Von den Massen losgelöste Sekten

01.07.13
TheorieTheorie, News 

 

von Rudolf Müller, Dietmar Klein (1975) - Reinhold Schramm (Bereitstellung)

Maoistische Splittergruppen gingen von „links“ nach ultrarechts –

»In der letzten Zeit sind z. B. maoistische Splittergruppen in der BRD [und Westberlin] offen auf den außenpolitischen Kurs der reaktionären Kräfte eingeschwenkt. Noch beim Strauß-Besuch im Januar 1975 waren sie mächtig in der Klemme. Jedoch seit März/April 1975 bejubeln sie das gesamte reaktionäre Konzept und haben bei weiteren Verbrüderungsszenen der Bonner Ultras mit Mao nun keine Schwierigkeiten mehr.

In der BRD erweisen sich die Anhänger derartiger maoistischer Gruppierungen vielfach als direkte Komplizen bei der Durchsetzung von Berufsverboten gegen Mitglieder der DKP, wie das zum Beispiel in Münster, Bonn, Heidelberg und in anderen Städten der Fall war. Eine besonders üble Rolle spielt jenes maoistische Grüppchen, das sich frech den Namen „KPD“ angeeignet hat und seine Zeitung schamlos „Rote Fahne“ nennt. Unter dieser falschen Flagge besorgten die wildgewordenen Söhne und Töchter schwerreicher Eltern die schmutzigen Geschäfte ihrer Pekinger Herren und betätigten sich {...} als Bürgerschreck. So gehört zum Beispiel der Millionärssohn Christian Semmler zu den Gründern der maoistischen „KPD“. Eine große Rolle in dieser Gruppe spielt auch Jürgen Horlemann, der Sohn des Besitzers einer großen Schuhfabrik.

Diese Banden zerstörten beispielsweise am 8. Mai 1975 eine sowjetische Fotoausstellung in Westberlin. Dass derartige Aktionen den revolutionären Interessen und Zielen der Arbeiterklasse diametral entgegengesetzt sind, liegt auf der Hand. Das „Besondere“ dieser maoistischen Gruppe „KPD“ ist, dass sie skrupellos mit aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten von Karl Liebknecht, Ernst Thälmann und anderen hervorragenden Funktionären der deutschen Arbeiterklasse operiert und zum Sturz der Macht der Arbeiter und Bauern in den sozialistischen Ländern aufruft. Vor allem letzteres ist Musik in den Ohren der kalten Krieger am Rhein und anderswo. Dass die Botschaften der VR China diese maoistischen Stoßtrupps mit Geld versorgen, ist erwiesen. Es liegt der Verdacht nahe, dass es auch noch andere Quellen gibt, aus denen die Mittel reichlich fließen!

Von den Massen losgelöste Sekten

All diesen promaoistischen Gruppierungen ist ein anarchistisch-trotzkistischer Revolutionarismus eigen. Unter völliger Negierung des gegenwärtigen Reifegrades der Klassenauseinandersetzung in der BRD propagieren sie den unmittelbaren Kampf für die sozialistische Revolution in der BRD – wobei man unwillkürlich an die Abenteuer der Maoisten in Indonesien erinnert wird. -

Aber sie sind unbelehrbar: „Heute ist die Lage in Westdeutschland so“, schrieb zum Beispiel der „Kommunistische Bund Westdeutschlands“ [‘KBW’] in Nr. 1/1974 seines Organs “Kommunismus und Klassenkampf“, „dass als nächste Aufgabe vor der Arbeiterklasse steht, die politische Macht zu erobern ...“

Dass derartige Auffassungen nicht nur geistige Verirrungen sind und bleiben, sollen einige Beispiele belegen:

Während der Olympiade 1972 in München provozierte die „KPD/ML“ und andere Vereinigungen unter der Losung „Nur der Griff zum Gewehr schafft Sozialismus her“ militante Krawalle.

Im April 1973 besetzten während einer Demonstration in Bonn Anhänger der „KPD“ das dortige Rathaus und wollten damit das Rathaus in eine Art Gegenregierung verwandeln“.

Im Mai 1975 stellte sich der „KBW“ in Frankfurt/Main im Zusammenhang mit Protesten gegen die Erhöhung von Nahverkehrstarifen die Aufgabe, „Straßenkämpfe zu organisieren“, um den Magistrat zu stürzen.

Aus all den Darlegungen und Beispielen ergibt sich, dass die promaoistischen Gruppierungen in der BRD, aber auch in Frankreich, in Portugal, in den Niederlanden, in Italien und überall, wo sie bestehen und ihr Unwesen treiben, eine äußerst negative und destruktive Rolle spielen, den Antisowjetismus schüren, Teile der Werktätigen und der studierenden Jugend zu putschistischen Aktionen verführen, die der revolutionären Bewegung der Arbeiterklasse in den jeweiligen Ländern großen Schaden zufügen. Es erübrigt sich fast hinzuzufügen, dass die Drahtzieher vor allem in Peking sitzen.«
[Fortsetzung folgt.]

Quelle: Rudolf Müller, Dietmar Klein: Nacht über China. Dietz Verlag Berlin 1976. Vgl.: Die Außenpolitik der Maoisten. Maoistische Splittergruppen gingen von „links“ nach ultrarechts. Von den Massen losgelöste Sekten.


VON: RUDOLF MÜLLER, DIETMAR KLEIN (1975) - REINHOLD SCHRAMM (BEREITSTELLUNG)






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