Ausgetrump(f)t

10.11.20
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Ein Kommentar von Georg Korfmacher, München

Während die Mehrheit der Menschen sich auf eine Zukunft ohne Trump freut, sieht sich dieser mit seiner angedrohten Prozessflut noch voll im Machtkampf und geht auf einem seiner Luxus-Golfplätze golfen. Entgegen seiner narzistischen Praxis hat er sich seit seiner sich abzeichnenden Niederlage nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt. Was steckt hinter dieser Gestik eines Hundes mit eingezogenem Schwanz?

Fiel es schon immer schwer, das Verhalten des abgewählten Präsidenten zu verstehen, muss sein aktuelles Gebahren völlig rätselhaft bleiben. Vielleicht können da die Kenntnisse und Einsichten seiner Nichte Mary Trump zum Ende ihres Onkels Donald helfen. Die Psychologin und Intimkennerin der Trump-Familie sieht einen Zusammenbruch nach dem anderen auf ihren Onkel zukommen, weil er mit seiner Situation als Verlierer nicht umgehen kann. Seine Rede am Wahlabend sei nicht nur "von Anfang bis Ende verlogen", sondern auch "gefährlich" gewesen, so die Nichte, und liefert auch einige Gründe.

Ein und möglicherweise der wichtigste Grund ist seine nicht eingestandene Angst vor dem Verlust der Immunität als Präsident. In New York warten schon 30 schwebende Verfahren auf ihn wegen sexuellen Missbrauchs, Betrug und Steuerhinterziehung. Dazu hat er in den nächsten Jahren 400 Mio US$ Schulden zu bedienen. Also deklariert er vorsorglich, dass er 2024 wieder antreten wolle, wohl eher um seine Gläubiger und Verfahrensgegner einzuschüchtern. Er kann und will sich nicht vorstellen, dass er sich als Privatmann verantworten muss. Er kann und will sich nicht vorstellen, dass ihm keiner mehr Geld leihen wird, dass er auf einmal unwichtig ist. Daher wird er mit einem „Hagel von Dekreten“ den Übergang zur Präsidentschaft von Joe Biden zu vermasseln suchen, sich so lange wie möglich der Realität verweigern.

Seine Nichte hat in einem Buch dargestellt, dass ihr Onkel Donald immer zuviel hatte und doch nie genug bekommen konnte. Da ist natürlich der Verlust der Präsidentschaft ein Sturz ins Bodenlose, in der Familie, national und international. Seine Geschäfte sind im Eimer und seine Marke Trump ist nichts mehr wert. In New York kann er sich nicht mehr sehen lassen.

Und jetzt haben sich auch noch und unerwartet schnell die Murdoch-Presse und Fox-News von ihm abgewendet, Twitter zensiert sein Gezwitscher und andere Sender schalten sich aus seinen Auftritten aus oder kürzen seine Verlautbarungen rabiat. Da bleibt ihm nur der Traum von einer eigenen Medienplattform, möglicherweise aus seiner Florida-Golfresidenz heraus, in der er schon jetzt seinen ersten Wohnsitz hat.

Schlussendlich soll er nun auch noch am eigenen Leib erfahren, wie es ist, wenn man gefeuert wird. Dabei war er selbst der Meister des „Heuerns und Feuerns“. 54 engste Mitarbeiter*innen hat er in seiner Amtszeit teilweise schon nach kurzer Zeit gefeuert oder diese haben sich selbst verabschiedet. Und das macht er munter weiter. Das hat vor ihm noch kein Präsident der USA geschafft. Welche Leistung!

Und nun ist er selber an der Reihe. Er hat keinen Trumpf mehr im Ärmel oder wo auch immer. Er hat ausgetrump(f)t.







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