CSU und Demoskopie


Bildmontage: HF

05.07.18
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Zur aktuellen innenpolitischen Krise in der BRD. Teil V

von TaP

Ich hatte hier am Freitag, ohne Belege zu nennen, behauptet: „Die Fortsetzung des Streits [zwischen CDU und CSU] scheint mir jedenfalls kein realistisches Szenario zu sein; der bisherige Streit mit der CDU hat beiden Parteien in den Umfragen geschadet.“

Auch wenn wir vermutlich, morgen früh wissen werden, ob CDU und CSU und vielleicht doch auch Merkel und Seehofer, zusammen in einer Regierung und einer Fraktion bleiben oder nicht, so seien die Belege, die am Freitag fehlten, dennoch nachgereicht. Denn sie zeigen – unabhängig vom Ausgang des Streits zwischen CDU und CSU –, daß die Mehrheit der jeweils Befragten und wohl selbst der Unions-AnhängerInnen die Forderung nach Grenz-Zurückweisungen, wenn nicht für falsch, so doch jedenfalls nur für um einen unvertretbaren Preis oder für gar nicht durchsetzbar halten.

1. a) Parteien, Personen und Sachpositionen im ZDF-Politbarometer der Forschungsgruppe Wahlen

 

Schon im – für das ZDF erstellten – Politbarometer der Forschungsgruppe Wahlen für die Zeit vom 5. bis 7. Juni 2018 (= 23. Kalenderwoche) – also noch vor öffentlicher Eskalation des Streits über die Grenz-Zurückweisungen – verloren CDU/CSU gegenüber der 20. Kalenderwoche – also Mitte Mai – einen Prozentpunkt. Dies mag noch ein Effekt des vermeintlichen Skandals bei dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) gewesen sein; allerdings verlor ebenfalls die AfD einen Prozentpunkt, während ausgerechnet Grüne und Linkspartei je einen hinzugewannen (was gegen die Bamf-Ursachen-Hypothese spricht).[1]

Für die Zeit vom 25. bis 28. Juni (also Montag bis Donnerstag der vergangenen = 26. Kalenderwoche) verloren CDU/CSU einen weiteren Prozentpunkt, während die AfD einen hinzugewann; ebenfalls die Grünen gewannen einen Prozentpunkt hinzu, während die Linkspartei stabil blieb.[2]

Darauf, daß dieser Verlust der Union zumindest nicht nur die CDU, sondern auch die CSU betrifft, deutet hin, daß bei der Personen-Bewertung auf einer +5- bis -5-Skala

  • nicht nur Angela Merkel (+ 0,9 nach + 1,1 in der 23. und + 1,5 in der 20. KW),
  • sondern auch Horst Seehofer (- 0,3 nach + 0,3 in der 23. KW und + 0,1 in 20. KW) und Markus Söder (- 0,5 nach + 0,1 in der 23. KW; in der 20. KW nicht dabei) – und zwar noch deutlicher – absackten –,
  • während Ursula von der Leyen (CDU) stabil bei 0,1 blieb.

Nach der gleichen Umfrage halten 58 % aller Befragten und 59 % der Unions-AnhängerInnen die Forderung nach Grenz-Zurückweisungen für richtig (deutlich überdurchschnittliche Zustimmung bei AfD und FDP; unterdurchschnittliche Zustimmung bei den anderen Parteien; weit überwiegende Ablehnung allein bei den Grünen-AnhängerInnen). Gleichzeitig halten nur 28 % der Befragten die Forderung für umsetzbar.

„Dass es der CSU bei dem Streit vor allem um die Lösung des Flüchtlingsproblems geht, meinen nur 28 Prozent. Für fast zwei Drittel (65 Prozent) spielen hier die Chancen bei der Landtagswahl in Bayern die größere Rolle. Diese Einschätzung teilen auch die Anhänger der CDU/CSU. Schuld am Streit zwischen den Schwesterparteien ist für 10 Prozent die CDU, für 38 Prozent die CSU und 45 Prozent meinen, es liege an beiden gleichermaßen.“

Und vor allem beantworten

  • 91 % der Befragten die Frage, ob das, was die Umfrage „das Flüchtlingsproblem in Deutschland“ nennt, „eher gelöst werden [kann], von Deutschland alleine oder gemeinsam mit den anderen Ländern in der EU?“ im Sinne der zweiten Alternative (EU)[3]

und

  • 85 % der Befragten folgenden Punkt des Fragenkatalog ebenfalls im zweiten Sinne:

„Nach geltendem Recht ist in der Europäischen Union immer jeweils das Land für die Aufnahme der Flüchtlinge zuständig, in dem diese Flüchtlinge zuerst ankommen.

- Sollte es bei dieser Regelung bleiben oder

- sollte zukünftig die Europäische Union insgesamt für die Flüchtlinge zuständig sein, und dann dafür sorgen, wie diese auf die einzelnen Mitgliedsländer verteilt werden?“[4]

Ich verstehe zwar nicht, wie es logisch möglich sein soll, gleichzeitig

  • zu der 85 %-Mehrheit zu gehören, die das ‚Ankunftsland-Prinzip’ abschaffen will und statt dessen eine Verteilung der Geflüchteten zu befürwortet,

und

  • zu der 58 %-Mehrheit zu gehören, die die CSU-Forderung befürwortet, „dass Flüchtlingen, die bereits in einem anderen EU-Land registriert wurden, die Einreise nach Deutschland verweigert wird und diese wieder in das entsprechende EU-Land zurück geschickt werden“.

Aber vielleicht stellen sich die Leute ja vor, daß sich die Registrierung mit der Verteilung ändert und die Grenz-Zurückweisungen dann nicht mehr dazu dienen würden, den Verbleib im Ankunftsland zu erzwingen, sondern den Verbleib in dem Land, in das die Geflüchteten verteilt werden – und vielleicht stellen sich einige von jenen 85 % auch vor, daß unter dem Strich weniger Geflüchtete nach Deutschland kommen, wenn Geflüchtete in alle – also auch osteuropäische – EU-Länder verteilt werden.

 

b) Personen in einer Forsa-Umfrage für n-tv

 

Die Tendenz der Personen-Bewertungen im Politbarometer wird von einer Emnid-Umfrage [s. dazu unten bei 4.c)] und einer Forsa-Umfrage im Auftrag von n-tv bestätigt. Nach letztgenannter Umfrage (für die 1.033 bayerische Wahlberechtigten am 21. und 22.06. – anscheinend parallel zu einer bundesweiten Befragung vom 18. - 22.06.2018, deren Ergebnisse am 24.06.2018 veröffentlicht wurden – befragt wurden) wird Merkels Arbeit auch in Bayern unter allen Befragten und auch unter den CSU-AnhängerInnen besser bewertet als die des bayerischen Ministerpräsidenten Söder und des Bundesinnenministers Seehofer, deren Arbeit wiederum von den AfD-AnhängerInnen besser bewertet wird, als von den CSU-AnhängerInnen:

„Bezeichnend ist, dass die AfD-Anhänger in Bayern mit 67 Prozent zufriedener mit der bisherigen Arbeit Söders sind als die CSU-Anhänger (56 Prozent). Die Anhänger der anderen Parteien sind in der Mehrheit eher unzufrieden mit ihrem Ministerpräsidenten. […]. Gleiches gilt allerdings auch für die Kanzlerin. Nach der Zufriedenheit mit der Arbeit von Angela Merkel gefragt, antworteten nur 43 Prozent der befragten Bayern, sie seien zufrieden. Söder kommt im Vergleich nur auf 38 Prozent. Noch weniger Zustimmung erfährt Seehofer als Bundesinnenminister. Laut Forsa gaben 61 Prozent der Befragten an, weniger zufrieden oder unzufrieden mit dem bisherigen Auftreten des Ministers zu sein. Mehrheitlich zufrieden mit Seehofers Arbeit sind lediglich die Anhänger von CSU (55 Prozent) und AfD (61 Prozent).“ (n-tv v. 24.06.2018)

„Selbst unter den CSU-Anhängern schneidet Merkel derzeit mit 61 Prozent besser ab als Söder.“ (n-tv vom 28.06.2018)

Diese Zahlen zeigen zwar nicht, daß es der CSU mit ihrer Strategie nicht gelingt, potentielle AfD-WählerInnen an sich zu binden (zu dieser Frage sagen die genannten Zahlen nichts!), aber sie zeigen, daß die CSU dadurch WählerInnen in der Mitte verliert oder zu verlieren droht.

 

c) Die Wahlaussichten der CDU (!) in Bayern nach der gleichen Forsa-Umfrage sowie einer Civey-Umfrage für Augsburger Allgemeine und Spiegel

 

Anscheinend aus der gleichen Umfrage stammt zwei Ergebnisse, über die merkwürdigerweise nicht zuerst n-tv, sondern erst einige Tage später Die Zeit berichtete[5]:

„Träte die CDU bei Bundestagswahlen auch in Bayern an, könnte das die Schwesterpartei CSU viele Stimmen kosten. 54 Prozent der Wähler, die bei der vorigen Wahl noch die CSU gewählt hatten, würden zur CDU wechseln. Das geht aus einer Umfrage des Forsa-Instituts hervor, die der ZEIT vorliegt. Insgesamt käme die CDU in Bayern demnach auf 33 Prozent.

Zugleich sehen die Menschen in Bayern die CSU als das größte Problem in ihrem Land, auch das ist ein Ergebnis der Umfrage. 39 Prozent der Teilnehmer antworteten auf die Frage ‚Was sind die größten Probleme in Bayern?’ mit ‚CSU’. Die bayerische Regierungspartei liegt damit auf dem ersten Platz, vor ‚Flüchtlingen’ (30 Prozent) und ‚Lage am Wohnungsmarkt’ (24 Prozent). Die Frage wurde offen gestellt, es waren keine Antwortmöglichkeiten vorgegeben. Zwischen dem 21. und 22. Juni hatte Forsa in Bayern in 1.033 Wahlberechtigte befragt.“ (Die Zeit v. 27.06.2018)

Differenziertere – und in Bezug auf die CDU tendenziell niedrigere – Zahlen in Bezug auf das erste in dem Zeit-Zitat genannte Ergebnis liefert eine Civey-Umfrage für den Spiegel (v. 29.06.2018) und die Augsburger Allgemeine (ebenfalls vom 29.06.2018):

„Wenn am Sonntag Landtagswahl in Bayern wäre und die CDU zusätzlich zur CSU anträte, würden 17,4 Prozent ‚sehr wahrscheinlich’ die Partei von Angela Merkel wählen, 5,5 Prozent ‚eher wahrscheinlich’, 3,1 Prozent wären ‚unentschieden’, 15,3 Prozent hielten es für ‚eher unwahrscheinlich’ und 58,7 Prozent für ‚ausgeschlossen’.“

 

Quelle: https://www.augsburger-allgemeine.de/special/bayern-monitor/Bayern-CDU-wuerde-der-Opposition-mehr-schaden-als-der-CSU-id51498186.html

 

Noch niedrigere Zahlen nannte die FAZ am 20.06.2018 (allerdings ohne Quellen zu nennen): „nach Umfragen könnte sie [die CDU] auf sieben bis acht Prozent der Stimmen kommen“, würde sie in Bayern treten.

 

2. Parteien in Umfragen von Civey und YouGov für den Spiegel sowie das Redaktionsnetzwerk Deutschland

 

a) Bei Civey – für den Spiegel – rutschten CDU/CSU von 32,2 % im Zeitraum vom 22. bis 29.05.2018[6] um 2,4 Prozentpunkte auf 29,8 % im Zeitraum vom 19. bis 26. Juni 2018[7]. Gleichzeitig verbesserte sich die AfD um fast 1 Prozentpunkt.[8]

 

b) Bei YouGov – für das Redaktionsnetzwerk Deutschland (u.a. Hannoversche Allgemeine Zeitung und Leipziger Volkszeitung) – rutschte die Union (im Vergleich 25. bis 29.05.2018 /

22. bis 26.06.2018) sogar um 3 Prozentpunkte ab, während die AfD stabil blieb.[9]

 

Beide Umfragen enthalten keine Angaben zur regionalen Differenzierung; aber gerade bei so hohen Verlusten kann vermutet werden, daß diese nicht allein außerhalb Bayerns eingetreten sind.

 

3. Parteien im Forsa-Trendbarometer für RTL und n-tv

 

Auch im – für RTL und n-tv erstellten – Forsa-Trendbarometer verlor die Union schon vom 4. bis 8. Juni 2018 (23. Kalenderwoche) – eventuell wegen des vermeintlichen Bamf-Skandals[10] – einen Prozentpunkt gegenüber der Vorwoche, was aber einen Gleichstand mit dem Forsa-Wert für die 20. Kalenderwoche bedeutete. Die AfD blieb – wie schon den Mai über – bei 13 Prozent.[11]

In der ersten Hälfte der folgenden Woche (bis 13.06.) gewann die Union zunächst noch einen Punkt hinzu und verlor dann vier in der zweiten Wochenhälfte (bis 15.06).[12]

In der Folgewoche (bis 23.05.) blieben Union und AfD gegenüber der zweiten Hälfte der Vorwoche gleich. Die Linkspartei legte einen Prozentpunkt zu und liegt jetzt wieder bei dem Wert, den sie die meiste Zeit im April und Mai hatte. Die FDP verliert einen; die SPD gewinnt einen Prozentpunkt.

Vorgestern (Sa., den 30.06.) wurde die neueste Umfrage (für die Zeit vom 25. bis zum 30. 06.2018) veröffentlicht: Die Union holt einen der vier verlorenen Punkte auf; die FDP gewinnt ebenfalls einen, während Grüne und Sonstige je einen verlieren.

Damit liegen CDU/CSU weiterhin 3 Prozentpunkte unter den 34 %, die sie die meisten Zeit seit Anfang Dezember 2017 hatten.[13]

Aber nicht nur CDU/CSU verlieren bundesweit, sondern auch die CSU allein – und zwar sowohl, wenn nach einer Bundestags-, als auch, wenn einer Landtagswahl gefragt wird. Allerdings liegen insofern anscheinend nur Vergleichszahlen vom Februar vor[14], sodaß sich über die Auswirkungen des Streits über Grenz-Zurückweisungen keine sichere Aussage macht läßt.

  • Während es im Februar noch 42 % der Befragten war, die angaben bei einer Landtagswahl am „kommenden Sonntag“ CSU wählen zu wollen, so waren es in der vorletzten Juni-Woche nur noch 40 %.[15]
  • In Bezug auf eine etwaige Bundestagswahl am „kommenden Sonntag“ sind beide Werte (40 und 36 %) niedriger und der Verlust von Februar bis zur vorletzten Juni-Woche größer.[16]
  • Der Anteil der AfD wäre dagegen bei einer Landtagswahl (Feb.: 10%; vorletzte Juni-Woche: 13 %) niedriger als bei einer Bundestagswahl (Feb.: 12 %; vorletzte Juni-Woche: 15 %).[17]

Die letzten beiden Aufzählungspunkte deuten darauf hin, daß es der CSU mit ihrer Linie durchaus gelingt, potentielle AfD-WählerInnen an sich zu binden, ohne aber eigene Verlust und AfD-Gewinne verhindern zu können.

 

4. Umfragen von INSA für Bild sowie von Emnid für Bild am Sonntag und die Funke-Mediengruppe

 

a) aa) Die einzige weitere, aktuelle Umfrage in Bezug auf die bayerische Landtagswahl ist von INSA[18] – für die Bild-Zeitung, die jedenfalls kein Interesse haben dürfte, die CSU in eine Krise oder Niederlage zu schreiben. Nach diesen Zahlen verliert die CSU von Mitte April bis Ende Juni einen Prozentpunkt, während die AfD einen hinzugewinnt.[19]

Auch INSA fragt manchmal in Bezug auf die Bundestagswahl in Bayern und kommt von Mitte Dezember bis Ende Juni zu einem Verlust der CSU von einem Prozentpunkt und einem Gewinn der AfD um drei. Beide Bundestags-Werte für die CSU sind auch hier niedriger als für die Landtagswahl.[20]

bb) In Bezug auf die wöchentlichen bundesweiten Zahlen, die anscheinend immer dienstags veröffentlicht werden, haben CDU und CSU – gegenüber dem Zeitraum 08.06.-11.06.2018 – zunächst (bis 18.6.) jeweils einen Prozentpunkt verloren und sind dann (bis 25.6.) stabil geblieben. Verglichen mit Anfang Juni (01.06.-04.06.2018) liegt die CSU jetzt aber einen Prozentpunkt höher; aber die CDU sogar vier Punkte niedriger. Die AfD liegt in allen vier Juni-Umfragen stabil bei 16 %. Die SPD ist von der ersten zur zweiten Umfrage stabil, steigt dann um zwei Prozentpunkte und schließlich um einen halben.[21]

 

b) Das Schwesterblatt Bild am Sonntag veröffentlicht jeweils Emnid-Zahlen. Danach lagen CDU/CSU vom 14. bis 20.06.2018 zwei Prozentpunkte unter der Vorwoche[22] und einen Prozentpunkt unter der Vorvorwoche[23]. Die AfD stieg in beiden Vergleichszeiträumen um einen Prozentpunkt.[24]

In der aktuellen Umfrage, die vom 21. bis 28.06.2018 stattfand, stiegen Union und SPD um 1 Prozentpunkt, während die AfD zwei abgab. Außerdem tauschten Linkspartei und Sonstige noch (je) einen Prozentpunkt.[25]

Eine Schlußfolgerung könnte lauten: Hysterie innerhalb von CDU und CSU pusht die AfD zunächst hoch und stabilisieren sie dann – wenn der Hysterie zu rund 85 % nachgegeben wird (= Ergebnisse des EU-Gipfels) – auf dem status quo ante – aber trägt nicht dazu bei, WählerInnen von der AfD zurückzugewinnen, da sie nicht dazu in der Lage ist, AfD-SympathisantInnen von einer anderen Meinung zu überzeugen – aber diese Hypothese müßte anhand von anderen Zeitpunkten/Konflikt-Beispielen und Umfragen weiterer Institute überprüft werden.

 

c) Eine weitere Emnid-Umfrage wurde für die Zeitungen der Funke-Mediengruppe (mehrere Regionalzeitung in Nordrhein-Westfalen [u.a. WAZ sowie Neue Ruhr- / Neue Rheinzeitung] und Thüringen]) durchgeführt. Dort wurde nicht nach Parteien, sondern Politikern gefragt:

„Auf die Frage, ob er im Asylstreit eine eher gute oder eine eher schlechte Rolle spielt, bewertete mehr als die Hälfte der 500 befragten Bürger (54 Prozent) seine Rolle mit ‚eher schlecht’. Nur 18 Prozent fanden sein Verhalten ‚eher gut’, der Rest war unentschieden. Bemerkenswert ist die Reaktion in den eigenen Reihen auf Dobrindts Kurs. Unter den Anhängern von CDU und CSU bewerteten ihn 61 Prozent mit ‚eher schlecht’ und nur 23 mit ‚eher gut’.

Noch negativer schnitt CSU-Chef und Bundesinnenminister Horst Seehofer im eigenen Lager ab: Seine Rolle im Asylstreit bewerteten sogar 66 Prozent der befragten Unionsanhänger mit ‚eher schlecht’. 28 Prozent fanden ihn ‚eher gut’. Insgesamt findet fast jeder zweite befragte Bürger Seehofers Rolle im Asylstreit nicht gut.

Politisch nicht ganz so stark angeschlagen wie seine Parteifreunde ist Bayerns Ministerpräsident Markus Söder durch den Konflikt: Sowohl unter allen befragten Bürgern als auch unter den Unionsanhängern bewertet die Hälfte seine Rolle im Asylstreit mit ‚eher negativ’. Nur 28 Prozent (alle Bürger) beziehungsweise 39 Prozent (Unionsanhänger) bewerteten ihn gut. […]

Bemerkenswert groß ist die Zustimmung, die die drei führenden CSU-Politiker unter Anhängern der AfD für ihren Kurs bekommen: Bei Söder sagen 87 Prozent der Sympathisanten der rechtskonservativen Partei, er habe eine „eher gute Rolle“ gespielt, bei Seehofer sind es 84 Prozent und bei Dobrindt 55 Prozent.“ (https://www.nrz.de/politik/fluechtlingspolitik-asylstreit-schadet-besonders-der-csu-id214725691.html)

 

5. ARD-Deutschlandtrend von infratest-dimap

 

Im von infratest-dimap für die ARD erstellten Deutschlandtrend lassen sich dagegen keine Unions-Verluste eindeutig auf den Streit über die Grenz-Zurückweisungen zurückführen. Zwar lag die Union in der Zeit vom 11. bis 13. Juni 2018 (also schon nach der Merkel-Äußerungen vom 10.06.2018[26] und der – am Folgetag bekannt gegebenen – Absage von Seehofers Masterplan-Pressekonferenz[27]) um einen Prozentpunkt niedriger als vom 07. bis 08.05.2018[28] und sogar um zwei Prozentpunkte niedriger als vom 14. bis 16.05.2018[29]. Vom 25. bis 26.06.2018 lag die Union dann allerdings wieder einen Prozentpunkt höher.

 

6. Mittelwert-Berechnung zahlreicher Umfragen durch die Wikipedia

 

Die Wikipedia kommt im Mittelwert-Vergleich von 22 Umfragen aus dem Juni mit 19 Umfragen aus dem Mai zu Unions-Verlusten von 1,3 Prozentpunkten und AfD-Gewinnen von 0,5 Prozentpunkten.[30]

 

7. Die Wahlaussichten von CDU und CSU, wenn beide bundesweit gegeneinander kandidieren würden

 

Schließlich sind noch zwei Umfragen interessant, die sich mit der Frage beschäftigen, wie die CSU bei Bundestagswahlen abschneiden würde, wenn sie bundesweit antreten würde. Die erste Umfrage wurde am 19. Juni veröffentlicht; die zweite ist Bestandteil des ZDF-Politbarometers aus dieser Woche.

 

a) Umfrage 1[31] ergab folgendes Ergebnis:

 

 

CDU/CSU gemeinsam

beide – bundesweit – gegeneinander

Differenz

CDU

29

22

+ 11

CSU

18

SPD

19

17

- 2

AfD

16

12

- 4

Linke

12

11

- 1

Grüne

11

10

- 1

FDP

8

6

- 2

mathematischer Rest

5

4

- 1

Summe

100

100

0

 

Die gleiche Frage wurde im übrigen – für die Ausgabe Juli 2016 des Cicero – schon einmal vom gleichen Institut (INSA) gestellt. Damals kam die CSU bundesweit auf 16 %.[32]

Vielleicht erfahren wir am Dienstag der kommenden Woche aktuelle Zahlen...

 

b) Für das ZDF-Politbarometer wurde vager gefragt: „Und wenn CDU und CSU zukünftig bei Wahlen getrennt antreten würden, könnten Sie sich dann vorstellen, bei einer Bundestagswahl die CDU zu wählen?

Und könnten Sie sich dann vorstellen, bei einer Bundestagswahl die CSU zu wählen?“[33]

Die erste Frage bejahten 47 % und die zweite 33 %.[34]

Als Vergleichswert aussagekräftig wären diese Zahlen freilich erst, wenn wir wüßten, wieviel Leute sich im Moment „vorstellen“ könnten, die Kombination CDU/CSU zu wählen.

 

 


[5] n-tv (v. 28.06.2018) bezog sich dann erst einen Tag nach der Zeit-Meldung seinerseits auf diese: „Ein Auseinanderbrechen der Union hätte nicht nur Folgen für den Wahlkampf, berichtete ‚Zeit online’ unter Berufung auf Daten des Meinungsforschungsinstituts Forsa. Die CSU müsste sich unter Umständen dann auch auf Konkurrenz der größeren Schwesterpartei einstellen. Falls die CDU in einem solchen Szenario beschließt, mit eigenen Kandidaten in Bayern zur Wahl anzutreten, könnte sie der CSU demnach mehr als die Hälfte ihrer bisherigen Wähler abjagen.“

[8] Siehe FN 6 und 7.

[10]Womöglich sind es die Auswirkungen der Bamf-Affäre, die nun erste Spuren hinterlassen: CDU und CSU verlieren in der aktuellen Forsa-Umfrage leicht“ (https://www.n-tv.de/politik/Union-verliert-leicht-FDP-gewinnt-article20472060.html).

[11] Die Grünen verloren dort gegenüber der Vorwoche einen Prozentpunkt; blieben aber gegenüber der 20. KW gleich; die Linkspartei blieb gegenüber die Vorwoche gleich, gewann aber einen Prozentpunkt gegenüber der 20. KW hinzu.

[12] AfD und Grüne blieben zunächst gleich und gewannen dann je zwei Prozentpunkte. Die Linkspartei verlor zunächst zwei Punkte und gewann dann einen wieder hinzu. Die FDP blieb zunächst gleich und gewann dann einen Prozentpunkt; die SPD blieb zunächst gleich und verlor dann zwei Prozentpunkte.

[13] https://www.n-tv.de/politik/Merkel-ueberzeugt-mehr-Waehler-als-Seehofer-article20506380.html. Aus der Umfrage ergibt sich im übrigen auch: „Die große Mehrheit der Deutschen hält nach wie vor eine europäische Lösung der Flüchtlingsfrage für sinnvoller als einen nationalen Alleingang. Wie Umfrageergebnisse des Forsa-Instituts im Auftrag von RTL und n-tv zeigen, unterstützen 69 Prozent der Befragten die von Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel propagierte EU-Lösung. […]. Der Forsa-Umfrage zufolge unterstützen Merkels Kurs insbesondere die Wähler der CDU (83 Prozent) und der Parteien links der Mitte. Aber auch 66 Prozent der FDP-Anhänger befürworten eine europäische Lösung. Die Wähler der CSU sind hingegen in nahezu gleiche Teile gespalten. 49 Prozent tendieren zu Merkels Plan, 48 Prozent halten zu Seehofer.“

[17] Siehe FN 15 und 16.

[18] INSA hatte in seiner letzten Umfrage vor der Bundestagswahl 2017 deren Ergebnis relativ genau vorausgesagt (s. https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Bundestagswahl_2017/Umfragen_und_Prognosen&oldid=177446559#Letzte_Umfragen).

[19] Siehe FN 15. S.a. die Meldung des Münchener Merkur v. 28.06.2018, die die Veränderungen zur vorhergehenden Umfrage, deren Datum nicht genannt wird, angeführt. Diese Zahlen entsprechen aber den bei wahlrecht.de für April  genannten, sodaß wohl davon auszugehen ist, daß es zwischendurch tatsächlich keine weitere Umfrage gab.

[20] Siehe FN 16.

[22] https://www.bild.de/politik/inland/umfrage/cdu-und-csu-verlieren-im-sonntagstrend-nach-dem-asylzoff-56100746.bild.html (nennt die Zahlen für die Zeit vom 14. bis 20.06.2018 und die Veränderung gegenüber der Vorwoche!).

[23] https://www.bild.de/politik/inland/wahltrend/wahltrend-55958694.bild.html (nennt die Zahlen für die Zeit vom 30.05. - 06.06.2018).

[24] Siehe FN 22 und 23.

[26] „‚Wir sind über den Masterplan noch in intensiven Gesprächen’, sagte Merkel am Sonntagabend [10.06.2018] in der ARD-Sendung ‚Anne Will’.“ (Stern v. 11.06.2018)

[27] Nach der in FN 26 genannten Sendung sagte Seehofer die Pressekonferenz zur Vorstellung seines Masterplans, die für Dienstag, den 12.06. geplant war, am Montag ab (Tagesspiegel v. 11.06.2018).

[28] http://www.tagesschau.de/inland/deutschlandtrend/index.html (Achtung: Die Veränderungsangabe bezieht sich auf die am 9. Mai veröffentlichten vor-vorhergehenden Zahlen!).







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