„Brunnen, aus dir trink ich nicht" - Ist dies der Linken Zukunft?


02.02.08
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Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun!

Von Michael Jung

Das politische Parteiensystem hat sich so gut wie überall auf der Welt zum Handlanger der kapitalistischen Ultras gemacht, deren übersehbares Streben nach Profitmaximierung, wir täglich, mehr oder weniger stillschweigend, zur Kenntnis nehmen. International operierende Großkonzerne bestimmen über das Schicksal ganzer Gesellschaften. Massenentlassungen sind seit Jahren an der Tagesordnung. Der Fall Nokia zeigt es wieder einmal überdeutlich, Trotz enormer Gewinne des finnischen Mutterkonzerns, am Standort Bochum, geht es einzig und alleine darum, noch mehr Profit herauszuholen. Andernorts bezahlen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für die Fehlspekulationen großer Banken, mit ihrer Existenz. Von sozialer Verantwortung der Unternehmen, einmal als soziale Marktwirtschaft proklamiert, ist längst keine Rede mehr, allenfalls dient sie noch als Makulatur und Beiwerk bei politischen Sonntagsreden.

Zur Erzielung dieser Maximalprofite werden Löhne bis zur Sittenwidrigkeit gedrückt, immer mehr Menschen werden gezwungen für Hunger und Niedriglöhne ihre Haut zu Markte zu tragen. „Sozial ist das, was Arbeit schafft" so der Totschlags-Slogan der dem Kapital devot dienenden Politikerkaste. Gleichzeitig wird die Bevölkerung schleichend, aber stetig, immer mehr ihrer demokratischen Grundrechte, unter dem perfiden Vorwand einer Bedrohung von außen, beraubt. Die Diktatur des Kapitals hat die Menschen, nicht nur in unserem Land, bereits fest im Griff und drückt ganzen Bevölkerungsteilen immer mehr die Luft zum atmen ab.

Der expansiv vorgetragene Sozial und Demokratieabbau durch die „Hartz IV Verbrecher" von SPD, CDU, FDP und Grünen hat die soziale Situation der arbeitenden Menschen, der Erwerbslosen, Rentner, Jugendlichen und Kinder derart drastisch verschlechtert, das viele Menschen resignierend aufgeben. Hoffnungslosigkeit mündet in Verwahrlosung, oft in Selbstmord. Depressionen sind zur Volkskrankheit geworden. Die Existenzangst geht um, ergreift, nur mit einer Epidemie zu vergleichen, nicht nur den Teil der Bevölkerung, den SPD- Chef Kurt Beck einmal aus großer Höhe herab, als Unterschichten tituliert hat.

Bildung ist längst für viele zu einer unbezahlbaren Ware geworden. Hier ist die Situation schon fast vergleichbar, mir der des 19. Jahrhunderts, als die Bourgeoisie fürchtete, dass die Bildung der Massen, zu ihrem Untergang führen werde. Einmal im Ghetto der Armut und Ausgrenzung geboren, ist ein Entrinnen schier unmöglich. Das Heer der Überflüssigen wächst dramatisch und der entschlossene Widerstand dagegen scheint nicht existent zu sein.

Zwar mehren sich die Stimmen, die nach Verbesserungen rufen, aber sie sind lediglich bereit an den Systemen der Pest herum zu laborieren, die Pest aber selbst mit Stumpf und Stiel auszurotten, daran verschwenden die Gutmenschen und Linkspolitiker, anscheinend keinen Gedanken. Hunger ist nicht mit Suppenküchen zu bekämpfen. Die Entwürdigung der Menschen, durch die Einrichtung sogenannter Tafeln und der Bereithaltung getragener Kleidung in den Kleiderkammern irgendwelcher Wohlfahrtsverbände trägt nicht zur Lösung der Probleme bei, sondern ist ein Teil dieser Probleme.

Wo aber bleibt der entschlossene, wirksame Widerstand gegen die erdrückende Offensive des Raubtierkapitalismus?

Während die Gewerkschaften im Zuge von Massenentlassungen medienwirksame Mahnwachen, als Beruhigungspillen, vor den Werkstoren abhalten, Politiker Krokodilstränen der gespielten Entrüstung vergießen und von großzügig gestalteten Sozialplänen die Rede ist, stürzen die Betroffenen letztendlich doch still und leise, dann wenn die Kameras der Medien längst abgeschaltet sind, ins Bodenlose. Pläne zur Lebensgestaltung sind zerschlagen. Die Geier der Banken drängen auf Zurückzahlung von Krediten und das, mit viel Schweiß gebaute Eigenheim kommt unter den Hammer.

Um die Teilhabe Aller, an einem Leben in Frieden und Menschenwürde zu erreichen und um das herrschende System der Kapitalistenkaste zu überwinden, wird es mehr bedürfen, als nur alle paar Jahre das Bleistiftkreuz der Demokratie auf dem Wahlzettel bei einer der Parteien zu machen, die als sogenannte Samariter am Wegesrand vorgeben die Wunden heilen zu wollen, das herrschende System aber quasi, als wäre es von einer göttlichen Macht gegeben, unisono anerkennen.

Wie aktuell klingt da die Passage aus der Internationale: „Es rettet uns kein höh' res Wesen, kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun. Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun! Diese Zeilen stehen heute hochaktuell, nicht nur als Warnung vor einer, immer weiter schreitenden Zersplitterung der linken Kräfte. Sie stehen auch als Mahnung an all diejenigen, die immer noch glauben das alleinige Rezept zu haben, die dringend notwendigen Veränderung des gesellschaftlichen Kräfteverhältnisses herbeiführen zu können.

In Zukunft wird es darum gehen, globalisierungskritische Kräfte, Sozialisten und Kommunisten, sowie Gewerkschaften an einem Tisch zu vereinen. Nur vereint wird die, alles erdrückende Offensive des Kapitals, zum stehen zu bringen sein. Nur vereint kann eine fortschrittliche Gegenoffensive, mit Aussicht auf Erfolg auf eine bessere Zukunft, gelingen. „Brunnen, aus dir trink ich nicht", sind Worte, die inmitten der lebensfeindlichen Wüste tödlich sind. Sie sind aber auch dann tödlich, wenn es nicht gelingt, diejenigen Kräfte zusammen zu führen und zu halten, für die der geistige Brunnen auch heute noch das Kommunistische Manifest war und ist. Ein Patentrezept dazu gibt es nicht, aber alleine schon der Versuch zu sagen: „Brunnen aus dir trink ich doch" wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Au, den 2. Februar 2008







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