Bourgeoisie, Sozialdemokratie und Aristokratie der Lohnarbeit - in den Reihen der Arbeiter, Angestellten und Beamten

11.09.09
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Von Reinhold Schramm

Ein weiterhin aktueller Quellenauszug:
"Die Arbeiteraristokratie, Träger des Opportunismus in der Arbeiterklasse" -

Renate Münder schreibt:
>Engels stellte bereits 1858 fest, "dass das englische Proletariat faktisch mehr und mehr verbürgert, so dass diese bürgerlichste aller Nationen es schließlich dahin bringen zu wollen scheint, eine bürgerliche Aristokratie und ein bürgerliches Proletariat neben der Bourgeoisie zu besitzen." (Brief an Marx vom 7.10.1858, in MEW, Bd. 29, S. 358) Engels nannte auch die materielle Grundlage dafür in einem Brief an Kautsky vom 12.9.1882: "Die Arbeiter zehren flott mit von dem Weltmarkts- und Kolonialmonopol Englands." (MEW Bd. 35, Berlin 1967) Denn die englische Bourgeoisie nahm schon um die Mitte des 19. Jahrhunderts durch den Besitz an Kolonien und durch die Ausbeutung anderer Länder infolge ihrer herrschenden Stellung auf dem Weltmarkt gewaltige Überprofite ein. Diese ermöglichten es ihr, eine Oberschicht der englischen Arbeiterklasse zu korrumpieren. Diese materiell besser gestellten Arbeiter bildeten eine besondere soziale Schicht, die Arbeiteraristokratie, die sich immer mehr von der Arbeiterklasse entfernte und die die Bourgeoisie als ihre politische Stütze in der Arbeiterklasse heranzuziehen trachtete.<

Renate Münder:
>Sie kommen aus der Arbeiterklasse, sind aufgestiegen durch ihre Klasse, in Betriebs- und Personalratsposten, in Gewerkschaftsfunktionen, von dort aus dann in Leitungsfunktionen für Regierung und Kapital.
Hansen z. b. machte seinen Weg vom Rangierer über den Gewerkschaftsvorsitzenden bis zum Vorstandsmitglied der Bahn. Seine Bezüge konnte er beim letzten Sprung verdoppeln.
Der gelernte Fliesenleger Riester wurde Jugendgewerkschaftssekretär, dann Bezirksleiter der IG Metall, dann stellvertretender IG Metall-Vorsitzender, schließlich Minister.
Klaus Volkert war Schmid, dann Mechaniker bei VW und stieg zum BR-Vorsitzender auf. Seine Sonderboni, die ihm Hartz bewilligte, machten in 10 Jahren zwei Millionen aus. Auch er verdoppelte so sein Gehalt.

So könnte man fortfahren.

Sie sind mehr oder weniger alle korrumpiert. Die Korrumpierung in der Art wie bei Volkert mit einem Luxuslebensstil und Lustreisen ist sicher die Ausnahme. Wenn auch das Kapital diese Möglichkeiten sehr wohl in Betracht zieht.

So stellte 1951 ein bekannter Wirtschaftsführer zum Mitbestimmungsgesetz in Düsseldorf fest: "Wir werden das Gesetz aushöhlen. Nach einigen Jahren werden die Arbeiter ihre Vertreter aus den Betrieben hinausjagen. Die Arbeitsdirektoren bekommen sofort die größten und luxuriösesten Personenwagen. Wir bauen ihnen Villen und geben diesen eine Luxusausstattung, die diese Bonzen korrumpieren. Mit Hilfe der Aufsichtsratsvergütungen sind so viele Möglichkeiten der Manipulierung gegeben, dass sich die Gewerkschaftsbonzen in den ihnen gelegten Schlingen nicht mehr bewegen können." (zit. nach WISO, 15.3.1958, H. 6, S. 99)

Aber meistens geht es viel billiger, Bestechung in den Reihen der Bourgeoisie ist wesentlich teurer. Manchmal reicht schon ein Schulterklopfen, ein scheinbar gleichberechtigtes Verhandeln wie bei Ihsan Balo, dem türkischen BR bei BMW. Das Gehalt ist nur eine, wenn auch die wichtigste Form der Bestechung.<


Vgl.: Die Arbeiteraristokratie, Träger des Opportunismus in der Arbeiterklasse. Von Renate Münder.
Gesamttext im Internet: http://www.marx-engels-stiftung.de/arbeiteraristokratie.html


Empfehlung:
1.) Beamte im Staatsapparat der Klassengesellschaft.
Aspekte zu einer DIW-Studie: "Sorgenfreier Reichtum" in Deutschland.
Internet: http://www.debatte.info/index.php?id=816

2.) Auch aus den Forderungen der (sozialdemokratischen) DGB-Frauen:
- "Mehr Frauen in Führung - dies gilt für alle Hierarchie-Ebenen: Von der Vorarbeiterin über die Gebietsleiterin, die Projektleiterin und Abteilungsleiterin bis zu den Vorständen der DAX-Unternehmen." - (...) - "Eine gesetzlich geregelte Quotierung der Aufsichtsratsgremien ist notwendig." -
Mehr im Internet: http://www.dgb-frauen.de/themen/dokumente/wahlpositionen.pdf







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