Arbeitslohn, Mehrwert und Profit

01.11.13
TheorieTheorie, News 

 

von Reinhold Schramm (Bereitstellung)

Der Arbeitslohn im Kapitalismus ist der in Geld ausgedrückte Preis der Ware Arbeitskraft. Seine Höhe wird durch die zur Reproduktion der Arbeitskraft erforderlichen Kosten, aber auch durch die Organisiertheit und Kampfkraft der Arbeiterklasse bestimmt. Der Arbeitslohn verschleiert die kapitalistische Ausbeutung, weil er die Teilung des Arbeitstages in notwendiger und Mehrarbeitszeit, in bezahlte und unbezahlte Arbeit verhüllt.

Mehrwert ist durch Ausbeutung von Lohnarbeitern entstehende spezifische Form des Mehrprodukts im Kapitalismus. Die Quelle des Mehrwerts ist die von den Arbeitern über die notwendige Arbeit hinaus geleistete Mehrarbeit. Die ständige Produktion des Mehrwerts durch die Lohnarbeiter und seine Aneignung durch die Kapitalisten ist „das treibende Motiv und der bestimmende Zweck des kapitalistischen Produktionsprozesses“ (Karl Marx). Im Kapitalismus sind die technisch-wissenschaftlichen ArbeiterInnen, die keine Produktionsmittel besitzen, gezwungen, ihre (differenzierte) Arbeitskraft als Ware an die Eigentümer der Produktionsmittel zu verkaufen.

Der Kapitalist zahlt in der Regel den Wert der Arbeitskraft, dessen Höhe von deren Reproduktionskosten abhängt. Sie umfassen die Kosten für den Lebensunterhalt des Arbeiters und den seiner Familie, für Ausbildung usw. und schließen ein historisches und moralisches Element ein.

Der Arbeitstag teilt sich in notwendige Arbeitszeit und in die Mehrarbeitszeit. Der Lohnarbeiter leistet notwendige Arbeit, die den Wert seiner Arbeitskraft reproduziert und seinem Lohn [Lohn, Gehalt, Vergütung etc.] entspricht, und Mehrarbeit, die sich der Kapitalist [Privat-Eigentümer und/oder Anteilseigner, Haupt-Aktionäre: Personen und/oder Gesellschaften, Direktion -, Leitung -, Vorstand -, Aufsichtsrat - Administration etc.] in Form des Mehrwert (m) unentgeltlich aneignet (Arbeit). Das Kapital, das der Kapitalist für den Kauf von Arbeitskraft ausgibt, heißt variables Kapital (v), weil es durch Erzeugung des Mehrwert seinen Wert verändert, d. h. vergrößert.

Das Verhältnis der Mehrarbeit zur notwendigen Arbeit ist der Ausbeutungsgrad. Das Verhältnis des Mehrwert zum variablen Kapital ist die Mehrwertrate (m’) oder der wertmäßige Ausdruck des Ausbeutungsgrads der Arbeitskraft durch das Kapital:

  m

m’ = x 100

  v

In der Produktion verbraucht der Arbeiter auch Produktionsmittel, deren Wert in dem Maße, wie sie physisch vernutzt werden, durch die konkrete Arbeit auf das neue Produkt übertragen wird. Der Wert der Produktionsmittel heißt konstantes Kapital (c).

Der Wert des Produkts (w) setzt sich zusammen aus dem Wert des auf das neue Produkt übertragene konstante Kapital (c), aus dem vom Kapitalisten vorgeschossenen variablen Kapital (v) und aus dem in der Mehrarbeitszeit produzierten Mehrwert (m): w = c + v + m.

Der Mehrwert ist die allgemeine Quelle der Einkommen der verschiedenen Gruppen der Kapitalisten (industrielle Kapitalisten, Handelskapitalisten, Bankkapitalisten, Agrarkapitalisten usw.). Der Mehrwert tritt in verschiedenen Formen, z. B. als Profit, Zins, Grundrente usw., in Erscheinung.

Das Streben der Kapitalisten nach Mehrwert hat objektiven Charakter. Das Mehrwertgesetz, das diesen Vorgang widerspiegelt, ist das ökonomische Grundgesetz des Kapitalismus. Sein Wirken bestimmt alle ökonomischen Grundprozesse der kapitalistischen Produktionsweise.

Die vom Kapitalisten ständig angestrebte Erhöhung des Mehrwerts ist auf zwei Wegen möglich.

 

1. Gelingt es dem Kapitalisten, den Arbeitstag absolut zu verlängern – bei unveränderter Länge der notwendigen Arbeitszeit –, so wachsen die Mehrarbeitszeit und damit der Mehrwert. Dadurch entsteht absoluter Mehrwert. 2. Das gleiche Resultat wird bei unveränderter Gesamtlänge des Arbeitstages, aber erhöhter Intensität der Arbeit erzielt. Bei unveränderter Länge des Arbeitstages und Verkürzung der notwendigen Arbeitszeit infolge der Erhöhung der Arbeitsproduktivität und der damit verbundenen Senkung des Wertes der Arbeitskraft vergrößert sich ebenfalls die Mehrarbeitszeit und damit der Mehrwert. Die auf diese Weise erreichte Veränderung der Relation von notwendiger und Mehrarbeitszeit führt zu einem Zuwachs an Mehrwert, der als relativer Mehrwert bezeichnet wird.

In Frühkapitalismus pressten die Unternehmer dadurch einen größeren absoluten Mehrwert aus den Arbeitern heraus, dass sie durch Staatsgesetze und durch Ausnutzung der Unorganisiertheit der Arbeiter die Arbeitszeit unbegrenzt verlängerten [analog im Spätkapitalismus, durch Lohnabsenkungen: Niedriglohn, Mini-Mindestlohn, Zeit- und Leiharbeit, Arbeit auf Abruf, Werkverträge etc.] und die Frauen und Kinder der Arbeiter dem Ausbeutungsprozess unterwarfen [Produktionsverlagerungen auch heute: Hungerlohn und Billiglohn, Sklavenarbeit und Kinderarbeit in sog. Schwellen- und Entwicklungsländern etc.].

Der von der organisierten Arbeiterklasse geführte Kampf um die Verkürzung der Arbeitszeit zwang die Kapitalisten, verstärkt solche Methoden anzuwenden, die den relativen Mehrwert schaffen. Aber auch die Methode der Gewinnung von absolutem Mehrwert wurde und wird weiter praktiziert, indem die Unternehmer die Arbeiter durch niedrige Löhne [und heute als Hartz-IV-Aufstocker etc.] und geringfügige Zuschläge zu Überstunden veranlassten und vor allem die Intensität der Arbeit erhöhten [Erhöhung der physischen und/oder psychischen Bewegungsabläufe in der gleichen Zeiteinheit, Stressfaktor etc.].

Auch heute, unter den Bedingungen des staatsmonopolistischen Kapitalismus und der wissenschaftlich-technischen Revolution, werden beide Methoden der Mehrwertproduktion zugleich angewandt [absoluter und/oder relativer Mehrwert].

Die Produktion und Aneignung von Mehrwert ist die entscheidende materielle Grundlage des antagonistischen Klassengegensatzes von [differenziert technisch-wissenschaftlicher] Arbeiterklasse und Kapitalistenklasse, wobei beide Formen der Mehrwerts Anlass zu ständigen Klassenauseinandersetzungen zwischen Arbeitern [Werktätigen, Lohnabhängigen etc.] und Kapitalisten sind (Klassenkampf).

Eine spezielle Art des Mehrwerts ist der Extra-Mehrwert. Er wird dadurch erzielt, dass einige Unternehmen eines Produktionszweiges durch Verbesserung der Produktion (unter anderem auch durch: Innovation der Arbeits- und Produktionsbedingungen, „Mitbestimmung“, „Sozialpartnerschaft“, ‘Beteiligungen’, Reproduktions- und ‘Freizeitgestaltung’, ‘Reformwesen’ etc.) eine höhere Arbeitsproduktivität als andere erreichen. Dadurch ist der individuelle Wert der Waren dieser Unternehmen niedriger als der gesellschaftliche Wert oder Marktwert. Sie gewinnen auf diese Weise einen größeren relativen Mehrwert. Durch den Konkurrenzkampf um den Absatz und die Modernisierung der Produktion der anderen Betriebe existiert der Extra-Mehrwert nur zeitweilig. Mit dem Aufkommen der Monopole verwandelt sich der Extra-Mehrwert in den Monopolprofit.

Der gesamte Mehrwert und die sich hinter dem Kauf der Arbeitskraft verbergende Ausbeutung der Arbeiter durch die Kapitalisten wurde von Karl Marx in seiner Mehrwerttheorie aufgedeckt. Lenin bezeichnete die Mehrwerttheorie als den Grundpfeiler der ökonomischen Theorie von Marx. -

Mit der Mehrwerttheorie wird die Unhaltbarkeit der Thesen der bürgerlichen Ökonomie (und der Bourgeoissozialisten nationaler und internationaler Prägung) über die Harmonie der Klasseninteressen von Arbeiterklasse und Bourgeoisie nachgewiesen und der Arbeiterklasse die geistige Waffe für ihren Kampf zum Sturz der kapitalistischen Ausbeuterordnung und um den [künftigen Realsozialismus und damit um die sozial-ökonomisch-ökologische Emanzipation und zugleich Gleichheit - unabhängig vom Geschlecht und von der Herkunft] Sozialismus gegeben.

Der Profit ist die verwandelte Form des Mehrwerts, dessen Erscheinungsform an der Oberfläche der kapitalistischen Produktionsverhältnisse. Der Profit erscheint als Ergebnis der Funktion des Gesamtkapitals und verhüllt dadurch objektiv die Ausbeutung der Arbeiter durch die Kapitalisten.

Zur kapitalistischen Produktion gehören Produktionsmittel und Arbeitskräfte. Ihr Ankauf bedeutet für den Kapitalisten Kapitalausgaben. Der Wert der verbrauchten Produktionsmittel, des konstanten Kapitals (c), und der Arbeitskräfte, des variablen Kapitals (v), sind für ihn Produktionskosten oder der Kostpreis (K). Der von den Arbeitern erzeugte Mehrwert (m) erscheint dann als Überschuss über den Kostpreis. Als solcher wird er zum Profit (p), da äußerlich nicht erkennbar ist, dass er nur dem variablen Kapital, d. h. der Mehrarbeit der Arbeiter, entspringt. Der Wert der Waren ist dann Kostpreis plus P. (K + p).

Der Begriff Profit war schon dem vorkapitalistischen Handelskapital bekannt als Überschuss über das verauslagte Kapital. Er wurde von der klassischen bürgerlichen Ökonomie auf das industrielle Kapital übertragen, ohne dass sie sein wirkliches Wesen exakt erkannte.

Karl Marx entdeckte, dass der Profit seinem Wesen nach Mehrwert, Produkt der Mehrarbeit der Arbeiter, ist, der als Profit des Kapitals erscheint.

Der Mehrwert erscheint in einer veränderten Form und erhält quantitativ betrachtet einen anderen Ausdruck. Gleichgroße Kapitale fordern gleichgroßen Profit. Aber durch unterschiedliche organische Zusammensetzung des Kapitals und unterschiedlichen Umschlag des Kapitals werfen bei gleicher Mehrwertrate gleichgroße Kapitale ungleichen Profit pro Kapitaleinheit ab. Die Kapitalisten messen die Verwertung ihres Kapitals nicht durch den Vergleich der absoluten Größe des Profits, sondern durch dessen relative Größe, d. h. durch sein Verhältnis zum vorgeschossenen Kapital {...} Dieses Verhältnis ist die Profitrate im Unterschied zur Mehrwertrate {...}

Die Profitrate ist der Verwertungsgrad des Kapitals im Unterschied zum Ausbeutungsgrad; sie ist stets kleiner als die Mehrwertrate. Die unterschiedlichen Profitraten für gleiche Kapitale sind mit dem Grundsatz des Kapitalismus unvereinbar. Durch die Konkurrenz um den Warenabsatz und um die profitabelste Kapitalanlage erfolgt eine Kapitalwandlung in die Produktionszweige mit höchstem Profit bzw. eine Abwanderung von den Produktionszweigen mit dem niedrigsten Profit. Auf diese Weise erfolgt ein Ausgleich der unterschiedlichen Profitraten zur Durchschnitts-Profitrate und des Profits zum Durchschnitts-Profit. Die mit dem Ausgleich des Profits zum Durchschnitts-Profit verbundene Kapitalwanderung ist auch die Form, in der die kapitalistische Produktion durch das Wertgesetz in Gestalt des Produktionspreises reguliert wird.

Da der Ausgleich des Profits zum Durchschnitts-Profit im Konkurrenzkampf erfolgt, der Konkurrenzkampf seinerseits die Entwicklung der Produktivkräfte vorantreibt, entsteht bei Betrieben mit moderner Produktion zeitweilig ein Extra-Mehrwert, der als Extra-Profit erscheint. Dieser Extra-Profit geht nach einer bestimmten Zeit in den Ausgleich zum Durchschnitts-Profit ein.

Der Kampf der Ausbeuterklassen um die höhere Profitrate bzw. um die Erhöhung der Profitmasse zwingt sie, modernere Maschinen, Anlagen, Arbeitsverfahren usw. anzuwenden. Das erhöht die organische Zusammensetzung des Kapitals und bewirkt die Tendenz zum Sinken der Profitrate. -

Dieser Tendenz (zum Sinken der Profitrate) versuchen die Kapitalisten (bzw. die Administration des Kapitals etc.) mit verschärften Ausbeutungsmethoden [u. a. Werkverträge, Zeit- und Leiharbeit, befristete Arbeitsverträge etc.], mit der Erhöhung der Intensität der Arbeit und anderen Maßnahmen (z. B. Vernachlässigung des Umweltschutzes und/oder Produktionsverlagerungen - in Billiglohnländern etc.) entgegenzuwirken.

Mit der Entwicklung der freien Konkurrenz zum Monopol wird der Extra-Profit durch die Verhinderung des Ausgleichs des Profits zum Durchschnitts-Profit zum Monopol-Profit, der über die Monopolpreise realisiert wird. -

Monopol-Profit entsteht ebenfalls durch das Bankmonopol, das Monopol des Finanzkapitals und des Kapitalexports sowie durch das Kolonialmonopol bzw. das Monopol der ökonomischen Aufteilung der Welt unter die Monopole und Monopolverbände und die territoriale Aufteilung der kapitalistischen Welt unter die imperialistischen Großmächte.

Konkurrenz,  Monopol, Monopolpreis
[Eine Modifikation, vgl.]

Vgl.: Arbeitslohn. Mehrwert. Profit. Kleines Politisches Wörterbuch. Dietz Verlag 1973

 


VON: REINHOLD SCHRAMM (BEREITSTELLUNG)






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