Nationalistische Erscheinungen des Antisowjetismus in der Führung der KP Chinas

23.11.12
TheorieTheorie, News 

 

von Reinhold Schramm (Bereitstellung)

»Die fehlerhaften Tendenzen in der politischen Linie und in der Praxis der chinesischen Funktionäre zeigten sich in aller Deutlichkeit auch am Vorabend des Sieges der Revolution. Ein Beispiel dafür ist die Ende der 1940er Jahre entwickelte Idee der „Selbstisolierung“ Chinas von den sozialistischen Ländern, einschließlich der Sowjetunion. Eine solche nationalistische Betrachtungsweise der Perspektiven der chinesischen Revolution hätte die sozialen Veränderungen in China stark gehemmt und das Hinüberwachsen der demokratischen Revolution in die sozialistische aufgehoben.

Mao Tse-tung vertrat hartnäckig die Idee, dass der Übergang zum Aufbau des Sozialismus in China eine sehr ferne Perspektive sei und dass China eine bedeutende Periode der „neuen Demokratie“ durchlaufen müsse, bevor die Frage nach dem Sozialismus entstehe. Es ist charakteristisch, dass Mao Tse-tung „günstige Bedingungen“ hierfür in einer langen Selbstisolierung Chinas sah. Deshalb schlug er vor, die Sowjetunion und die anderen sozialistischen Länder sollten sich nach dem Sieg der Revolution nicht beeilen, China anzuerkennen. Es sei angeblich besser, wenn zuvor die großen imperialistischen Mächte – die USA, England, Frankreich usw. – China anerkennen.

Dieser „Plan“ beruhte auf einem beschränkt nationalistischen Herangehen an die chinesische Revolution. Die Nationalisten in der KP Chinas verbreiteten bereits damals insgeheim die Vorstellung, China sei die dritte Kraft, die mit den Widersprüchen zwischen den zwei Gesellschaftssystemen spielen müsste. Erst nachdem diese Vorstellung auf energischen Widerstand gestoßen war, verzichtete Mao auf dem Märzplenum des ZK der KP Chinas 1949 darauf.

In dem Artikel „Über die demokratische Diktatur des Volkes“ tritt Mao Tse-tung bereits als eifriger Anhänger eines Bündnisses mit der UdSSR und als Anhänger der Linie „sich an eine Seite zu halten“, auf.

Auch die anderen Zickzackwege der Nationalisten sind bekannt. Am Vorabend des Zusammenbruchs der Goumindang beispielsweise behauptete Mao Tse-tung, dass sich die KP Chinas mit der Eroberung der Hauptindustriezentren Chinas wie Nanking, Shanghai usw. nicht beeilen solle. Er versuchte nachzuweisen, dass die KP Chinas untauglich sei, Großstädte zu erobern, weil „sie keine Kader habe“ und die Kommunistische Partei in der Hauptsache aus Bauern bestehe.

Mao Tse-tung maß der Verstärkung der proletarischen Schicht in der KP nicht die erforderliche Bedeutung bei und überschätzte die Rolle der Bauernschaft. Folgende Äußerung von ihm ist dafür charakteristisch: „Ungeachtet der Rückständigkeit Chinas im Vergleich zu Russland bin ich der Ansicht, dass die chinesischen Bauern bewusster sind als alle englischen Arbeiter und viele amerikanischen Arbeiter.“

Diese und andere Erscheinungen riefen Besorgnis hervor. Mit den Führern der KP Chinas wurde eine geduldige Erläuterungsarbeit betrieben. Man war bemüht, Mao Tse-tung davon zu überzeugen, dass der Arbeit in den großen Industriezentren mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden muss, dass auf die Reinheit der Reihen der Partei geachtet und die Arbeit in den Gewerkschaften verstärkt werden muss.

Das Eindringen fremder Elemente in die Kommunistische Partei Chinas und ihre Führung verstärkte sich während des Bürgerkrieges von 1946 bis 1949, als Divisionen, Armeekorps und ganze Armeen zusammen mit der Generalität und den Stäben auf die Seite der Chinesischen Volksbefreiungsarmee übergingen. In jener Zeit erhöhte sich die Mitgliederzahl der KP Chinas ausschließlich durch nichtproletarische Elemente, Träger kleinbürgerlicher und nationalistischer Anschauungen und Anhänger der Guomindang.

Es muss bemerkt werden, dass die Komintern bereits 1936 in einem Aufruf an das ZK der KP Chinas hervorgehoben hatte:

„Uns beunruhigt besonders der Beschluss, alle, die den Wunsch hegen, in die Partei aufzunehmen, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, und dass die Partei nicht das Eindringen einiger Karrieristen in ihre Reihen fürchtet, sowie Eure Mitteilung über die Absicht, sogar Zhang Xue-liang (ein Militarist und Erzreaktionär – der Verf.) in die Partei aufzunehmen ... Wir würden es auch für falsch halten, Studenten und ehemalige Offiziere anderer Armeen unbesehen in die Rote Armee aufzunehmen ... Wir halten es für falsch, Vertreter der vermögenden Klassen zur politischen Leitung in den Sowjetgebieten zuzulassen ...“ [1/14]

Die Führung der KP Chinas ließ aber nicht nur die erforderliche Sorge um die Reinheit der Reihen der Partei als marxistisch-leninistischer Partei vermissen, sondern betrieb eine direkt entgegengesetzte Politik. Eine große Anzahl von Menschen, die sich der KP Chinas in der Yananer Periode und später angeschlossen hatte, machte nur einen Kursus der maoistischen „Umerziehung“ und der „Reue“ durch und bildete dann die Kaderreserve für die politischen Organe, die Redaktionen, Verlage, das Kommandopersonal der Roten Armee usw. -

Die Kampagne „für einen neuen Arbeitsstil“ Anfang der 1940er Jahre richtete sich ausschließlich gegen diejenigen, die die Linie der Komintern verteidigten und nicht die Anschauungen Mao Tse-tungs teilten, tatsächlich stellte sie aber eine Kampagne des Allesverzeihens gegenüber wirklich parteifeindlichen Elementen dar. Am Vorabend des VII. Parteitages im Jahre 1945 erließen die Maoisten eine neue Amnestie für parteifeindliche bürgerliche Elemente und erklärten, dass „die Wurzeln“ der linken Abweichungen und rechtsopportunistischen Fehler „liquidiert“ seien und dass „alle Genossen, die in der Vergangenheit Fehler gemacht haben, ohne jegliches Vorurteil begrüßt und zur Arbeit herangezogen werden müssen, wenn sie nur ihre Fehler einsehen und begonnen haben, sie zu berichtigen“. -

Diese Amnestie betraf in der Regel antisowjetisch eingestellte Menschen, die die „Ideen Maos“ widerspruchslos annahmen. Hierbei handelte es sich um einen besonderen Vorläufer der „Kulturrevolution“, die in der zweiten Hälfte der 60er Jahre entfaltet wurde. 

 Während der gesamten chinesischen Revolution verfolgten die internationale kommunistische Bewegung und die KPdSU konsequent die Linie, die Kommunistische Partei Chinas allseitig zu unterstützen. Echte Internationalisten konnten sich zum chinesischen Volk, das sich zum Kampf um seine Befreiung erhoben hatte, und zu den chinesischen Kommunisten, die diesen Kampf führten, auch gar nicht anders verhalten. Außerdem war die KP Chinas selbst angesichts der großen Mängel in ihrer Führung ein ernst zu nehmender Verbündeter der fortschrittlichen Kräfte im Kampf gegen den Imperialismus. Gestützt auf die internationalen Kräfte des Proletariats, auf die Erfahrungen der KPdSU und die umfassende Hilfe der Sowjetunion, konnte die KP Chinas ihrer Rolle als Führerin des nationalen Befreiungskampfes und des revolutionären Kampfes des chinesischen Volkes gerecht werden und die Revolution zum Sieg führen.«
[Teil 4]

Anmerkung

1/14 Vgl. O. Wladimirow / W. Rjasanzew, Seiten der politischen Biographie Mao Tse-tungs, a. a. O., S. 68.

Quelle: Sowjetisch-chinesische Beziehungen 1945-1970. Autoren: Oleg Borissowitsch Borissow, Boris Trofimowitsch Koloskow. Staatsverlag der Deutschen Demokratischen Republik – Berlin 1973. Vgl.: Nationalistische Erscheinungen des Antisowjetismus in der Führung der KP Chinas in den Jahren 1945 bis 1949.

 


VON: REINHOLD SCHRAMM (BEREITSTELLUNG)






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