Wo ein Wille, da ein Weg

13.11.20
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Ein Kommentar von Georg Korfmacher, München

Die unglaubliche Erfolgsgeschichte des Ehepaares Türeci/Sahin in Sachen Covid-19-Impfstoff ist mehr als nur eine Sache von Wissenschaft und Technik. Sie zeigt vielmehr die große Macht der Bildung für die Potentialentwicklung aller Menschen unabhängig von ihrer Herkunft.

Ugur Sahin (55) zog als 4-Jähriger zu seinem Vater nach Deutschland, der bei Ford in Köln malochte. Özlem Türeci (53) wuchs in Niedersachsen auf, wo ihr Vater als Chirurg an einem kleinen katholischen Krankenhaus tätig war. Beide, wohl mit der wohlwollenden Unterstützung ihrer Eltern, sind voll durch das deutsche Bildungssystem gegangen, haben hier Medizin studiert, sich in der Uni-Klinik in Homburg an der Saar kennen und lieben gelernt, heirateten und pflegen seitdem ihre gemeinsame Leidenschaft für Immunologie, um in absoluter Weltrekordzeit von nicht einmal zehn Monaten einen neuartigen Impfstoff gegen Covid-19 mit bis zu 90%-iger Wirksamkeit vorzustellen.

Dabei sind die Eheleute sehr bescheiden, kein Tamtam, kein Trara, und bestätigen damit: wer bescheiden ist, weiss Bescheid. In der englischen Presse werden sie zum Deutschen 'dream team' hochgejubelt. Schließlich haben sie die mächtigen Pharmariesen der Welt einfach im Regen stehe lassen, wobei ihr Partner Pfizer sie in Logistik und Produktion unterstützt. Die in Marburg kurzerhand von Novartis mit 300 hochqualifizierten Mitarbeitern gekaufte Betriebsstätte soll zu einer der größten Corona-Impfstoff-Produktionsstätten der Welt ausgebaut werden. In ihrem Unternehmen BioNTech in Mainz beschäftigen sie bereits 1300 bestqualifizierte Mitarbeiter*innen.

Dass das Ehepaar in knapp 20 Jahren zu den 100 reichsten Deutschen aufgestiegen ist, sei ihm von Herzen gegönnt. Das hält Sahin keineswegs davon ab, immer noch mit dem Fahrrad ins Büro zu fahren. Sicherlich freuen wird beide das Lob aus England (TheGuardian) für ihre Brillianz und Erfahrung bei diesem Durchbruch in der Wissenschaft und für ihre ärztliche Kunst, das auch noch anzuwenden.

Beide zeigen exemplarisch, dass und wie gerade verschiedene kulturelle Hintergründe zu einer dynamischen Entwicklung beitragen können. Die tiefe Verwurzelung medizinischer Kunst im arabish-osmanischen Raum ist unbestritten und die Grundlage für die Entwicklung der Medizin seit der Renaissance. Beide lernten bei uns und verstanden es, ihre Grundbegabung in planbare Formen zu gießen. Türeci bezeichnet sich gar als"preussische Türkin". Der Umgang mit anderen Kulturen und Religionen war für beide nie ein Problem.

Die brilliante Leistung des Ehepaares Türeci/Sahin erfüllt nicht nur alle Bedingungen für einen Nobelpreis, sondern ist vor allem Ansporn und Vorbild für alle bei uns lebenden türkischstämmigen Deutschen/Türken oder wen auch immer: Wo ein Wille, da ein Weg. Der Wille muss von den Betroffenen kommen. In unserem Land und in Europa gibt es viele Wege, den Willen umzusetzen.







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