Andi! Schöner Comic oder politische Indoktrination?

30.01.10
DebatteDebatte, Antifaschismus, NRW, TopNews 

 

Von Jürgen Noffz

Seit November letzten Jahres wird an den Schulen in NRW ein Comic mit dem Titel "Andi" verteilt. Er soll die Politiklehrkräfte im Unterricht unterstützen. Herausgeber ist das Innenministerium und verfasst wurde er vom Verfassungsschutz NRW. Es gab zwei Vorläufercomics, die sich mit dem Rechtsextremismus und dem radikalen Islamismus beschäftigten. Der neue Comic hat nun das Thema, linksautonome Szene und  Linksextremismus.

Der Inhalt des Comics besteht darin, dass ein Freund des Hauptdarstellers Andi, Ben, sich dem linksautonomen Spektrum zuwendet. Bei einer Sprühaktion wird Ben verhaftet. Danach radikalisiert er sich weiter, bis es auf einer Antifa-Demo zu Auseinandersetzungen kommt, in deren Verlauf ein Auto in Brand gesetzt wird und beim Kiosk des unbeteiligten Besitzers die Scheiben eingeworfen werden. Nach diesen Vorfällen wendet Ben sich von der Szene ab.

Der Comic ist vom zeichnerischen relativ gut gemacht, die Sprache, die einen jugendlichen Jargon treffen soll, ist teilweise übertrieben, künstlich und ungewollt karikaturhaft. Was in dem Comic auffällt, ist die immer wiederkehrende Gleichsetzung der linksautonomen Szene mit Gewalt und die theoretischen Inhalte scheinen hauptsächlich nur aus  Rechtfertigung der Gewalt zu bestehen. Ein Aktivist der Szene heißt in dem Comic dann auch bezeichnenderweise "Randale". An einer anderen Stelle findet eine Begegnung mit zwei "autonomen Nationalisten" statt. Zwei Beobachter stellen während der verbalen Auseinandersetzung zwischen Linksautonomen und Faschisten fest, "das beide den gleichen Quark reden" und "aussehen tun sie auch gleich", also findet hier eine Gleichsetzung zwischen Linksautonomen und Faschisten statt.

Der Comic wird immer wieder von theoretischen Einschüben unterbrochen, wie z.B. "Autonome/Kampf gegen das System", "Gewalt gegen Sachen", "ausländische linksextremistische Organisationen" usw. Was diese Einschübe auszeichnet ist das Hauptgewicht Gewalt. Ansonsten ist die ideologische Auseinandersetzung über die autonome Linke eher dürftig bzw. findet nicht statt. Obwohl die linksautonome Szene Ziel dieser "Informationsschrift" ist, wird in einem 6-seitigen Anhang darüber "informiert", was Linksextremismus eigentlich ist und die verschiedenen  Strömungen wie Anarchismus, Maoismus, Trotzkismus, Marxismus-Leninismus, Kommunismus, Stalinismus....dargestellt. Was in diesem Anhang steht ist allerdings entweder grob vereinfacht dargestellt oder schlicht und einfach falsch. Der Verfassungsschutz hätte sich, wenn er denn tatsächlich informieren wollte, um kompetente Beratung bemühen sollen.

Was soll nun die gesamte Broschüre. Laut Vorwort des Innenministers sollen die Leser erleben, was passiert, wenn Gewalt ins Spiel kommt. Die Broschüre geht jedoch erheblich weiter als dieses definierte Ziel. Sie ist eine Propagandaschrift gegen die gesamte radikale Linke und  wird damit der Funktion gerecht, repressive Maßnahmen der Staatsorgane politisch-propagandistisch  zu flankieren.

Abschließend, schade um das viele Geld, dass diese Schrift gekostet hat. Ich hoffe, dass die entsprechenden Lehrkräfte den Comic dazu benutzen um die Verdrehungen, die Fehler und die  dahinter stehen Absichten darzustellen und objektiv über die Ziele der Autonomen und der gesamten sozialistischen Linken zu informieren. Ansonsten ist der Papierkorb eine gute Aufbewahrungsstätte dieser Schrift.  



Leserbrief von Levi R. Goldstein zum Artikel über das Schüler/Schulcomic "Andi" - 01-02-10 14:49




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