Renate Münder fördert den Antikommunismus

26.11.13
TheorieTheorie, Sozialismusdebatte, Debatte, TopNews 

 

von Max Brym

Stalinismusdebatte in der DKP

Unter dem Titel „Stalinismus und Antistalinis- mus“ publizierte Renate Münder von der DKP einen mehr als seltsamen Artikel. Die Autorin leugnet schlicht die Verbrechen des Stalinismus.

Sie schreibt: „Insbesondere die Vertreter der US-Forschung gaben offen zu, dass nach dem Verschwinden des Gegners die bisherigen Übertreibungen und Lügen nicht mehr nötig seien.“

Damit erweist Renate Münder dem Antikommunismus einen Bärendienst. Jahrzehntelang lebte der bürgerliche Antikommunismus von den tatsächlichen Verbrechen des Stalinis- mus, um die Arbeiterbewegung u.a. bei der Sozialdemokratie zu halten. Diese Verbrech- en geschahen nicht, weil bestimmte stalinistische Bürokraten einfach Verbrecher waren, sondern weil es nötig war, die politische Entmachtung der Arbeiterklasse, sowie die bü- rokratischen Privilegien abzusichern.

Dennoch ist hier nicht der Platz und der richtige Ort sich mit den verhehrenden Taktiken und Strategien unter Stalin und seinen systemrelevanten Nachfolgern auseinanderzu- setzen. Die Literatur dazu ist sehr umfangreich.

Ich will mich hier nur mit einer einzigen Frage beschäftigen, nämlich mit der Frage wie die stalinistische Willkürherrschaft u.a. der KPD nach 1945 schadete. Die KPD war nach 1945 trotz Hitlerterror und der Vernichtung wichtiger Kader, der alten KPD in der SU (Remmele, Neumann Süßkind, Schubert, Schulte usw.) eine einflussreiche Massenpartei.

1949 zog die KPD als Fraktion in den Bundestag ein. Bereits im Jahr 1950 wurde ihr der Fraktionsstatus entzogen. Kurt Müller war ab 1946 Mitglied des ernannten Hannover- schen Landtages und 1947/48 Mitglied des ersten Niedersächsischen Landtages. Bei der Bundestagswahl 1949 wurde er in den Deutschen Bundestag gewählt.

Im März 1950 lockte ihn Max Reimann durch ein Telefonat nach Ost-Berlin. Dort wurde er nach einem Gespräch mit Walter Ulbricht noch im ZK-Gebäude verhaftet und in das zentrale Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit in Berlin-Hohenschönhausen verbracht, wo ihn der stellvertretende Minister für Staatssicherheit Erich Mielke intensiv verhörte.

Die anderen Fraktionen im Bundestag machten aus dem Schicksal des Arbeiterfunktio- närs Kurt Müller, ein perfides Spiel. Immer wieder wurde die KPD aufgefordert zum Schicksal des „frei gewählten Kollegen Müller“ Stellung zu beziehen. Die KPD konnte dem nichts entgegnen.

Das heißt der stalinistische Terror richtete sich nicht nur gegen ehrliche Arbeiter und Antifaschisten, sondern er lieferte der bürgerlichen Propaganda reichlich Munition. Der bürgerliche Antikommunismus benützte die stalinistischen Verbrechen, um den Arbeitern den Stalinismus als Kommunismus zu verkaufen. Dadurch wurde die Reaktion gestärkt und die Sozialdemokratie auf Kosten der Arbeiterbewegung reanimiert. Gegen Müller fand nie ein öffentlicher Prozess statt.

Der Nachfolger Müllers als stellvertretender Parteivorsitzender der KPD war für kurze Zeit Fritz Sperling, aus München. Fritz Sperling blieb aber nicht lange stellvertretender Parteivorsitzender. In Berlin wurde er 1951 im Auftrag der SED seines Postens im Partei- vorstand enthoben, verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit in Berlin-Hohenschönhausen gebracht.

Die Wirkung auf die Arbeiterklasse in Westdeutschland war verheerend. Zurecht wand- ten sich viele Arbeiter von dieser KPD ab. Schuld war nicht die bürgerliche Propaganda als SOLCHE, sondern die Verbrechen welche im Namen der Arbeiterklasse, an Arbeiter- funktionären durch die Stalinisten vollzogen wurden.

Renate Münder bemüht sich momentan sehr den „Sozialdemokratismus“ bei Leo Mayer und anderen in der DKP zu diagnostizieren. Diese Diagnose ist nicht völlig verkehrt. Dennoch bleibt festzuhalten: Eine stalinistische Therapie ist völlig daneben. Dieser Therapievorschlag führt die Arbeiterbewegung neuerlich ins Verderben.

Es hilft Renate Münder auch nicht wenn Sie sich in der innerparteilichen DKP Auseinan- dersetzung auf die Gültigkeit der leninistischen Imperialismustheorie beruft. In der Tat, Lenin ist wichtiger denn je. Wer aber Lenin und Stalin, miteinander verbindet fördert nur die bürgerliche Ideologie, welche immer behauptete Lenin und Stalin seien eins. 


VON: MAX BRYM


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