Die Verschlechterung der chinesisch-ceylonesischen Beziehungen

28.01.13
TheorieTheorie, News 

 

von Reinhold Schramm (Bereitstellung)

Ceylon - Maoisten und Außenpolitik der VR China in der Periode der „Kulturrevolution“

Die chinesisch-ceylonesischen Beziehungen, die sich normal entwickelt hatten, trübten sich 1966. Die Ursache dafür waren die Versuche der chinesischen Führung, sich in grober Weise in die inneren Angelegenheiten Ceylons einzumischen. Peking schleuste umfangreiche Propagandamaterialien über die „Ideen Mao Tse-tungs“ nach Ceylon ein und verbreitete sie. Die ceylonesischen Behörden unternahmen Schritte, um die ideologische Diversion der Maoisten zu unterbinden.

Peking wollte dies ausnutzen, um die Lage zu verschärfen. So erhielt die Regierung Ceylons, als sie ein Paket mit Mao-Abzeichen durch die Zollbehörden beschlagnahmen ließ, eine chinesische Protestnote drohenden Inhalts. Ceylon wurde auch unterstellt, es unterhalte geheime Verbindungen zum Tschiang-Kai-schek-Regime und unterstütze die Theorie von den „zwei China“.

Die Regierung Ceylons reagierte auf die chinesischen Drohungen besonnen und erklärte, dass sie nur ein China anerkenne, und zwar die Volksrepublik China. Zu der illegalen Einfuhr und Verbreitung maoistischer Propagandamaterialien verwies sie darauf, dass dies die Normen und die Praxis zwischenstaatlicher Beziehungen verletze. Der Premierminister Ceylons, Dudley Senanayake, betonte: „Wir wünschen uns die besten Beziehungen mit China. Aber sei es China ... oder seien es irgendwelche anderen Staaten, wir werden der Hetze und Einschüchterung ... nicht nachgeben.“

Die Verschlechterung der Beziehungen zwischen China und Ceylon wirkte sich auch auf den Handel aus. Bis Oktober 1967 lieferte die chinesische Seite Ceylon 72 000 Tonnen Reis weniger als vertraglich vorgesehen war. Der Handelsumsatz sank im Vergleich zu 1965/66 auf 50 Prozent. Ceylon befürchtete, dass Peking das Handelsabkommen nicht erneuern würde und damit der Export von Kautschuk und der Import von Reis gefährdet wären. Die chinesische Führung war bemüht, diese ökonomischen Interessen als Druckmittel gegen die Regierung Ceylons auszunutzen und die Zustimmung zur chinesischen „Kulturrevolution“ zu erreichen.

Die Normalisierung der Beziehungen zu Ceylon. Die Wirtschaftsbeziehungen

Die feste Haltung der ceylonesischen Regierung, die die rechtswidrigen Aktionen der Chinesen im Lande unterband, wie auch das beiderseitige Interesse an der Entwicklung des Handels trugen dazu bei, dass sich die chinesisch-ceylonesischen Beziehungen 1968 allmählich wieder normalisierten. Beide Seiten kamen einander entgegen. Die ceylonesische Regierung hob einige Beschränkungen für die Verbreitung chinesischer Propagandamaterialien auf. Im Dezember 1968 erschienen in Ceylon sogar einige Werke von Mao Tse-tung in Singhalesisch und Tamil.

Aus innenpolitischen Gründen kam es in Ceylon zu einem Regierungswechsel. Aus diesem Anlass übermittelte Tschou En-lai dem neuen Ministerpräsidenten, Frau Sirimavo Bandaranaike, Glückwünsche.

Die VR China leitete Maßnahmen ein, um ihre Verpflichtungen aus den Abkommen über Handel und Wirtschaftshilfe zu erfüllen. Im November 1967 unterzeichneten China und Ceylon ein neues „Kautschuk/Reis“-Abkommen mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Dabei machte die chinesische Seite Zugeständnisse und stimmte einer Preiserhöhung für ceylonesischen Kautschuk zu. Am 3. August 1968 fand eine feierliche Grundsteinlegung für ein Textilzentrum statt, das mit chinesischer Hilfe errichtet und mit chinesischen Ausrüstungen ausgestattet werden sollte. Im Januar 1969 unterzeichnete der amtierende Minister für Außenhandel der VR China, Lin Haiyun, in Colombo das Protokoll über den Warenaustausch mit Ceylon für 1969. Im Kommuniqué betonten beide Seiten, dass dieses Protokoll ein wichtiger Schritt zur Entwicklung der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen sei und die „Konsolidierung der freundschaftlichen Zusammenarbeit“ beider Länder dokumentiere. Kurze Zeit später vereinbarten beide Seiten, dass China Ceylon bei der Errichtung einer Textilfabrik Hilfe im Werte von 20 Millionen Rupien erweisen wird.«

Quelle: Außenpolitik und internationale Beziehungen der Volksrepublik China. Staatsverlag der Deutschen Demokratischen Republik – Berlin 1976. Vgl.: Die VR China und die Entwicklungsländer in der Periode der „Kulturrevolution“ (1966 bis 1969). 3. Ceylon. Die Verschlechterung der chinesisch-ceylonesischen Beziehungen. Die Normalisierung der Beziehungen zu Ceylon. Die Wirtschaftsbeziehungen.

 

 


VON: REINHOLD SCHRAMM (BEREITSTELLUNG)






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