Wo bleiben alternative gesamtgesellschaftliche Konzepte?


Bildmontage: HF

14.09.19
DebatteDebatte, TopNews 

 

Von G. Karfeld

Es gibt zahllreiche verschiedene Gruppen und Initiativen die sich gegen irgend etwas aussprechen, von dem sie der Meinung sind, dass dieses Bestimmte schädlich ist, für die Gesellschaft, Umwelt und die Zukunft der Menschheit.
Gegen Atom- und Kohlekraftwerke
Antifaschismus
Gegen Umweltzerstörung
Gegen den Individualverkehr (PKW) in Städten
Gegen Krieg
Gegen Steuererhöhungen
Gegen Kapitalismus
Gegen Arbeitslosigkeit
Gegen Armut
Gegen Demokratieabbau
Gegen Sozialabbau
Gegen Massentierhaltung
Gegen Niedriglohn
Gegen die Einschränkung der Meinungsfreiheit
Gegen das Medienkartell
Gegen das Politische Kartell der etablierten Parteien ( Protestwähler)
Gegen die NATO
Gegen Grenzenlosigkeit und grenzenlose Migration.
Gegen Grenzen und Grenzen für Migration
Gegen Niedrigrenten
Gegen ausrufernde Managergehälter
Gegen Wohnungsnot
Die Liste ist bei weitem nicht vollständig. Jede einzelne Forderung ist für sich berechtigt und ihre Durchsetzung auch wünschenswert. Das schließt nicht aus dass manche Forderungen auch im direkten Widerspruch zueinander stehen, wie z.B. die Forderung nach Abbau der Grenzen und für grenzenlose Migration. Aber auch genau der Umkehrung, der Kontrolle der Grenzen und Begrenzung für Migration. Hinter letzterer Forderung stehen weite Teile der Bevölkerung ob es nun den Gegnern gefällt oder nicht. Allein diese Forderung verleiht der AfD ihre Existenz. Denn ansonsten hat diese Partei nichts zu bieten.
Wenn man diese vielfältigen Forderungen wahrnimmt entsteht der Eindruck, die Teile der Gesellschaft, die sich gegen negative Auswüchse in unserer Gesellschaft einsetzen, ich nenne sie einmal die Protestbewegung oder Antibewegung, ist sehr stark zersplittert und daher völlig wirkungslos. Außerdem dürfte sie teilweise auch von den Herrschenden gesteuert sein. Alle haben auch ein gutes Gefühl und ein gutes Gewissen, denn sie setzen sich ja alle für etwas gutes ein. Jede der Forderungen ist für sich gesehen völlig berechtigt, ich kann alle ausnahmslos unterschreiben, auch die, die, im Widerspruch zu einander stehen.
Was diese vielen Gruppen jedoch übersehen, ist, all diese Zustände die reklamiert werden sind Teil des bestehenden kapitalistischen Systems. Dieses System steht heute unter enormer Spannung. Es ist sehr Krisenanfällig und die Auswüchse die reklamiert werden dienen häufig dazu um es am Leben zu erhalten. Das heißt, es ist nicht möglich einige dieser Forderungen zu erfüllen ohne das bestehende kapitalistische System insgesamt zu gefährden. Dies läßt auch die herrschende kapitalistische Klasse nicht zu. Ein Absturz des bestehenden Systems ist auch nicht wünschenswert, denn dies würde bei der Abhängigkeit von den globalen Märkten, auch der Lebensmittelversorgung, massive Opfer erfordern. Daher wäre es sinnvoll die wichtigsten Forderungen in einem Katalog zusammen zu fassen und diesen in einem alternativen Gesellschaftsmodell dem kapitalistischen Gesellschaftsmodell entgegenzustellen. Es sollte, wenn möglich ein geordneter Übergang angestrebt werden. Dieses alternative Gesellschaftsmodell sollte dann als ganzes von allen Gruppen vertreten werden. Nur die Vereinigung des Protestes und ein geschlossenes Auftreten gegen die herrschenden Zustände haben eine Chance Veränderungen zu erzwingen.
Was bringt der Antifaschismus, wenn die Linke keine Alternative bietet?
Wer gegen Atom- und Kohlekraftwerke ist muss tragfähige alternative Energiesysteme anbieten. Windkraft und Photovoltaikanlagen alleine reichen dafür nicht aus. Sie gewähren kein stabiles Stromnetz.
Was bringt die Antikriegsbewegung, wenn der Krieg ein für die kapitalistischen Eliten unverzichtbarer Teil des bestehenden Sytems ist?
Der Antikapitalismus ist ohne das Angebot einer für weite Teile der Gesellschaft akzeptablen Alternative eine leere Worthülse.
Die Bekämpfung der Armut ist ohne dass man den wahren Ursachen dafür auf den Grund geht wirkungslos.
Wer die Umweltzerstörung stoppen will, muss dem grenzenlosen Wachstum das Teil des kapitalistischen Systems ist, Grenzen setzen.
Eine Welt ohne Grenzen und grenzenlose Migration ist wünschenswert, aber ohne das zu mindesten der Größte Teil der Länder dieser Erde annähernd gleichen Lebensstandard sowie annähernd gleiche soziale und wirtschaftliche Verhältnisse aufweisen, nicht durchsetzbar. Ohne dass dies der Fall ist kann Migration als Waffe zur Destabilisierung der Länder eingesetzt werden, deren Gesellschaft einen hohen Lebensstandard sowie höhere soziale und im Vergleich bessere wirtschaftliche Verhältnisse aufweisen. Das Endergebnis wird sonst eine Einhegung auf den niedrigsten Lebens- und Sozialstandard sein. Was vermutlich auch das Ziel der kapitalistischen Eliten ist. Manche Forderungen bedingen nun einmal auch bestimmte Verhältnisse um sie realisieren zu können. Diejenigen, die heute gegen grenzenlose Migration sind, als Rechte oder Nazis abzustempeln ist kein Ausdruck von Demokratie und Humanismus. Wenn die Linke sich einer öffentlichen Diskussion des Themas Massenmigration und ihren Folgen verweigert, ist das auch ein Zeichen von Ratlosigkeit. Es ist nachzuvollziehen dass dies kein einfaches Thema ist. Es ist aber manchmal sehr unverständlich wenn Linke über Integration reden, obwohl sie sich eigentlich darüber im klaren sein müssten, dass der Kapitalismus unfähig eine solche Anzahl an Zuwanderung zu integrieren. Das kapitalistische System nutzt die Zuwanderung über Migration um den grenzenlosen Wettbewerb zu realisieren. Es nutzt diese auch um die Gesellschaft zu spalten. So lenkt man von den eigentlichen Ursachen der Probleme, die Teil des bestehenden Systems sind, ab. Das Ziel ist die Löhne zu drücken und die Sozialsysteme wegen zu hoher Kosten abzubauen. Die Migration wird genutzt um die Gesellschaft zu verarmen. Armut grenzt aus, ist also das Gegenteil von Integration. Eine wirkliche Integration einer so hohen Anzahl von Menschen kann der Kapitalismus nicht leisten. Dies sollte eigentlich jedem Linken bewußt sein. Die zweite Seite der Medaille: Migration ist die Migrationsursache. Wenn man betrachtet aus welchen Länder die Mehrzahl der Migranten kommt, nämlich aus Lybien, Syrien, Afghanistan und Nordafrika, alles Länder in denen die NATO-Kriegsmaschinerie tätig ist. Und wenn es nicht die Kriegsmaschienerie der NATO- Länder ist, ist es ihre wirtschaftliche Tätigkeit. Sie ist oft nicht weniger zerstörerisch als ihre Kriegsmaschinerie. Das heißt die Migrations- Ursache ist im eigenen Land zu suchen. Die Profitstrategiehen der kapitalistischen Eliten erzeugen Migration dort wo sie wirtschaftliche Zerstörung anrichten und nutzen sie auch gleichzeitig, im eigenen Land, wo die Migranten ankommen. Dies muss man erkennen und auch kritisieren. Es muss also der Druck auf das bestehende kapitalistische System verstärkt werden. Nicht auf die Migranten, die in der großen Mehrzahl auch Opfer des kapitalistische System sind. Eine solche Diskussion ist überfällig. Sie würde der AfD viel politischen Wind aus den Segeln nehmen.
Wer gegen Demokratieabbau auftritt, darf sich einer solchen Diskussion schon gar nicht verweigern.
Wer gegen Umweltzerstörung ist, muss den Wachstumszwang der dem kapitalistischen System innewohnt bekämpfen.
Der Kapitalismus ist ein System das für seine Eliten keine Grenzen anerkennt. Das Ziel ist Profit, alles was diesen begrenzt wird niedergerissen. Die Folgen sind, all die oben beschriebenen Probleme auf die, die vielen verschiedenen Gruppen aufmerksam machen. Die Ursache fast aller unserer Probleme liegt aber im bestehenden kapitalistischen System.
Ein Sprichwort sagt: Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.
Eine andere Denkweise würde auch ein anderes, ein alternatives Gesellschaftsmodell ergeben.







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