Die Spaltertätigkeit der Mao-Gruppe in Lateinamerika

04.11.12
TheorieTheorie, News 

 

von Reinhold Schramm (Bereitstellung)

Aspekte zum Antikommunismus und Imperialismus.

Die lateinamerikanischen kommunistischen Parteien und die Pekinger Führer

»Anfang 1963 zeigte es sich, dass die Gruppe um Mao Tse-tung nicht die Unterstützung der lateinamerikanischen kommunistischen Parteien gewinnen konnte. Im Gegenteil. Diese Parteien verurteilten die abenteuerliche Politik der Maoisten.

Der XII. Parteitag der Kommunistischen Partei Argentiniens (1963) bestätigte die Politik des Zentralkomitees, die Ausführungen von R. Ghioldi und V. Codovilla auf dem Parteitag und wandte sich in einer Resolution zur internationalen Lage entschieden gegen die Politik der maoistischen Führung in der kommunistischen Weltbewegung. Im Einklang mit dem Vorschlag der KPdSU, die öffentliche Polemik einzustellen, sah der Parteitag davon ab, die Verurteilung der Politik der Mao-Gruppe in der Presse zu publizieren. [1]

Die Plenartagung des Zentralkomitees der Guatemaltekischen Partei der Arbeit vom Juni 1963 unterstützte ebenfalls die Politik der KPdSU. In den Dokumenten der Tagung kritisierte das Zentralkomitee die Haltung der Gruppe um Mao Tse-tung. [2] Der am 14. Juni 1963 veröffentlichte Brief der chinesischen Führer an das Zentralkomitee der KPdSU rief besonders scharfe Kritik und Ablehnung hervor. In einer Erklärung der Politischen Kommission des Zentralkomitees äußerte die Kommunistische Partei Chiles ihre Besorgnis und ihr tiefes Bedauern darüber, dass dieser Brief und die praktische Politik der chinesischen Führung die Meinungsverschiedenheiten in der kommunistischen Weltbewegung verschärften. Im Dezember 1963 verurteilte L. Corvalán in einem Artikel in „Probleme des Friedens und des Sozialismus“ die Aktivitäten der Mao-Gruppe. [3] Die Kommunistische Partei Kolumbiens wandte sich, ebenfalls wie das die Kommunistische Partei Mexikos auf ihrem XIV. Parteitag (Ende 1963) tat, gegen die Politik der Maoisten.

Diese einmütige Verurteilung der Politik der Gruppe um Mao Tse-tung in der kommunistischen Weltbewegung durch die lateinamerikanischen kommunistischen Parteien und das Scheitern der Pläne der chinesischen Führer, die KPdSU von der revolutionären Bewegung zu isolieren, veranlassten die Pekinger Führer, eine neue Taktik gegenüber der kommunistischen Bewegung Lateinamerikas anzuwenden.

Unterstützung der Fraktionstätigkeit und die Bildung promaoistischer Gruppen durch die chinesischen Führer

1963 und 1964 begannen die chinesischen Führer eine offene Spaltertätigkeit in der kommunistischen Bewegung Lateinamerikas zu betreiben. Die Mao-Gruppe unterstützte die Fraktionsmacher politisch, moralisch und finanziell und bemühte sich, in den Parteien parallele Führungsorgane oder aber parallele Parteien maoistischer Ausrichtung zu bilden. Sie bediente sich dabei der verschiedensten Mittel.

Die Gruppe um Mao Tse-tung versuchte insbesondere, den Einfluss jener lateinamerikanischer kommunistischen Parteien zu schwächen, die am aktivsten für die Stärkung der Einheit der kommunistischen Weltbewegung und für brüderliche Beziehungen zu allen kommunistischen Parteien, vor allem zu denen der sozialistischen Länder, eintraten.

Ende 1963 wollten die Maoisten eine maoistische Organisation in Argentinien gründen. Als ersten Schritt betrachteten sie, dass propekinger Elemente die Führung der Parteiorganisation der KP in Cordoba an sich rissen und in der Zeitschrift „Passado i Presente“ maoistische Konzeptionen propagierten. Diese antimarxistische Gruppe, die sich gegen das Zentralkomitee der KP Argentiniens wandte, wurde wegen parteifeindlicher Tätigkeit aus der Partei ausgeschlossen.

Ende Januar 1964 gründete eine Gruppe aus den Reihen der Kommunistischen Partei Chiles ausgeschlossener promaoistischer Elemente die sogenannte Marxistisch-Leninistische KP Chiles, die die Zeitschrift „Prinzipien des Marxismus-Leninismus“ herausgab. Diese Zeitschrift griff die KP Chiles und die KPdSU an, rief alle „kommunistischen Bruderparteien“ zum Kampf gegen den „Revisionismus“ auf und bekräftigte ihre „Treue“ zu den „Ideen Mao Tse-tungs“.

Die Spaltertätigkeit der Gruppe um Mao Tse-tung verstärkte sich in dem Maße, wie die lateinamerikanischen kommunistischen Parteien immer aktiver für die Einberufung einer neuen internationalen Beratung der kommunistischen und Arbeiterparteien eintraten.

Die chinesischen Führer förderten nicht nur die Fraktionstätigkeit in den kommunistischen Parteien, sondern bemühten sich um die Gründung promaoistischer Parteien. Sie versuchten, diese „Parteien“ als kommunistische Parteien und einzig legitime Vertreter der Arbeiterklasse auszugeben.

Ende 1965 existierten solche promaoistische Gruppen unter anderem in Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, der Dominikanischen Republik, Ekuador, Kolumbien, Peru, Mexiko.

Die Niederlage der maoistischen Politik in Lateinamerika

Die lateinamerikanischen kommunistischen Parteien bekämpften die Spaltertätigkeit der Maoisten immer entschiedener.

Im November 1964 fand in Havanna eine Beratung von Vertretern der kommunistischen Parteien Lateinamerikas statt, auf der insbesondere die Einheit der internationalen kommunistischen Bewegung und der lateinamerikanischen kommunistischen Bewegung sowie die Festigung der einzelnen kommunistischen Parteien behandelt wurden. Die Einheit – so stellte die Beratung fest – ist der Garant für den Erfolg des Kampfes der lateinamerikanischen Kommunisten gegen den Imperialismus.

In einer Resolution verwies die Beratung auf die Notwendigkeit, „alles daranzusetzen, um den Weg zur Einheit zu ebnen und gegenseitiges Verstehen im sozialistischen Lager zu gewährleisten. Alles, was die Spaltungsgefahr erhöht, eine konstruktive brüderliche Diskussion verhindert und Aktionen der Bruder Parteien in geeinter Front erschwert, muss vermieden werden, damit die gegenwärtigen Meinungsverschiedenheiten überwunden und die ganze Energie auf den Kampf gegen die Imperialisten und andere reaktionäre Kräfte konzentriert werden kann.“ [4]

Die Beratung verurteilte entschieden „jegliche Fraktionstätigkeit, unabhängig von ihrem Charakter und ihren Gründen“.

Die Vertreter der kommunistischen Parteien Lateinamerikas benannten eine Kommission von neun Parteiführern, die die Ergebnisse der Beratung mit den Repräsentanten der KPdSU und der KPCh erörtern sollten. Die Kommission hatte die Hauptaufgabe, dazu beizutragen, dass sich die Beziehungen zwischen den kommunistischen Parteien normalisieren und jede Fraktions- und Spaltertätigkeit der Mao-Gruppe in Lateinamerika eingestellt wird.

Die Kommission fand beim Zentralkomitee der KPdSU volle Unterstützung und Zustimmung. In der Volksrepublik China war ihr kein Erfolg beschieden. Die Führung der KP Chinas nahm – wie das der Generalsekretär der Kommunistischen Partei Kolumbiens, G. Vieira, kennzeichnete – folgende Haltung ein: „Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas ist mit der Verurteilung der fraktionellen Tätigkeit, die in der Resolution der Konferenz der kommunistischen Parteien Lateinamerikas enthalten ist, nicht einverstanden und geht nicht von seinem Beschluss ab, jene aus den kommunistischen Parteien ausgeschlossenen Personen zu unterstützen, die das ZK der KP Chinas für Antiimperialisten und Revolutionäre hält. Das ZK der Kommunistischen Partei Chinas verteidigt deren Recht auf Gründung neuer Parteien . . . Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas kann die offene Polemik nicht einstellen; es ist nicht der Ansicht, dass diese Polemik den Interessen der kommunistischen Weltbewegung schadet.“ [5]

Die chinesischen Führer verwarfen auch den Vorschlag, eine neue internationale Beratung durchzuführen. Sie wandten sich ebenfalls gegen ein Treffen von 26 kommunistischen und Arbeiterparteien in Moskau, das im März 1965 stattfinden sollte.

Die Verhandlungen mit der maoistischen Führung verdeutlichten, dass diese mit keinem prinzipiellen Punkt der Resolution der Beratung der lateinamerikanischen kommunistischen Parteien einverstanden war. Die Kommission musste daraufhin ihre Arbeit einstellen. Sie informierte die kommunistischen Parteien Lateinamerikas über das Ergebnis ihrer Arbeit.

Obwohl es der Kommission nicht gelungen war, ihren Auftrag zu erfüllen, konnten sich die kommunistischen Parteien jedoch selbst davon überzeugen „wer entschlossen für die Einheit der kommunistischen Weltbewegung eintritt und wer angeblich um ,ideologischer’ – in Wirklichkeit jedoch um rein nationalistischer – Ziele willen fraktionelle Umtriebe begünstigt“ [6].

Die meisten kommunistischen Parteien Lateinamerikas wandten sich öffentlich gegen die Haltung der Führer der KP Chinas und forderten nachdrücklich, die Spaltertätigkeit Pekings in der kommunistischen Bewegung Lateinamerikas einzustellen.

Die chinesische Führung ignorierte jedoch diese Forderung. Sie unterstützte demonstrativ die fraktionellen Elemente in Bolivien und die parteifeindliche Gruppe von P. Vasquez in Kolumbien.

Der Versuch der Mao-Gruppe, die kommunistischen Parteien Lateinamerikas für die Errichtung ihrer Hegemonie in der kommunistischen Weltbewegung auszunutzen, schlug fehl, obwohl es ihr gelang, in einigen lateinamerikanischen Ländern zahlenmäßig kleine maoistische Gruppen zu bilden.

Die kulturellen Verbindungen der VR China mit den Ländern Lateinamerikas

Die Maoisten nutzten die kulturellen Verbindungen dazu aus, um ihre großmachtchauvinistische Konzeption in Lateinamerika zu verbreiten. Ein wichtiges Instrument war dabei die Presse. Einer der Führer der Kommunistischen Partei Boliviens, Jorge Colle Cueto, verwies darauf, dass Lateinamerika chinesische Propagandamaterialien und Veröffentlichungen prochinesischer Gruppen in Massen verbreitet worden seien, die zum Bruch mit den Kommunisten aufrufen und die Notwendigkeit fraktioneller Tätigkeit begründet hätten.

Die chinesische Führung benutzte zur Propagierung ihrer theoretischen Konzeptionen auch einflussreiche bürgerliche lateinamerikanische Zeitungen, durch die sie sich an eine große Leserschaft in Lateinamerika wenden konnte. Einladungen von Vertretern der lateinamerikanischen Presse nach China ermöglichten es den chinesischen Führern, ihre Haltung zu wichtigen internationalen Problemen und ihren Spalterkurs in der kommunistischen Weltbewegung in der bürgerlichen Presse darzulegen.

Ausdruck des Bemühens der chinesischen Führer, ihre Auffassungen und Konzeptionen intensiv zu propagieren und ihre Beziehungen zu den lateinamerikanischen Ländern zu vertiefen, war auch die Einladung lateinamerikanischer Parlamentarierdelegationen in die VR China.

Die kulturellen Verbindungen Chinas mit den Ländern Lateinamerikas gingen in dieser Periode über Delegationsbesuche hinaus. Die chinesische Führung bediente sich in bedeutendem Maße der chinesisch-lateinamerikanischen Kulturgesellschaften, um die maoistischen Konzeptionen zu verbreiten. Die Tätigkeit der Mehrzahl dieser Organisationen in den Jahren 1963 bis 1965 ist ein Beispiel für den negativen Einfluss des Maoismus auf die Entwicklung der kulturellen Beziehungen zwischen China und Lateinamerika. Die Gesellschaften, in denen die Maoisten Einfluss ausübten, verloren die Unterstützung der progressiven lateinamerikanischen Organisationen und büßten an Ansehen ein.

Charakteristisch ist in dieser Hinsicht die Entwicklung der chinesisch-mexikanischen Freundschaftsgesellschaft. Die mexikanische Gesellschaft „Freunde der Volksrepublik China“ wurde früher als andere ähnliche Organisationen in Lateinamerika gegründet. Sie zeichnete sich durch große Aktivität aus.

In dem Maße jedoch, in dem die Gesellschaft eine immer offenere promaoistische Richtung einschlug – 1964 begrüßte sie zum Beispiel die Kernwaffenversuche Chinas – verlor sie die Verbindung zu den Massen, und ihr Einfluss ging allmählich zurück. Im Ergebnis dieser Entwicklung stellte sie ihre Tätigkeit fast völlig ein. Seit 1966 begannen sich auch die mexikanisch-chinesischen kulturellen Verbindungen zu lösen.

Die brasilianisch-chinesische Kulturgesellschaft nahm die gleiche Entwicklung.

Die Wirtschaftsverbindungen der VR China mit Lateinamerika

Ein charakteristisches Merkmal der chinesisch-lateinamerikanischen Beziehungen 1963 bis 1965 war es, dass sich die Pekinger Führung immer stärker bemühte, die Wirtschaftsverbindungen dazu auszunutzen, ihre Spaltertätigkeit in der revolutionären Bewegung Lateinamerikas zu betreiben. Die Mao-Gruppe richtete sich bei der Erweiterung ökonomischer Beziehungen sowie beim Abschluss von Verträgen weniger nach der Entwicklung der Wirtschaft und den Bedürfnissen Chinas als vielmehr danach, welche Möglichkeiten die Regierung dieses oder jenes lateinamerikanischen Landes den dort tätigen maoistischen Gruppen einräumte.

China erweiterte den Handel vor allem mit Argentinien, Mexiko, Brasilien, Uruguay und Chile. Mittel dazu waren unter anderem einseitige Käufe, Austausch von Handelsdelegationen und Handels- und Wirtschaftsausstellungen.

Zur Förderung der Handelsbeziehungen zwischen China und den lateinamerikanischen Ländern vereinbarte die chinesische Regierung 1964 mit Argentinien die Einrichtung eines „Büros für Handelsinformationen der chinesischen Export-Import-Gesellschaft“ und 1965 die Einrichtung einer ständigen Mission der VR China für den Getreideimport.

In Mexiko existierte keine offizielle chinesische Handelsmission. 1963 wurde jedoch mit Unterstützung der Gesellschaft „Freunde der Volksrepublik China“ ein inoffizielles Komitee für die Förderung des Handels zwischen Mexiko und China gegründet. Hauptfunktionen dieser Einrichtung waren: Förderung des Handels und Propagierung der ökonomischen Errungenschaften Chinas sowie des maoistischen Weges des „sozialistischen Aufbaus“.

Handels- und Wirtschaftsausstellungen spielten in den Plänen der Pekinger Führer eine große Rolle. In Brasilien sollte die erste Ausstellung dieser Art durchgeführt werden. Sie musste 1961 jedoch verschoben werden, da inzwischen die Regierung Quadros zurückgetreten war. Eine erneute Genehmigung für eine chinesische Ausstellung wurde 1962 von der Regierung Goulart erteilt. Aber auch diesmal scheiterte das Projekt. Nach dem Militärputsch in Brasilien im April 1964 wurden neun für die Organisation der Ausstellung verantwortliche chinesische Bürger unter der Anschuldigung, subversiver Tätigkeit betrieben zu haben, verhaftet, zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt und Anfang 1965 des Landes verwiesen.

Die erste chinesische Wirtschaftsausstellung öffnete nunmehr im Dezember 1963 in Mexiko ihre Pforten. Die Schirmherrschaft über die Ausstellung übernahmen der Chinesische Rat für die Entwicklung des Außenhandels und das Komitee für die Förderung des Handels zwischen Mexiko und der VR China. Die Ausstellung wurde von einer Reihe mexikanischer Staatsmänner besucht, und die chinesischen Vertreter konnten mehrere Pressekonferenzen geben.

Das Interesse der Maoisten galt jedoch weniger der Entwicklung der Handelsbeziehungen mit Mexiko als vielmehr der Propagierung der „chinesischen Erfahrungen“ bei der ökonomischen und sozialen Entwicklung der Gesellschaft.

Der Erfolg der Ausstellung in Mexiko bestärkte die chinesischen Führer in der Absicht, auch in anderen lateinamerikanischen Ländern solche Ausstellungen durchzuführen. Im Mai/Juni 1964 veranstaltete die VR China eine Handels- und Wirtschaftsausstellung in Chile. Die Vorbereitung der Ausstellung übernahmen die chinesischen Spezialisten, die schon in Mexiko gearbeitet hatten.

Die chinesischen Führer nutzten auch diese Ausstellung, um ihre Ideen zu propagieren. Auf der Ausstellung wurde chinesische Literatur in spanischer Sprache vertrieben; in einem besonderen Pavillon liefen chinesische Filme.

1965 eröffnete China eine Ausstellung von Industrieausrüstungen in Uruguay.

Der chinesischen Regierung gelang es aber nicht, Handelsabkommen mit den lateinamerikanischen Ländern abzuschließen. Obwohl sich der Import Chinas aus Lateinamerika 1965 im Vergleich zum Vorjahr auf das 32fache erhöht hatte, 1964 und 1966 die Summe von 100 Millionen US-Dollar erreichte und 1965 diesen Stand sogar übertraf, konnte der chinesische Export kaum gesteigert werden. Die VR China bezahlte die lateinamerikanischen Waren mit Gold oder in frei konvertierbarer Währung.

Die chinesische Führung war bestrebt, größere Möglichkeiten für ihre politische Aktivität in Lateinamerika als Gegenleistung für umfangreiche Käufe lateinamerikanischer Waren zu erhalten. Da China keine diplomatischen Beziehungen zu den lateinamerikanischen Ländern (mit Ausnahme Kubas) unterhielt, versuchten die Pekinger Führer, über kommerzielle Kanäle die politische Situation in Lateinamerika zu beeinflussen. Davon zeugt unter anderem die Tätigkeit des chinesischen Handelsvertreters in Chile. 1964, auf dem Höhepunkt der Vorbereitung auf die Präsidentschaftswahlen im Lande, attackierte der Leiter der chinesischen Vertretung die Politik der Kommunistischen und der Sozialistischen Partei Chiles und bemühte sich, gestützt auf promaoistische Gruppen, der Front der Volksaktion eine „härtere Linie“ aufzuzwingen. [7] Die Kommunistische Partei Chiles wertete das als einen Versuch der Maoisten, „die Weiterentwicklung der chilenischen Volksbewegung sowie den Erfolg der Kandidatur Salvador Allendes bei den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen zu verhindern“ [8].

Auch auf dem Gebiet des Handels bestand der Kern der chinesischen Politik folglich ebenfalls darin, die revolutionäre Bewegung Lateinamerikas zu spalten. Dieser Kurs, der sich auch dadurch entlarvt hatte, dass die chinesischen Führer im Kampf gegen die revolutionären Kräfte faktisch mit der Reaktion paktierten, traf auf den immer stärkeren Widerstand der kommunistischen Parteien und der fortschrittlichen Öffentlichkeit Lateinamerikas.

All das bewirkte eine tiefe Krise der Lateinamerika-Politik der Maoisten.«

Anmerkungen

1 Vgl. Probleme des Friedens und des Sozialismus, 6/1963, S. 476 ff.
2 Vgl. a. a. O., 11–12/1964, S. 1002 f.
3 Vgl. a. a. O., 12/1963, S. 967 ff.
4 a. a. O., 9/1968, S. 1112.
5 a. a. O., S. 1112 f.
6 a. a. O., S. 1113
7 Die Front der Volksaktion, die die Sozialistische und die Kommunistische Partei Chiles vereinte, stellte bei den Präsidentschaftswahlen von 1964 als gemeinsamen Kandidaten Senator Salvador Allende auf.
8 Vgl. Prawda vom 26.05.1964.

Quelle: Außenpolitik und internationale Beziehungen der Volksrepublik China. Staatsverlag der Deutschen Demokratischen Republik – Berlin 1976. Vgl.: Die Politik Chinas in Süd- und Südostasien, im Nahen Osten, in Afrika und Lateinamerika (1963 bis 1966). Die Spaltertätigkeit der Mao-Gruppe in Lateinamerika. Die lateinamerikanischen kommunistischen Parteien und die Pekinger Führer. Unterstützung der Fraktionstätigkeit und die Bildung promaoistischer Gruppen durch die chinesischen Führer. Die Niederlage der maoistischen Politik in Lateinamerika. Die kulturellen Verbindungen der VR China mit den Ländern Lateinamerikas. Die Wirtschaftsverbindungen der VR China mit Lateinamerika.


VON: REINHOLD SCHRAMM (BEREITSTELLUNG)






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