1936 oder Der Spanische Bürgerkrieg als Auftakt des Großen Gemetzels


Anti-Junta Plakat der Republikaner

21.02.14
TheorieTheorie, Internationales, Kultur 

 

von Karl Wild

Spanien, das ist für uns heute das Urlauber- paradies, Sonne, Strand, Meer.

Denkt man an das Jahr 1936, dann kommt einem vielleicht die große Inszenierung der Olympischen Spiele für den Führer in Berlin in den Sinn, Geschichtsbewanderten vielleicht auch das Jahr des Beginns der „Großen Säuberung“ im Sowjetreich; oder auch der Abschluss der Unterwerfung des unabhängigen Abessinien durch das Giftgas einsetzen- de Italien unter Mussolini. In Spanien begann zudem ein Drama, welches direkt den Zweiten Weltkrieg einläutete. (1)

Zur Vorgeschichte. Die zweite spanische Republik von 1931 stand unter keinem guten Stern. Zu groß waren die gesellschaftlichen Gegensätze im Land zwischen einer katho- lisch-feudalen Reaktion und einer Arbeiterschaft, die sowohl in ihrem starken anarchisti- schen Flügel, als auch in ihren sozialistisch-orientierten Teilen den Sturz des Systems wollte.

Dazu kamen ethnisch-regionale Konflikte vor allem mit dem Baskenland und Katalonien, die zumindest Autonomie von der Zentralregierung forderten. Gegen eine „rechte“ Re- gierung erhoben sich im Oktober 1934 die Regionen und es kam zum Generalstreik, der im asturischen Bergbaugebiet zum blutigen Aufstand wurde. Dessen Niederschlagung kostete in „Friedenszeiten“ schon 1.700 Tote und 30.000 Eingekerkerte. In Spanien, welches sich vom Mittelalter noch nicht wirklich gelöst hatte, war Politik immer ein blutiges Geschäft.

Da geschah das Unerwartete. Am 16. Februar 1936 siegte eine große Volksfrontkoalition von Liberalen, Sozialisten, Anarchisten und einer kleinen unbedeutenden Kommunisti- schen Partei bei den Parlamentswahlen. Das ungeduldige Volk schritt zu Streiks und Landbesetzungen, während offen ein Militärputsch geplant wurde. Nach der gezielten Tötung des monarchistischen Oppositionsführers Calvo Sotelo verbündeten sich klerikal-faschistische und feudale Reaktion und in Nordafrika erhob sich das Militär unter Fran- cisco Franco.

Am 17. Juli 1936, von deutschen Flugzeugen aufs Festland gebracht, brach der allgemeine Militäraufstand aus. Wer den Putsch nicht unter- stützte, wurde liquidiert. Binnen weniger Tage, so das Ziel, sollte ganz Spanien unter der Kon- trolle der Putschisten stehen.

Spontan erhoben sich die politisierten Massen, griffen zu den Waffen und verteidigten ihre Re- gierung.
Es gelang, wesentliche Teile im Zentrum und im Osten des Landes vor dem Zugriff der Putschi- sten zu bewahren und es begann der Bürger- krieg, der sich schnell zu einem grausamen Stellvertreterkrieg zwischen Faschismus und Kommunismus entwickelte.

Während die demokratischen Westmächte die Spanische Republik im Stich ließen und eine Politik der Nichteinmischung praktizierten, entsandten die „neuen“ Mächte Deut- schland und Italien Truppen zur Unterstützung Frankos. Nur Mexiko, mehr ideell und Sowjetrussland, praktisch-militärisch, stellten sich auf die Seite der republikanischen Regierung. Der Einfluss der Kommunisten erhöhte sich in dem Maße, wie die Regierung von der sowjetischen Hilfe abhängig wurde.

Der sowjetische Geheimdienst erhielt freie Hand und hinter der Front wurden anarchis- tisch-trotzkistische Bestrebungen, unmittelbar zur sozialen Revolution zu schreiten, unterdrückt. Zehntausende „Internationalisten“, vor allem Kommunisten und Intellektu- elle, darunter viele aus Deutschland und Österreich, strömten ins Land und bildeten „Internationale Brigaden“ zur Abwehr des Faschismus.

Nachdem in Europa faschistische Bewegungen solange erfolgreich im Vormarsch waren, sollte in Spanien durch die vereinten Kräfte der „Volksfront“ dieser gestoppt werden. Nicht mehr die soziale Revolution war nun Aufgabe der Kommunisten, sondern gemein- sam mit bürgerlichen Kräften der Kampf gegen den Faschismus.

Dies misslang und im Februar und März 1939, nachdem zuvor schon die Internationalen Briga- den zurück gezogen wurden, eroberten die fa- schistischen Truppen die letzten „roten“ Zonen im Zentrum und in Katalonien.

Während Hunderttausende das Land verlassen mussten, wurde das Franco-Regime sofort von den Westmächten diplomatisch anerkannt.

Heroisch zwar, aber im Endeffekt vergebens, endete der Widerstand gegen den faschistischen Vormarsch.

Während so die Westmächte den faschistischen Erfolg anerkannten und gegen den Kommunismus gerichtet instrumentalisieren wollten, überraschte die Sowjetunion die Welt mit einem radikalen Frontwechsel.

Im August wurde der Pakt mit Hitlerdeutschland verkündet und der deutsche Krieg ge- gen die Westmächte unterstützt. Der Zweite Weltkrieg begann nun auch offiziell, wo er doch schon in Spanien seine Ouvertüre hatte. (2)

(1) Ob die Ukraine, auch wenn sich die Geschichte nicht linear wiederholt, die Ouvertüre für einen neuen Großen Krieg wird, ist noch nicht abzusehen. Leider sind wir, wie schon Friedrich Engels wußte, erst hinterher schlauer.
(2) viele Stichworte, Links und Empfehlungen zu den historischen Fakten bei:
wikipedia. org https://de.wikipedia.org/wiki/Spanischer_B%C3%BCrgerkrieg
Als übergreifende Lektüre empfehle ich:
Peter Weiss, Die Ästhetik des Widerstands, Frankfurt/Main, Drei Bände 1975 -181, Suhrkamp Verlag

Karl Wild 2006/2011
Anmerkungen 2014


VON: KARL WILD






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