Der weite Weg zum Ungehorsam


Bildmontage: HF

06.05.11
DebatteDebatte, Arbeiterbewegung 

 

von Kornelia Richter

Wertung über eine hoch interessante linke Veranstaltung

Gestern fand in Leipzig eine hochinteressante Veranstaltung zum Thema: Wie kann die Gewerkschaft in die Offensive kommen? statt. Dabei sprach mir Mag Wompel vom Labournet.de e.V. aus dem Herzen, indem sie zum gesellschaftskritischen Ungehorsam aufrief und die Mechanismen der Selbst- und Fremdmanipulation aufzeigte, die zum alltäglichen Kriechertum führen.

Allerdings hat die nachfolgende Diskussion wieder gezeigt, mit wie viel Begeisterung und zwanghafter Suche nach Argumenten die Augen vor der einfachen Tatsache verschlossen werden, dass jeder von uns durch die Verlockungen und Zwänge des Geldsystems lieber ganz fest die Augen vor dem eigenen Leiden an der Ohnmacht und Instrumentalisierung zum treuen Untertan verschließt als sich wirklich zu wehren.

Denn die Angst davor, dass das Geldsystem sterben könnte und wir dann kein Geld mehr für unsre Arbeit erhalten würden, jeder von uns dann also „umsonst“ arbeiten müsste, lässt allen Leuten den kalten Schweiß ausbrechen. Lieber dient man untertänig und gegen sein Gewissen als sich dem Neuen, einer freien und humanistischen Zukunft zu öffnen. Warum nur haben auch die Linken solche Angst davor, dass die Banken endgültig zusammenbrechen könnten und die Weltfirmen in die Pleite gehen müssten?

Das Geldsystem ist ein gesellschaftliches Verhältnis, das nur solange funktionieren kann, wie alle Menschen eine leistungsgerechte und leistungsgerecht bezahlte Arbeit finden können, wobei die gerechte Bezahlung an die Messung der Arbeitszeit gekoppelt ist.
Erlischt die massenhafte unkreative Arbeit, dann erlöschen unwiderruflich alle Geldquellen. Die Automatisierung befreit also immer mehr Menschen von primitiver Arbeit und gibt ihnen die Möglichkeit, kreativ und frei zu sein. Wenn da nicht die gesellschaftlichen Zwänge wären, die jeden Menschen mit Gewalt in eine reaktionäre Geldverdienstmaschine zwingen wollen. Doch all die Menschen, die prekär Geld verdienen oder nichts verdienen, können auch nichts mehr kaufen.

Das Geldsystem, auch wenn es durch unerträgliche Sklaverei aufrecht erhalten wird, bricht zusammen, weil eben die Balance zwischen Käufern und Verkäufern zusammenbricht. Immer mehr Kommunen werden notleidend, weil die Menschen eben kein Geld mehr verdienen, also auch keine Steuern mehr zahlen können, statt dessen aber alimentiert werden müssen. Wenn der Binnenmarkt zusammenbricht, rettet Deutschland auch nicht die Exportindustrie, denn der Prozess des Heraustritts der Menschheit aus der Produktion ist ein globaler Prozess.

Der Aufstieg zum Kommunismus ist unaufhaltsam, selbst dann, wenn kein Mensch das bewusst will. Der Aufstieg zum mündigen Bürger, der sein Leben und Arbeiten nach seinen Bedürfnissen und Talenten selbst gestaltet und verantwortet, ist unaufhaltsam. Die Zeit der ökonomischen und ideologischen Sklaverei geht zu Ende.

Aber noch sind alle still geduckt, wenn die Weltfirmen ihre Pleite auf unserem Rücken hinausschieben und ihre dreckigen Geschäfte auf unserem Unglück aufbauen. Ich wohne in Schkeuditz neben dem DHL – und NATO-Flugplatz und habe schon lange keine ruhige Nacht mehr gehabt. Gesundheits- und Lärmschutznormen sind Makulatur, wenn sie die Geschäfte der Großen behindern. Ich als Bürger bin ohnmächtig den Haien, die mit Recht und Gesetz ihren Egoismus durchsetzen, ausgeliefert. Die Bürgerbewegungen scheitern regelmäßig an dem dummen Egoismus der Gehorsamen auf allen Hierarchieebenen, die auch dann kassieren wollen, wenn sie sich dadurch total unglücklich machen.

Aber wie Mag Wompel gestern sagte, ist es ja verpönt, in seinem Leben und in seiner Arbeit nach dem Glück zu streben. Nur die Arbeit unter der Knute mit Blut und Tränen ist eine gute Arbeit. Der Untertan, der sich glücklich wähnt, ist der faschistische Judas, der für alles und jedes käuflich ist und noch für jedes Verbrechen eine Entschuldigung findet.

Ich aber bekenne mich zu meiner Ohnmacht und zu meinem Unglück, die noch nie so groß waren wie seit der Wende, als „Freiheit und Demokratie“ über mich gekommen sind. Die Gewerkschaften und die Linken haben auch ihren Anteil daran, dass nun heute das Sterben der Marktwirtschaft mit so viel Leid und Blut verbunden ist. Da niemand bereit ist, seine vermeintlichen Pfründe aufzugeben, bleibt allen Unglücklichen nur die Hoffnung auf den baldigen, von außen kommenden Zusammenbruch.

Kornelia Richter


VON: KORNELIA RICHTER






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