Der Verrat Mao Zedongs

27.11.12
TheorieTheorie, News 

 

von Wang Ming - Reinhold Schramm (Bereitstellung)

Die Zusammenarbeit mit dem Imperia- lismus – ein Bestandteil des konterrevo- lutionären Umsturzes Mao Zedongs

»Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, daß sich Mao Zedong des antisowjetischen und antikommunistischen konterrevolutionären Um- sturzes bedient, um sich bei den Imperialisten Gehör zu verschaffen und eine Zusammenarbeit mit ihnen anzubahnen.

Der Gang der Ereignisse hat die Richtigkeit dieser Feststellung voll und ganz bestätigt. Der Kurs auf den konterrevolutionären Umsturz hat den Beifall und die Zustimmung der Imperialisten und Reaktionäre, vor allem des USA-Imperialismus gefunden. Völlig zu Recht stellte Genosse Gus Hall, Generalsekretär der kommunistischen Partei der USA, in seiner Rede auf der Festsitzung anlässlich des 50. Jahrestages der Bildung der UdSSR fest, dass Mao Zedong und seine Anhänger eine konterrevolutionäre Politik betreiben und die Presse der kapitalistischen Länder nicht von ungefähr die ›Konterrevolution‹ Mao Zedongs ohne Unterlass lobpreiste. Diplomatische Vertreter dieser Länder eilen um die Wette nach Peking, um Mao Zedong die Hand zu schütteln und ihn ihrer freundlichen Gefühle zu versichern.

Die stärkste Beachtung hat in der Öffentlichkeit selbstverständlich die ›plötzliche Wende‹ in den Beziehungen zwischen China und den USA gefunden. Nach mehrmonat- igen Aufenthalt von Mao Zedongs Busenfreund Edgar Snow in Peking und nach zahl- reichen Geheimbesprechungen zwischen beiden begab sich eine US-amerikanische Tischtennismannschaft nach China.

Kurz darauf erschien (am 16. Juli 1971) in der offiziellen Presse Chinas und der USA zu gleicher Zeit ein Kommuniqué in dem bestätigt wurde, daß der Sicherheitsberater des USA-Präsidenten, Henry Kissinger, insgeheim in Peking geweilt und dort zwanzig Stunden lang vertrauliche Gespräche mit dem Ministerpräsidenten des Staatsrates der VR China, Zhou Enlai, geführt hatte.

Des weiteren wurden seit langem umlaufende Informationen bestätigt, dass USA-Präsident Richard Nixon eine Einladung der chinesischen Regierung zu einem Besuch Chinas angenommen habe. Bald darauf gaben beide Seiten bekannt, dass Kissinger zum zweiten Mal in Peking eingetroffen sei, um Nixons Reise nach China vorzubereiten, und es wurde erklärt, dass Nixon am 21. Februar 1972 in Peking eintreffen werde.

Nixons Besuch in China war somit kein zufälliges Ereignis. Er war Ausdruck für die ernsthaften Schritte, die Mao Zedong und gewisse Kreise in den USA unternommen hatten.

Jedermann weiß, dass die Sowjetunion, die anderen sozialistischen Länder und ein Teil der afrikanischen und asiatischen Länder seit der Gründung der Volksrepublik China auf allen Tagungen der UNO-Vollversammlung systematisch gefordert haben, den Jiang-Jieshi-Vertreter aus der UNO zu weisen und der VR China ihre legitimen Rechte in der UNO zuzugestehen.

Gerade durch den hartnäckigen Widerstand der USA und ihrer Verbündeten sowie infolge der von den USA erhobenen Forderung nach einer Zweidrittelmehrheit bei der Abstimmung zog sich die Lösung dieses Problems über viele Jahre hin.

Auf der XXVI. Tagung der UNO-Vollversammlung jedoch stimmten sowohl die USA als auch ihre Verbündeten ›plötzlich‹ dafür, der VR China den Sitz in der UNO zu geben, den der Vertreter der 'Jiang-Jieshi-Clique' auf Taiwan inne hatte. Zweifellos war die Haltung der USA das Ergebnis der vorläufigen Übereinkunft, die bei den Geheimverhandlungen zwischen den USA und China zustande gekommen war.

Wie die Nachrichtenagenturen verlautbaren lassen, ist Peking eine Stadt geworden, in der es von ›Gästen‹ aus den USA nur so wimmelt. Dabei wird jeder dieser ›Gäste‹ liebenswürdig und fürsorglich in Peking empfangen. Es kann keinen Zweifel daran geben, dass die Zusammenarbeit zwischen den Maoisten und den USA mit jedem Tag weitreichender und stärker wird.

 Mao Zedongs Delegierte auf der XXVI. Tagung der UNO-Vollversammlung und im UNO-Sicherheitsrat missbrauchten diese Gremien vor allem, um gegen die Sowjetunion zu Felde zu ziehen. Sie übten sich in den gemeinsten Beleidigungen gegenüber der UdSSR und in den übelsten Lügen über sie und haben dadurch vor der ganzen Welt ihr wahres Gesicht als treue Helfershelfer der Imperialisten der USA und sonstiger Reaktionäre gezeigt. Auf der UNO-Tagung stimmten sie gegen den sowjetischen Vorschlag zur Einberufung einer Weltabrüstungskonferenz.

Bekanntlich hat die UNO-Tagung aber dennoch mit Stimmenmehrheit eine Resolution zu dieser Frage angenommen. Mao Zedong hat sich als Gegner des Weltfriedens und als Anhänger der Kräfte des Krieges in Szene gesetzt. Im Sicherheitsrat hat sich der maoistische Vertreter zusammen mit dem Vertreter der USA an die Seite des grausamen und reaktionären pakistanischen Militaristen Yahya Khan gestellt und sich gegen die Befreiungsbewegung, die für nationale Selbstbestimmung, für Demokratie und für die Freiheit der 75 Millionen Einwohner von Bangladesh gekämpft hat, sowie gegen die UdSSR und Indien, die den Freiheitskampf des Volkes von Bangladesh unterstützt haben, gewandt.

Die Haltung der maoistischen Vertreter zum Nahostproblem begünstigte die Aktionen Israels und der reaktionären Kreise der USA. Der gerechte Kampf der arabischen Länder und des arabischen Volkes von Palästina gegen die mit Hilfe des US-Imperialismus unternommene israelische Aggression sowie die Resolution des UNO-Sicherheitsrates, die von Israel den vollständigen Truppenabzug aus allen eroberten arabischen Gebieten fordert, wurden von den Maoisten nicht unterstützt. Zugleich waren sie aus hinterhältigster Absicht heraus bemüht, die Beziehungen der Freundschaft und der Zusammenarbeit zwischen den arabischen Völkern und der Sowjetunion zu untergraben, die deren gerechten Kampf unterstützt.

Die Vertreter des Maoismus treten in der UNO immer häufiger in einer Front mit den Kräften des Imperialismus auf. Darauf verwies Genosse Gus Hall in seiner Ansprache über das Zentrale Fernsehen der UdSSR am 29. April 1973. Er erklärte, dass die Politik des Maoismus kaum von der Politik des Imperialismus zu trennen ist. In den meisten Bereichen wirken Maoisten und Imperialisten gemeinsam. So lässt sich in den Vereinten Nationen kein Unterschied zwischen den Reden der Vertreter des Maoismus und denen der reaktionärsten Vertreter des Imperialismus feststellen. Der einzige Unterschied besteht darin, dass in den Reden der Maoisten mehr Schimpfworte enthalten sind als in den Reden der Vertreter des Imperialismus.

All dies ist kein Zufall. Es ist die Folge der um der Annäherung an die imperialistischen Kreise in den USA willen betriebenen Politik des Antisowjetismus und des Antikommunismus, die Mao Zedong seit der ›Kampagne zur Berichtigung des Arbeitsstils‹ offen oder verschleiert, mit Unterbrechungen oder auch ohne Unterbrechungen nun schon über mehr als dreißig Jahre verfolgt.«

Anmerkung

Wang Ming wurde 1925 Mitglied der KP Chinas. 1926 bis 1929 studierte er an der Kommunistischen Universität der Werktätigen des Ostens in Moskau. 1931 wurde Wang Ming zum Mitglied des Zentralkomitees und seines Politbüros sowie zum Sekretär des Zentralkomitees der KP Chinas gewählt. In den Jahren 1931 bis 1937 war Wang Ming Vertreter der KP Chinas in der Komintern und wurde 1935 als Mitglied des Präsidiums und Kandidat des Sekretariats des EKKI gewählt. Auf dem VII. (1945) und dem VIII. (1956) Parteitag wurde er als Mitglied des Zentralkomitees der KP Chinas gewählt. Wang Ming verstarb 1974 in der Sowjetunion, wo er die letzten Jahre seines Lebens verbrachte.

Auszug aus dem Vorwort zur deutschsprachigen Buchausgabe

„Das Ende 1975 in Moskau erschienene Buch von Wang Ming ist gleichsam sein politischer Nachlass für die chinesischen Kommunisten und das chinesische Volk. Darüber hinaus hat es für die internationale Arbeiterbewegung und für alle Freunde Chinas einzigartigen Wert, denn es ist ein Zeugnis aus erster Hand eines namhaften Funktionärs der Kommunistischen Partei Chinas und der internationalen kommunistischen Bewegung. Es beruht auf Dokumenten, Tatsachen und persönlichen Erinnerungen.

Wang Ming deckt in seinem Buch die ideologischen und politischen Wurzeln und den Prozess des Verrats von Mao Zedong auf. Er weist eindrucksvoll nach, wie Mao Zedong den Marxismus-Leninismus und die internationalistisch gesinnten Kommunisten versteckt und offen bekämpft und so die ideologischen und politischen Grundlagen der KP Chinas Schritt für Schritt untergraben hat. Das Buch lässt erkennen, dass sich auch während der ,Kulturrevolution’ und der darauffolgenden Massenkampagnen die Mittel und Methoden des ,ideologischen Kampfes’ Mao Zedongs im Prinzip nicht geändert haben. {...}

Mao Zedong ist tot. Seine ,Ideen’ werden jedoch bis heute von der chinesischen Führung ,als korrekte Theorie und korrekte Prinzipien für die chinesische Revolution’ bezeichnet. Dennoch ist das maoistische Erbe, die Einstellung zu den ,Maozedongideen’ und zur Politik Mao Zedongs in China umstritten. In der Innenpolitik vollziehen sich Veränderungen, deren wahren Sinn die Zeit noch zeigen wird. Es erweist sich, dass der Ausgang der Auseinandersetzung um die Zukunft Chinas von der Überwindung des maoistischen Erbes abhängt, die ein komplizierter und widerspruchsvoller Prozess ist.

Wang Ming hatte recht, als er alle chinesischen Kommunisten und das ganze chinesische Volk aufforderte, den konterrevolutionären ,Ideen Mao Zedongs’ kühn und entschlossen Widerstand zu leisten: ,Erst dann werden auf unserer geliebten Heimaterde die herrlichen Blumen des Sozialismus wachsen und erblühen, werden sie reiche sozialistische Früchte tragen können.’

Dieser revolutionäre Optimismus des Genossen Wang Ming erfüllt alle Kommunisten, alle Freunde des chinesischen Volkes mit Zuversicht.“ (Heribert Kunz)

Quelle: Wang Ming, 50 Jahre KP Chinas und der Verrat Mao Zedongs, Dietz Verlag Berlin 1981. Vgl.: Die Zusammenarbeit mit dem Imperialismus – ein Bestandteil des konterrevolutionären Umsturzes Mao Zedongs.

 

 

 


VON: WANG MING - REINHOLD SCHRAMM (BEREITSTELLUNG)






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