Die Aufgabe der marxistischen Partei

18.11.13
TheorieTheorie, Sozialismusdebatte, News 

 

von Reinhold Schramm (Bereitstellung)

Klassen und Klassenkampf im Geschichts- prozess [Teil 11]

Die Führungsrolle der marxistisch-leninis- tischen Partei

»Damit die Arbeiterklasse ihren Kampf als Einheit von ökonomischen, politischen und ideologischen Kampf führen kann, benötigt sie vor allem Organisiertheit und Bewusstheit, subjektive Fähigkeiten, die ihr durch die revolutionäre marxistisch-leninistische Partei verliehen werden. Die marxistisch-leninistische Partei arbeitet die Strategie und Taktik des proletarischen Klassenkampfes entsprechend den konkret-historischen Bedingun- gen eines jeden Landes auf der Grundlage der Theorie des Marxismus-Leninismus aus, organisiert und mobilisiert die Arbeiterklasse und leitet ihren gesamten Kampf.

Die Partei der Arbeiterklasse verkörpert die Vereinigung des wissenschaftlichen Kom- munismus mit der Arbeiterbewegung, der revolutionären Theorie mit der revolutionären Praxis. Durch die Führungstätigkeit der Partei „wächst überall aus den vereinzelten ökonomischen Bewegungen der Arbeiter eine politische Bewegung hervor, d. h. eine Bewegung der Klasse, um ihre Interessen durchzusetzen in allgemeiner Form, in einer Form, die allgemeine, gesellschaftlich zwingende Kraft besitzt“. [54] -

Die marxistisch-leninistische Partei ist die höchste Form der Klassenorganisation des Proletariats; sie vereinigt den bewusstesten, fortgeschrittensten Teil der Klasse. Sie bildet das politische, ideologische und organisatorische Zentrum, und nur unter dessen Leitung kann der Kampf der Arbeiterklasse und aller verbündeten werktätigen Klassen und Schichten zur Eroberung der politischen Macht und zum Aufbau der sozialistischen Gesellschaft erfolgreich geführt werden. -

Die Partei und ihre Führungsrolle ist daher eine unabdingbare Voraussetzung für die Verwirklichung der historischen Mission der Arbeiterklasse. Das ist auch der Grund weshalb bürgerliche und revisionistische Ideologen einen so wütenden Kampf gegen die marxistisch-leninistische Partei entfesseln, sie als „Bürokratie“ verleumden, ihre Notwendigkeit bestreiten oder sie auf einen bloßen Propagandaverein beschränken wollen. Ihre Angriffe auf die marxistisch-leninistische Partei bezwecken, die Arbeiterklasse ihrer revolutionären Führung zu berauben, um sie dem Einfluss der bürgerlichen Ideologie und Politik zu unterwerfen
[historisch erfolgreich – im weltweiten Herrschafts-, Ausbeutungs- und Profitinteresse des national-regionalen und internationalen Finanz- und Monopolkapitals. - R. S.].

Die politisch-ideologische und organisatorische Führung durch die revolutionäre marxistisch-leninistische Partei ist die entscheidende Bedingung dafür, dass das Proletariat den Klassenkampf bewusst in der Einheit seiner drei Grundformen führen, sich zum Subjekt der sozialistischen Revolution entwickeln und seine historische Mission erfolgreich verwirklichen kann. Alle geschichtlichen Erfahrungen der Arbeiterbewegung bestätigen diese grundlegende These des Marxismus-Leninismus, die bereits von Marx und Engels vertreten und begründet wurde. Im „Manifest der Kommunistischen Partei“ wird die „Organisation der Proletarier zur Klasse“ direkt mit der Organisation „zur politischen Partei“ identifiziert. [55] -

In der von Marx und Engels 1872 verfassten „Resolution über die Statuten“ der Internationalen Arbeiter-Assoziation heißt es: „In seinem Kampf gegen die kollektive Macht der besitzenden Klassen kann das Proletariat nur dann als Klasse handeln, wenn es sich selbst als besondere politische Partei im Gegensatz zu allen alten, von den besitzenden Klassen gebildeten Parteien konstituiert. Diese Konstituierung des Proletariats als politische Partei ist unerlässlich, um den Triumph der sozialen Revolution und ihres höchsten Zieles, der Aufhebung der Klassen, zu sichern.“ [56] -

Im gleichen Sinne schrieb Engels im Jahre 1889: „Damit am Tag der Entscheidung das Proletariat stark genug ist zu siegen, ist es nötig – und das haben M[arx] und ich seit 1847 vertreten –, dass es eine besondere Partei bildet, getrennt von allen andern und ihnen entgegengesetzt, eine selbstbewusste Klassenpartei.“ [57]

Von diesen Anschauungen ausgehend hat Lenin am Vorabend der sozialistischen Revolution die Lehre von der Partei neuen Typus entwickelt. Er charakterisierte sie als bewusste und organisierte Vorhut der Arbeiterklasse, als höchste Form der Klassenorganisation, die alle anderen Organisationen der Arbeiterklasse leiten muss und durch ihre enge Verbindung mit den werktätigen Massen in der Lage ist, nicht nur die Arbeiterklasse, sondern auch die mit ihr verbündeten Klassen und Schichten zu führen. -

„Das Proletariat besitzt keine andere Waffe um die Macht als die Organisation. Durch die Herrschaft der anarchischen Konkurrenz in der bürgerlichen Welt gespalten, durch die unfreie Arbeit für das Kapital niedergedrückt, ständig in den ,Abgrund’ völliger Verelendung, der Verwilderung und Degradierung hinabgestoßen, kann und wird das Proletariat unbedingt nur dadurch eine unbesiegbare Kraft werden, dass seine ideologische Vereinigung auf Grund der Prinzipien des Marxismus gefestigt wird durch die materielle Einheit der Organisation, die Millionen Werktätiger zur Armee der Arbeiterklasse zusammenschweißt.“ [58]

Die Erfahrungen aller proletarischen Revolutionen, sowohl der siegreichen als auch der mit einer Niederlage endenden, [– alle proletarischen Revolutionen endeten bisher mit einer Niederlage und einen Sieg der Konterrevolution – des organisierten Imperialismus (R. S.) –] haben die Auffassungen der Klassiker des Marxismus-Leninismus, dass die Führung der Arbeiterklasse durch die revolutionäre Partei eine notwendige Bedingung des Sieges ist, geschichtlich erhärtet. {...} [- der „Aufbau des Sozialismus“ ist vorläufig weltweit gescheitert, „die revolutionäre Partei“en wurden erfolgreich zerschlagen und vernichtet vom Revisionismus und Imperialismus. - R. S.] -

Damit die Arbeiterklasse ihre geschichtlichen Aufgaben erfüllen kann, bedarf es der Einheit des Willens, des [selbsttätigen und gemeinsamen] Denkens und des Handelns. Die Arbeiterklasse und die mit ihr verbündeten gesellschaftlichen Kräfte müssen ihre Aktionen auf der Grundlage einer wissenschaftlich begründeten Strategie und Taktik entwickeln, die den objektiven Bedingungen des revolutionären Kampfes entspricht. Das setzt sowohl die Kenntnis der gesellschaftlichen Entwicklungsgesetze voraus wie auch die Analyse des objektiven Entwicklungsstandes der Gesellschaft, der verschiedenen Klassenkräfte und ihrer Interessen. -

„Nur die objektive Berücksichtigung der Gesamtheit der Wechselbeziehungen aller Klassen einer gegebenen Gesellschaft, und folglich die Berücksichtigung der objektiven Entwicklungsstufe dieser Gesellschaft, wie auch der Wechselbeziehungen zwischen ihr und anderen Gesellschaften, kann als Grundlage für eine richtige Taktik der fortgeschrittenen Klasse dienen.“ [59] -

Die Ausarbeitung der Strategie und Taktik des proletarischen Klassenkampfes verlangt weiter die theoretische Verallgemeinerung der Erfahrungen im nationalen wie im internationalen Maßstab.

Diese Führungsaufgaben kann nur die marxistisch-leninistische Partei lösen. Als bewusste Vorhut der Arbeiterklasse verfügt sie in der marxistisch-leninistischen Theorie [im Marxismus, in der wissenschaftlichen Weltaneignung] über das Instrumentarium, um eine wissenschaftlich begründete Politik auszuarbeiten. Als organisierte Vorhut der Arbeiterklasse besitzt sie durch ihre [aufgeklärte und selbstbewusste] Kampfkraft, Geschlossenheit und Disziplin die Fähigkeit, die ganze Klasse und die werktätigen Massen zu organisieren, zu mobilisieren und in den Kampf zu führen. Als Teil der internationalen Arbeiterbewegung verkörpert die marxistisch-leninistische Partei den internationalen Charakter der Arbeiterklasse und ihres Kampfes und ist in der Lage, den Kampf in jedem Land vom Standpunkt der Interessen der internationalen Arbeiterklasse zu leiten, was den nationalen und internationalen Interessen der Arbeiterklasse am besten entspricht.

Nach dem [künftigen] Sieg der sozialistischen Revolution [Revolution ist zugleich Emanzipation] wächst die führende Rolle der marxistisch-leninistischen Partei [der marxistischen Partei] gesetzmäßig. Das erklärt sich vor allem daraus, dass die Aufgaben der siegreichen Arbeiterklasse, die nun die sozialistische [emanzipatorische] Gesellschaft errichtet, von historisch völlig neuer Qualität sind, größere Dimensionen annehmen, komplexer und vielfältiger werden. Zu ihrer erfolgreichen Lösung ist eine umfangreiche und qualifizierte [wissenschaftlich: gesellschaftspolitische und sozial-ökonomisch-ökologische] Führungsarbeit der Partei auf allen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens erforderlich
[Eine Modifikation und ein Auszug/Abschluss: Klassen und Klassenkampf im Geschichtsprozess, vgl. Quelle.]

Anmerkungen

54 Marx an Friedrich Bolte. 23. November 1871. In: Marx/Engels: Werke, Bd. 33, S. 332/333.
55 Marx/Engels: Werke, Bd. 4, S. 471.
56 Karl/Marx/Friedrich Engels: Resolutionen des allgemeinen Kongresses zu Haag vom 2. bis 7. September 1872. In: Werke, Bd. 18, S. 149.
57 Engels an Gerson Trier, 18. Dezember 1889. In: Marx/Engels: Werke, Bd. 37, S. 326.
58 W. I. Lenin: Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück. In: Werke, Bd. 7, S. 419/420.
59 W. I. Lenin: Karl Marx. In: Werke, Bd. 21, S. 64.

Quelle: Grundlagen des historischen Materialismus. Herausgegeben vom Institut für Gesellschaftswissenschaften. Dietz Verlag Berlin 1976.


VON: REINHOLD SCHRAMM (BEREITSTELLUNG)






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