundenen Möglichkeiten gerade für Atemwegserkrankungen mit Blick auf eine mögliche Einschränkung unsinniger Antibiotika-Anwendungen angesprochen werden. (Viel hat sich in den z.B. vier Jahren seit der Veröffentlichung dieses Beitrags nicht getan. Könnte es daran liegen, dass der Verkauf von weniger Antibiotika für die Pharmaindustrie uninteressant ist? - Gut, das ist hier an dieser Stelle nur ein Nebenaspekt.)

Mit dem Verweis auf die geringe Trefferquote und die Vorlaufzeit von mehreren Tagen bis zur Wiksamkeit (wodurch z.T. die geringe Trefferquote bewirkt wird) ist damit der Punkt in den Mainstream-Medien auch schon abgehakt. Warum, fragt da die Mathe-affine Neugier in mir? Ich rechne mal hoch: Bei jeder Testperson 4 Tests in jeweiligen Abständen von 1 Woche ergäbe bei nur ein Drittel Trefferquote des Tests nach dem 4. Test ein fälschlich negatives Ergebnis von unter 20%, bzw. einen Nachweis von über 80%. Der jeweilige Test wäre für die getestete Person ohne Risiko und Nebenwirkungen, bräuchte also keinen allzu großen Vorlauf für eine flächendeckende Anwendung. - In spätestens vier Wochen hätten wir eine Vollerfassung, und das ganz ohne Handy-Ortung, die uns über die Frage „infiziert oder nicht infiziert“ gar keine Auskunft gibt.

Um wie viel schlechter wäre eigentlich eine parallele und flächendeckende Anwendung solcher Schnelltests gegenüber der jetztigen Praxis? Getestet wird derzeit (von Prominenz mal abgesehen) erst bei eindeutigen Symptomen, und das nur bei nachgewiesenem Kontakt zu positiv getesteten Personen – also auch erst mehrere Tage nach der Ansteckung, aber dann auch noch mit weiteren Einschränkungen, z.B., dass die angeblich 85% der Infizierten, die keine oder nur unauffällige Symptome zeigen, gar nicht dabei sind, und die restlichen 15% auch nur, wenn sie schon Kontakt zu positiv Getesteten hatten. Bis das Ergebnis dann vorliegt, gehen weitere Tage ins Land. Irgendwie erscheinen mir die resultierende Trefferquote und zeitliche Effizienz da nicht wirklich deutlich höher als bei den so schnell als unbrauchbar abgetanen Schnelltests. Könnte man nicht parallel zu den bisherigen Verfahren von den 156 Mrd. € Bazooka-Munition ein Milliärdchen für eine solche Reihenuntersuchung abzweigen?

Ich belasse es bei dem zuletzt gesetzten Fragezeichen.







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