Ein Kind seiner Zeit - Uwe K. Dresner

14.02.09
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Kommentar von Horst Hilse

Wer die dankenswerterweise bei www.scharf-links.de dokumentierte Rede von Uwe K.Dresner vor dem Landesrat der Linkspartei in NRW liest, hat das Vergnügen, sich in einer schwindelerregenden Achterbahn zu bewegen und kann sich nur noch verwundert die Augen reiben. Gleich ganze Jahrtausende werden ins Feld geführt, um die lapidare Feststellung zu treffen, dass der Mensch immer in gesellschaftliche Strukturen hineingeboren wird, die prägend auf ihn wirken.
Nach diesem fulminanten Aufschlag wartet der Leser gespannt auf die Beschäftigung mit den heutigen charakteristischen sehr widersprüchlichen Wahrnehmungen dessen, was sich "Gesellschaft" nennt, zumal diese Wahrnehmungen ja durch Entfremdungsprozesse erschwert werden.
 Sicherlich wird die Wahrnehmung dieses Sachverhalts namens "gesellschaftlicher Struktur" durch einen arbeitslosen Jugendlichen nach der -zigsten Bewerbung um einen Job anders ausfallen als die eines Millionärskindes, das vor der Frage steht, welche Elitehochschule für die eigenen Neigungen in Frage kommen mag.
Wie uns Uwe K. Dresner ganz unvermittelt mitteilt, wird der Mensch diese Strukturen" so oder so" nutzen.
"So oder so" hängt bekanntlich für Linke davon ab, ob der Mensch durch die Sozis "so" zur Rebellion gegen die herrschende Inhumanität ermuntert wird oder "so" resigniert die Herrschaft gesellschaftlicher Strukturen erduldet.
Wir warten vergeblich auf die weiteren Ausführungen zu dieser Einleitung und werden stattdessen darüber belehrt, dass es falsch sei, sich in seiner politischen Arbeit "einseitig" auf Personen zu konzentrieren.
Was ist damit wohl gemeint? Sollen wir davon ablassen, den gesellschaftlichen Fortschritt an den emanzipativen Möglichkeiten des Einzelnen zu messen?
Oder ist damit gemeint, dass wir in der Manier der Technokratien gesellschaftliche Strukturen unabhängig von den in diesen wirkenden Personen begreifen sollen?
Beides wäre wohl "so oder so" doch sicherlich eine sehr "einseitige" Wahrnehmungsweise.
Die offenen Fragen türmen sich geradezu unablässig und Uwe K. Dresner begegnet ihnen mit der Konsensformel aller fortschrittlichen Menschen: "Wir müssen die Widersprüche innerhalb der bestehenden Strukturen nutzen, um sie grundlegend zu demokratisieren."
Das Gähnen auf den Rängen ist unüberhörbar: diese Formel benutzten schon seit einem halben Jahrhundert Jusos, DGBler, Grüne, Alternative, Humanisten, ......
Vergebens wartet man auf weitere Ausführungen zur Erfassung der heutigen Lage oder auf Vorschläge zu einem gangbaren Weg für gesellschaftliche Gegenmacht....
Damit der ratlose Leser aber nicht lange über die Motive solcher Sätze sinnieren muss, folgt dann dankenswerterweise  - ohne jeden Zusammenhang mit dem vorher gesagten- sehr klar, worum es geht:
"Wer die vorhandenen Strukturen beiseite schieben will", der "isoliert sich"... Als Warnung wird dann in einer grandiosen Verkennung des historischen Sachverhalts auf die Erfahrung mit den 68ern verwiesen und die falschen Formeln der bürgerlichen Medien werden mal wieder bemüht.
Ohne jeden inhaltlichen Beitrag zu den gewiss nicht geringen Aufgaben linker Politik heute wird so unverhohlen die Apologetik der bestehenden Zustände betrieben und mit Sprechblasen garniert.
Wie bei der Achterbahn steht man dann am Ende dort, wo man grade abgefahren war. Nur im Kopf bleibt etwas schwindeliges übrig ..
Aber war das denn den völlig überteuerten Eintrittspreis wert?
h.hilse



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