Sahra Wagenknecht und Winfried Wolf am 26.01.09 beim ‚Linken Dialog Köln': "Aufklären, Aufklären, Aufklären"

30.01.09
DebatteDebatte, NRW, Krisendebatte, TopNews 

 

Von Frank Braun

Mit dieser Aufforderung ans reichlich in die Alte Feuerwache geströmte Publikum beendete Winfried Wolf sein Eingangsreferat. W.Wolf, wie vorher schon Sahra Wagenknecht, kritisierte die aktuellen Bankenrettungs- und Konjunkturprogramme der Regierungskoalition als bloße Versuche, im Resultat über die Umverteilung von unten nach oben auf neuer Stufenleiter eine Milderung der Krisenauswirkungen für das Kapital zu erwirken.

Die gut 140 Besucher an diesem Abend lauschten den jeweils halbstündigen Ausführungen der beiden mit große Aufmerksamkeit. Während S.Wagenknecht anschaulich die bitteren sozialen Auswirkungen der Krise v.a. für die unteren zwei Drittel der Gesellschaft darstellte und am Ende aufforderte, über Alternativen zu dieser an Profit orientierten kapitalistischen Wirtschaftsweise nachzudenken und auch Schritte zu ihrer Überwindung zu konzipieren, konzentrierte sich W.Wolf auf eine marxistische Analyse der aktuellen Lage und ihrer historischen Hintergründe sowie auf deren ideologiekritische Bewertung. Kurz: Beide ergänzten sich optimal und lieferten eine Fülle interessanter Informationen.
Das Thema verfehlt hatten beide allerdings, was den zweiten Aspekt dieses Abends betrifft. Denn das Motto der Veranstaltung lautete ja: "Kapitalismus in der Krise - Linke im Aufschwung ?" Das Publikum wartete gespannt auf eine Erklärung der beiden, wie die weitgehende Abwesenheit der politischen Linken im Allgemeinen und der Partei ‚Die Linke.' im Besonderen im öffentlichen Raum zu erklären sei.

Immerhin, während W.Wolf auf Nachfrage diesen "äußerst blamablen Zustand" wenigstens einräumte, wischte S.Wagenknecht solche Einschätzung in der Manier einer treuen und dann allzu bieder wirkenden ‚Parteisoldatin' mit den Worten zurück, wir
"fangen ja gerade erst an". Sie meinte damit ihre Partei ‚Die Linke.' und vergaß dabei wohl, dass sie selbst in dieser
Partei ja schon seit knapp 20 Jahren diesen ‚Anfang' versucht. Auch ihre Hinweise, sie habe Anlaß zu der Annahme, dass die berüchtigten Berliner Verhältnisse wohl von niemand im Parteivorstand mehr gewollt seien, beruhigte Kritiker dieser Politik an diesem Abend keinesfalls. Ihre Ausführungen konnten den geäußerten Eindruck nicht entkräften, dass die Fixierung auf Parlamentsmandate und den in trauter Regierungskoalition mit der SPD betriebenen Sozialabbau den gleichgerichteten
Ambitionen schwarz-gelb-grüner Politikmuster entspricht.

Unverständlich erscheint im Nachhinein übrigens, dass so mancher aus dem örtlichen Kreisvorstand der Partei ‚Die Linke.' diese Veranstaltung nur mit erheblicher Distanz dulden wollte. Umso wichtiger, dass der Linke Dialog Köln, die Rosa-Luxemburg-Stiftung und der SALZ-Bildungskreis Köln - überparteilich aber nicht unparteiisch - an öffentlicher Erörterung von Themen dieser Art festhalten.

Der Moderator der Veranstaltung, Thies Gleiss (Linker Dialog), war an diesem Abend im proppevollen Saal offenbar von der Fülle des Publikumsinteresses so eingenommen, dass er wohl vergaß, Wagenknecht und Wolf heftiger auf die Zehen zu treten.
Nicht vergaß er allerdings darauf hinzuweisen, dass diese und ähnliche Veranstaltungen insbesondere dazu dienen sollen, dass die bundesweiten Demonstration gegen die Krisenpolitik der Herrschenden am 28.03. (Berlin u. Frankfurt) und am 04.04. gegen die Kriegsallianz ‚NATO' (Strasbourg) auch in Köln erfolgreich vorbereitet werden können. In diesem Sinne war der Abend ein ermutigender Auftakt.

Frank Braun







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