Die Verschärfung der chinesisch-nepalesischen Beziehungen

29.01.13
TheorieTheorie, News 

 

von Reinhold Schramm (Bereitstellung)

Nepal - Maoisten und Außenpolitik der VR China in der Periode der „Kulturrevolution“

1967 verschärften sich die Beziehungen Chinas zu Nepal. Chinesische Diplomaten hatten sich in die inneren Angelegenheiten dieses Landes eingemischt. Das Personal der chinesischen Botschaft und chinesische Spezialisten – an der Spitze der Botschafter der VR China in Nepal – veranstalteten am 17. und 24. Juni Demonstrationen auf dem internationalen Flughafen von Katmandu. Dabei schmähten sie mit Nepal befreundete Länder, insbesondere Indien und die Sowjetunion, und verteilten unter den nepalesischen Studenten und unter den Bauern, die an der Straße Katmandu–Kodari lebten, Mao-Zitatbücher und anderes Propagandamaterial. Auf einem Abschnitt dieser Straße stellten chinesische Spezialisten Flaggen der VR China auf und sperrten für Ausländer und sogar für Nepalesen faktisch den Zugang zu dem 30 km langen Abschnitt der Straße, die nach Tibet führt.

Nepalesische Studenten beantworteten diese Aktionen mit einer Protestdemonstration vor der chinesischen Botschaft. Sie zerstörten eine Buchhandlung, die Mao-Zitatbücher verkauft hatte. Der chinesische Botschafter protestiert daraufhin bei der Regierung Nepals „auf das entschiedenste“.

Die Regierung Nepals beugte sich jedoch diesem Druck nicht. „Niemand hier wünscht, dass China seine ,Kulturrevolution’ nach Nepal exportiert“, schrieb die Zeitung „Commoner“. „Unser kleines Land möchte niemandem gegenüber unfreundlich sein, und schon gar nicht gegenüber den Nachbarn. Es erwartet jedoch, dass man es in Ruhe lässt und nicht versuchen wird, bei uns irgendeine ,Kulturrevolution’ zu inszenieren.“ [1]

Im Juli 1967 warnte der Außenminister Nepals China: Die nepalesischen Behörden würden auch künftig keine Einmischung in die inneren Angelegenheiten oder unfreundliche Akte gegen dritte Länder auf nepalesischem Territorium dulden.

Nepal nahm in den antiindischen Plänen Pekings jedoch einen derart wichtigen Platz ein, dass die chinesischen Führer umgehend Maßnahmen ergriffen, um die Beziehungen wieder zu normalisieren.

Die Normalisierung der chinesisch-nepalesischen Beziehungen. Die Wirtschaftsbeziehungen

Ende Mai 1968 weilte der stellvertretende Ministerpräsident und Außenminister Nepals, K. Bista, zu einem Besuch in China. Dabei wurden Fragen geregelt, die die Beziehungen zwischen China und Nepal belastet hatten. Die chinesische Regierung entschuldigte sich auch für Ausschreitungen, die von Bürgern der VR China auf dem Territorium Nepals begangen worden waren.

1966 hatte sich China verpflichtet, Nepal 1967 bis 1969 komplette Ausrüstungen im Werte von 150 Millionen nepalesischen Rupien (19,7 Millionen US-Dollar) als unentgeltliche Hilfe zu liefern. In den ersten Jahren der „Kulturrevolution“ waren diese Lieferungen jedoch eingestellt worden. Am 27. September 1968 unterzeichneten China und Nepal ein Regierungsabkommen, das den Bau der Autostraße Katmandu–Bhaktapur mit chinesischer Hilfe vorsah.

Die chinesische Hilfe für Nepal war ein beträchtlicher Posten im Budget des Landes. Im Frühjahr 1969/70 belief sich diese Hilfe auf 76,6 Millionen nepalesische Rupien.

Der chinesisch-nepalesische Handel hatte für Nepal eine große Bedeutung, weil er unmittelbar mit der Wirtschaftshilfe Chinas verbunden war. Nepal verpflichtete sich, die ihm gewährte Hilfe für den Kauf chinesischer Waren zu verwenden. Der im Inland erzielte Erlös aus dem Verkauf dieser Waren diente dazu, die Ausgaben für den Bau der mit chinesischer Hilfe errichteten Objekte zu begleichen.

Der Versuch Pekings zur Schwächung der Positionen Indiens in Nepal

Die Wirtschaftshilfe Chinas schuf eine gewisse Abhängigkeit Nepals. Das wollten die chinesischen Führer nutzen, um ihre Positionen auf Kosten der Interessen Indiens auszubauen. Aus diesem Grunde unterstützten sie all die Maßnahmen der nepalesischen Behörden, die die Interessen Indiens berührten. Am 29. Juni 1969 forderte beispielsweise das Nationale Panchayat Nepals, dass das indische Militärpersonal von den nepalesischen Kontrollposten an der Grenze zu China abberufen sowie die indische Militär-Verbindungsgruppe aufgelöst werden müssten. Peking unterstützte unverzüglich diese Forderung und bezeichnete sie als „gerecht und vernünftig“. Die Pekinger Regierung versprach Nepal für den Abzug des indischen Personals und der Militär-Verbindungsgruppe, dass sie entlang der chinesisch-nepalesischen Grenze eine 25 km breite entmilitarisierte Zone einrichten und die Wirtschaftshilfe für Nepal in den nächsten fünf Jahren auf jährlich 50 Millionen nepalesische Rupien erhöhen würde.«

Anmerkung

1 Zit. nach M. S. Kapiza, Links vom gesunden Menschenverstand (Über die Außenpolitik der Mao-Gruppe), Moskau 1968, S. 177 (russ.).

Quelle: Außenpolitik und internationale Beziehungen der Volksrepublik China. Staatsverlag der Deutschen Demokratischen Republik – Berlin 1976. Vgl.: Die VR China und die Entwicklungsländer in der Periode der „Kulturrevolution“ (1966 bis 1969). 4. Nepal. Die Verschärfung der chinesisch-nepalesischen Beziehungen. Die Normalisierung der chinesisch-nepalesischen Beziehungen. Die Wirtschaftsbeziehungen. Der Versuch Pekings zur Schwächung der Positionen Indiens in Nepal.

 

 

 


VON: REINHOLD SCHRAMM (BEREITSTELLUNG)






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