’Glauben’ heute: nach 500 Jahren Luther und fast 200 Jahren Marx

31.05.17
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Von Dr. Nikolaus Götz

Seitdem Immanuel Kant die „Kopernikanische Wende“ im Denken einleitete, gibt es immer mehr Menschen, die sich aus der ’Unmündigkeit’ ihres geistigen Seins durch die Anwendung ihres Verstandes ohne Anleitung durch Andere („Was ist Aufklärung?, 1784) befreit haben. Der moderne, aufgeklärte Mensch im 21. Jahrhundert weis eigentlich, dass er selbst seine Welt macht und dazu keiner Anleitung bedarf! Jedoch ’Religion’ ist, wie der aktuelle Kirchentag 2017 in Berlin zeigt, immer noch „das Opium für das Volk“ – wenngleich der Mensch von diesen theologischen Erziehern belehrt feststellen darf: „Du siehst mich!“ Doch Wahrnehmung ist bekanntermaßen individuell und zudem selektiv!

Über Jahrhunderte hinweg musste der unwissende Mensch Naturphänomene, Krankheiten ebenso wie die sozialen Zustände als ’Schicksal’ und ’gottgemacht’ ertragen. Bis noch in die Gegenwart hinein, war ’Glaube’ das Maß aller Dinge, wie uns die Führungseliten in Politik und Kirche zur Aufrechterhaltung ihrer gesetzten Machtstrukturen weismachten. Doch das „Voltaire verhaftet man nicht“, scheiterte vor Ort nicht nur bei den getätigten Wahlen im Saarland, Schleswig-Hostein und Nordrhein-Westfalen, sondern auch in Berlin bei den präsidierenden ’Friedensfürsten’ des Evangelischen Kirchentages: Angela Merkel und Barack Obama. Friedrich Schillers alte Forderung „Geben Sie Gedankenfreiheit!“ war auf diesem religiösen ’Parteitag’ mit der vorgegebenen Glaubensdoktrin allgegenwärtig!

’Himmlisch’ war der Beginn der jüdisch-christlich-islamisch festgelegten Menschheitsgeschichte nur im ’Paradies’. Doch der im Gegensatz zu seinen Vorfahren so bezeichnete ’Homo sapiens’, der wissende Mensch, kam auf dem Planeten Erde als unwissende Kreatur hernieder und musste dort „als Krone der Schöpfung“ sich gegen alle Widrigkeiten der Natur behaupten. Trotz eines gewissen Wissenszuwachses gab es im irdischen Jammertal keine historische Weiterentwicklung. Alles war festgelegt, determiniert in einem Herrschaftssystem des mehrheitlich da unten mit den Wenigen ganz oben. Alle warteten auf den Jüngsten Tag! Alle? Zumindest die Darbenden, zumal sie nach herrschender Doktrin erst im Jenseits ’fürstlich’ belohnt würden! Dafür wurden sie auf der Erde brutal ausgebeutet! Die erinnernden Stichwörter reichen von Sklavenarbeit, Frondienst über Tagelöhner bis zu den Aufstockern der aktuellen Gegenwart. Schön war die marxistische Erlösungstheorie vom Sozialismus und der Kommunistischen Gesellschaft zu lesen, doch die Praxis menschlicher Herrschaft beruht auf Macht! Bis heute regiert das ’Kapital’ die politische Diskussion und der Lobbyismus der Großindustrie hat viele der  „nur ihrem Gewissen“ unterworfenen Parlamentarier fest im Griff!

Wer in unserer ach so freien Gesellschaft ist eigentlich gegen den Mindestlohn und das bedingungslose Grundeinkommen für alle? Obgleich die Roboter da sind, nimmt ’Armut’ als Kinderarmut, Altersarmut oder Dauerarmut zu, wodurch die aktuelle Verteilungskrise der Industriegesellschaft auch in Deutschland, dem angeblich reichsten Land der Welt, deutlich wird. Vollziehen die in Parlamente gewählten Repräsentanten noch den ’freien’ Willen des Volkes oder vielmehr den, der sie korrumpierenden Konzerne? Hinter den Kulissen der so nicht berichtenden Mainstream-Medien wird die ’Demokratie’ mit dem Schlagwort für „mehr Rechte“ längst in einen Orwellschen ’Überwachungsstaat’ ausgebaut, in dem die ausgeschlossenen, besitzlosen ’Proletarier’ sich wieder neu vereinigen müssen. Noch ist ’es’ wieder nur ein Gespenst, doch ’es’ treibt sich herum wie einst und sucht eine politische Alternative.

 



Leserbrief zu: ’Glauben’ heute: nach 500 Jahren Luther und fast 200 Jahren Marx - 01-06-17 14:44




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