Konferenz zu den 68er-Jahren am 6. und 7. Sept. 2008

23.07.08
TheorieTheorie, Debatte, NRW, Netzwerk, SoKo, TopNews 

 

Gütersloh 'Die Weberei' - Bogenstrasse 1-8 – Raum: 'Atelier'

Sozialistische Demokratie erkämpfen!
Was heißt es, heute revolutionär zu sein?

40 Jahre alt und lebendiger denn je – 1968 feiert in diesem Jahr ein erstaunliches Revival.

Junge Menschen entdecken diesen Höhepunkt einer weltumspannenden globalen Revolte neu als Bezugspunkt für ihren heutigen Kampf, mehrere Organisationsansätze beziehen sich bewusst auf 1968...

...Für einige der Alten, „die damals dabei waren", ist jetzt Gelegenheit, den toten Hund noch einmal zu erschlagen. Jede Revolte, die die alten Machtverhältnisse nicht vollständig beseitigt, bringt ihre Renegaten hervor. So weit, so gut. Wären sie nicht Stichwortgeber für einen ganz anderen Kampf, der wenig mit 68, aber viel mit den heutigen Verhältnissen zu tun hat.  
"Ich schlage den Franzosen vor, mit dem Geist, den Verhaltensweisen, den  Ideen, mit dem Zynismus von Mai 68 zu brechen und die Politik erneut an Moral, Autorität, Arbeit und an die Nation zu binden", erklärte Nicolas Sarkozy bei seinem Antritt zu den Präsidentschaftswahlen im vergangenen Jahr. Dasselbe wollte vor ihm Berlusconi und wollen nach ihm Springer, Mohn und Konsorten. Weil die 68er in Deutschland eine starke Minderheit geblieben sind, meinen einige, es sich leicht machen und die Revolte in den Käfig des Terrorismus (oder gar: Nazismus) sperren zu können. Die Attacken fallen umso derber aus, je lebendiger die Furcht ist, das Gespenst könnte wiederkehren. Denn: Heute, wo offiziell 13% der Bevölkerung (real eher doppelt so viel) eines der reichsten Länder der Welt unterhalb der Armutsgrenze leben, haben wir tausendmal mehr Gründe uns zu revoltieren als vor 40 Jahren. Längst nicht alle Gründe, die uns damals auf die Straße trieben, haben sich erledigt, viele Probleme von damals haben sich noch verschlimmert:

Damals warf die US-Armee Napalm auf Vietnam und verbrannte die Menschen und die Erde.
Heute verschießen sie die Munition im Irak und verseuchen Menschen und Erde radioaktiv.
 
Damals begannen die Menschen vom Glauben an das "Wirtschaftswunder" abzufallen.  
Heute fallen sie vom Glauben an die Segnungen der "Globalisierung" ab.
 
Damals waren die "sozialistischen Staaten" der Ort, wo alle Übel der Welt lokalisierbar waren.
Heute sind es die "Schurkenstaaten", die diese Rolle einzunehmen haben.
 
Damals wurden die kämpferischen Sozialisten als "Staatsfeinde" diffamiert, gegen die sich "der freie Westen" zu erwehren habe.
Heute werden kämpferische Sozialisten als "linksextreme Terroristen" diffamiert, gegen die sich "die westliche Wertegemeinschaft" zu erwehren habe.
 
Damals zelebrierten die Massenmedien einen dümmlichen, männlich geprägten Herrschaftskult mit brutalen Western.  
Heute wird derselbe Kult im massenhaften Tittentainment zelebriert.
 
Damals haben sie aus Furcht vor der Brüchigkeit ihrer Gesellschaft die Notstandsgesetze mit der Möglichkeit zur Militärdiktatur parlamentarisch absegnen lassen.
Heute lassen sie im Lissabon-Vertrag eine kapitalistische Wirtschaftsverfassung mit der Möglichkeit des Schießbefehls gegen Massenproteste parlamentarisch absegnen.
 
Damals waren die Universitäten als Stätten von Wissenschaft und Lehre von einem nationalistischen, konservativen Bürgertum mit braunem Einschlag beherrscht.
Heute sind die Universitäten den Interessensverbänden von Wirtschaft und Großaktionären ausgeliefert.

ENTEIGNET SPRINGER! war damals die Parole der Kampagne gegen den bedeutenden nationalen Propagandakonzern Springer.  
ENTEIGNET MOHN! muss heute die Parole der Kampagne gegen den bedeutenden internationalen Propagandakonzern Bertelsmann werden.

68 hat die Machtverhältnisse nicht umkrempeln können, aber es hat eine Vielzahl positiver Veränderungen bewirkt, die nicht zufällig alle wieder rückgängig gemacht werden sollen.
68 sagt uns: Es war möglich, anders zu leben und zu arbeiten – ohne Patriarchen, Bosse und Zuchtmeister. Es ist an der Zeit, den Wunsch danach wieder in politisches Handeln umzusetzen.
68 hat die Frage nach den Bedingungen der Revolution gestellt, theoretisch und praktisch: nach der Rolle der Intelligenz im Verhältnis zur Arbeiterbewegung und nach den Möglichkeiten der Organisierung jenseits der traditionellen Arbeiterbewegung.
68 hat eine Menge Fragen aufgeworfen, die mit dem neuen Entwicklungsstand des Kapitalismus zu tun hatten, und die bis heute nicht beantwortet sind.

Es gilt, gemeinsam die vor uns liegenden Aufgaben anzupacken und darum laden wir alle Interessenten ein, an einem Kongress der Selbstverständigung sozialistischer Strömungen teilzunehmen.

In drei zentralen Themenfeldern wollen wir uns heutigen Problematiken zuwenden:

Themenblock I:

Die Rahmenbedingungen

Immer mehr Konsum, Reisen in den Süden und Raketen ins All – aber eine Spießermoral und ein autoritäres Gehabe, die sich gewaschen hatten. Der Muff war nicht nur unter den Talaren, sondern überall. Dieselben Leute, die die halbe Welt in Scherben geschlagen und einer Mordbande zugejubelt hatten, geiferten jetzt "Langhaardackel!", wenn das Haar einen halben Zentimeter über dem Ohr stand. Demokratische Formen waren oberflächliche Tünche, darunter setzte sich das alte Nazidenken fort, das immer noch dem Bolschewismus und der Demokratie den Krieg ansagte. Der Kalte Krieg gegen Osten fand seine Entsprechung in der "formierten Demokratie", den Notstandsgesetzen, einem entfesselten Antikommunismus und einer pogromähnlichen Hatz auf Andersdenkende. Mit dem Zugang zu Information und Bildung wuchsen aber für die junge Generation die Ansprüche auf ein lebenswertes Leben. Damals wie heute stand im Mittelpunkt der Aufstand gegen Krieg, Repression und die Erniedrigung des Menschen zur Ware.

Themenblock II:

Die Bewegung und ihre Formen

Die Revolte gegen die als hohl und verlogen empfundenen Normen und Werte – angefangen bei Haartracht und Kleiderordnung, endend mit den Lehrinhalten an der Universität und mit mehr Rechten für die Einzelnen in Erziehungsheimen, Gefängnissen, Betrieben und Schulen – war sichereine Kulturrevolution. Aber diese Kulturrevolution wurde von einem demokratischen Impuls getragen,der die Allgewalt der Unternehmer und ihrer Handlanger in Politik und Medien, unddamit die kapitalistische Ordnung, in Frage stellte.Einen ähnlichen Impuls gab es übrigens in Osteuropa, denn auch dort wurde als "asozial" verfolgt,was nicht mit den herrschenden Normen konform ging.Die Bewegung nahm ihren Ausgang an den Universitäten und in Massenorganisationen der Arbeiterbewegung, doch sie endete in den Betrieben, in Massenstreiks und in neuen Formen derSelbstorganisation jenseits der bürokratisch erstarrten traditionellen Organisationen der Arbeiterbewegung. Der Generalstreik in Frankreich löste eine Staatskrise aus, in der die Frage nach der Legitimität der Macht gestellt war.

Themenblock III:

Organisation und Strategie

Die zwangsläufige Politisierung der Bewegung mündete schließlich in Debatten um gesellschaftsverändernde Strategien und die angemessene Form der Organisierung. Avantgardistische Konzepte, auf die Revolutionierung des Ich und des Alltags bezogen, standen neben der Neuauflage revolutionärer Traditionen der Arbeiterbewegung und der Anlehnung an "Modelle" erfolgreicher Revolutionen. Aber in den meisten Fällen blieb eine tiefe Kluft zwischen der lernenden Jugend und den abhängig Beschäftigten. Die Mehrheitsströmungen der Arbeiterbewegung schafften es, einen Teil der Bewegung zu integrieren – ohne jedoch die von ihr aufgeworfenen Fragen zu beantworten.

Ablaufplan der SoKo- Konferenz zu den 68er - Jahren am 6. und 7. September 2008 in Gütersloh

Ablaufplan für Samstag, 06.09. 2008, Beginn 10:00

Begrüßung, Vorstellung der ReferentInnen: Peter Schüren
0.0. Peter Schüren: Begrüßung, Vorstellung des Konferenzablaufs, Kurzbeitrag zu Stukenbrock, Gedenkminute
Dauer: 15 Minuten.
0.1. Steffen Roski: Von Springer zu Bertelsmann. Rolle der Medien und Mediengewalt `68 und heute. Die 'Enteignet Mohn' – Kampagne.
Dauer: 20 Minuten, Beginn: 10:15
0.2. Kyrosch Alidusti: Die Hochschule zwischen Demokratisierung und Feudalisierung
Dauer: 20 Min., Beginn: 10:35

Themenblock I
Podium wird besetzt durch Sylvia Gabelmann (Moderation) sowie den Referenten:
Georg Fülberth, Winfried Wolf, Wolfgang Dreßen

1.0. Georg Fülberth: '68 als Voraussetzung einer Revolte?
Dauer: 20 Minuten, Beginn: 10:35
1.1. Winfried Wolf: 1968: Der globale Charakter der Revolte - Gemeinsamkeiten und Besonderheiten der 1968er
Ereignisse im Westen, Süden und Osten.
Dauer: 20 Minuten, Beginn: 10:55
1.2. Wolfgang Dreßen: Die Kontinuität der Volksgemeinschaft und die 68er Revolte
Dauer: 20 Minuten, Beginn: 11:15
1.3. Diskussion
Dauer: 60 Minuten, Beginn: 12:15
1.4. ReferentInnen-Schlußwort
Dauer: 10 Minuten, Beginn: 12:25
Pause: ca. 30 Minuten

Themenblock II

Podium wird besetzt durch Gudrun Horstmann (Moderation) sowie die ReferentInnen:
Alex Demirovic (angefragt), Detlef Hartmann, Bernhard Schmid, Gisela Notz u.w.

2.0. Alex Demirovic (angefragt): Revolte damals und warum diese heute nicht stattfindet
Dauer: 15 Minuten, Beginn: 12:55
2.1. Detlef Hartmann: Die existenzielle Bedrohung des Anderen.
Dauer: 15 Minuten, Beginn: 13:10
2.2. Bernhard Schmid: Nebeneinander oder Miteinander – Studentenproteste und Arbeiterkämpfe am Beispiel Frankreich
Dauer: 15 Minuten, Beginn: 13:25
2.3. Gisela Notz: Warum die Tomate flog. Über die Entstehung und Organisationsformen der autonomen Frauenbewegungen.
Dauer: 15 Minuten, Beginn: 13:40
2.4. Diskussion
Dauer: 60 Minuten, Beginn: 14:40
2.5. ReferentInnen-Schlußwort
Dauer: 20 Minuten, Beginn: 15:00
Pause: ca. 30 Minuten

Themenblock III

Podium wird besetzt durch Edith Bartelmus-Scholich (Moderation) sowie die ReferentInnen:
Robert Steigerwald, Ekkehard Lieberam, Krunoslav Stojakovic, Detlef Hartmann, Angela Klein

3.0. Robert Steigerwald: 1968 und das Problem der Autorität.
Dauer: 15 Minuten, Beginn: 15:30
3.1. Ekkehard Lieberam: Ostberlin 1968 - Ende der NÖS-Reformen trotz Bekräftigung
Dauer: 15 Minuten, Beginn 15:45
3.2. Krunoslav Stojakovic: 1968 in Jugoslawien und die Implosion des Staatssozialismus
Dauer: 15 Minuten, Beginn: 16:00
3.4. Angela Klein: Wo, bitte, geht's heute zur Revolte -- oder ist 68 nur was für die Medienindustrie?
Dauer: 15 Minuten, Zeitpunkt: 16:15
3.5. Diskussion
Dauer: 60 Minuten, Zeitpunkt: 17:15
3.6. ReferentInnen-Schlußwort
Dauer: 20 Minuten, Beginn: 17:35
Voraussichtl. Ende gegen 18:00

Ablaufplan für Sonntag, 07. 09. 2008, Beginn 10:00
Abschlußplenum 1968 - 2008: Wie weiter? - Diskussion und Ergebnisse des Vortags
Moderation: Peter Schüren.
Dauer: 10:00 – 13:00

Veranstalter der Konferenz: '1968 - Eine globale Revolte und ihre Bilanz':
Bildungsgemeinschaft SALZ e.V. in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung
Mitveranstalter: Marx-Engels-Stiftung-Wuppertal, MASCH Hamburg (Marxistische Abendschule), sowie die Zeitungen und Zeitschriften 'junge Welt', 'Lunapark 21', 'Marxistische Blätter', 'www.scharf-links.de', 'SoZ' - Sozialistische Zeitung, 'UZ' - unsere zeit

Wir danken Euch schon jetzt sehr herzlich für Eure Spenden!
Kontoinhaber: SALZ e.V. - Konto-Nr:. 1315555400 - Volksbank Hamm eG - Bankleitzahl: 410 601 20

 

Anmeldung für die Konferenz zu den 68er-Jahren am 6. und 7. Sept. 2008
Gütersloh 'Die Weberei' - Bogenstrasse 1- 8 - Raum: 'Atelier'


*Vorname: *Familienname:
*E-Mail: Telefon:
*Ort: Fax:
Postleitzahl: Strasse:
Die mit * gekennzeichneten Angaben sind erforderlich, werden nicht an Dritte weitergegeben und nur für diesen Zweck verwendet .
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Ort Datum Unterschrift
Die Anmeldung bitte per Post an:
Bildungsgemeinschaft SALZ e.V., Oberonstr. 21, 59067 Hamm
oder per Fax:
02381 – 37 33 498
oder eingescannt als PDF per E-Mail an:
info@sozialistische-kooperation.de
oder online auf der Webseite unter Konferenz:
www.sozialistische-kooperation.de/

Wegebeschreibung: 'Die Weberei' Bogenstrasse 1-8 - 33330 Gütersloh

Von der Autobahn A2

Abfahrt Gütersloh von der A2, sofort rechts Richtung Gütersloh (Verler Strasse), ca. 4km geradeaus, an der Kreuzung Verler Strasse / Carl-Bertelsmann-Strasse (kurz zuvor wird die Straße zweispurig) links abbiegen in die Carl Bertelsmann- Strasse, dieser Strasse bis zur übernächsten Ampel (erste Ampel ist eine Fußgängerampel, zweite Ampel befindet sich vor einer Bahnunterführung) folgen, sich hier links einordnen und dann in die Lindenstrasse abbiegen, diese Strasse wird in der nächsten Kurve zur Neuenkirchener Strasse. An der Zweiten Ampel (erste Ampel ist wieder eine Fußgängerampel) rechts in die Dalkestrasse abbiegen, nach 50m befindet sich die Weberei auf der linken Seite, direkt hinter der Bahnunterführung. Ein kostenpflichtiger Parkplatz befindet sich vor der Bahnunterführung auf der linken Seite. Ein nicht kostenpflichtiger Parkplatz befindet sich auf der anderen Seite der Weberei. Um dort hin zu kommen muss man umdrehen und zurück zur Ampel. An der Ampel rechts abbiegen in die Neuenkirchener Strasse, dieser Strasse bis zum Kreisverkehr folgen, im Kreisverkehr an der ersten Ausfahrt in die Dammstrasse ausfahren, dem Strassenverlauf bis zur Ampel folgen und dort rechts in die Feuerbornstrasse abbiegen. Direkt vor der nächsten Ampel rechts in die Webereistrasse abbiegen, der Parkplatz liegt nach ca. 200 Metern auf der rechten Seite.

Vom Bahnhof, zu Fuß

Wenn man das Bahnhofsgebäude verlässt, sofort links die Kaiserstrasse hinunter, an der zweiten Ampel rechts in die Kirchstrasse, man kommt hier auf eine Ampel zu, an der sich die Stadtbibliothek befindet, hier links in die Dalkestrasse abbiegen, nach ca. 400m befindet sich die Weberei auf der rechten Seite, kurz vor der Bahnunterführung.

Voranmeldungen sind aufgrund des beschränkten Platzangebotes dringend empfohlen!

Eintrittspreise: Voranmeldung Konferenzgebühr: 6.00 €
Tageskasse Konferenzgebühr: 8.00 €
(Ermäßigung für Bedürftige bitte an der Tageskasse erfagen)
Bankverbindung:
Kontoinhaber: SALZ e.V.
Konto-Nr.: 1315555400 - Volksbank Hamm eG
Bankleitzahl: 410 601 20
Verwendungszweck (bitte vermerken): 68er Konferenz

V.i.S.d.P.: Bildungsgemeinschaft SALZ e.V., Oberonstr. 21, 59067 Hamm
Tel. 02381-37 33 497 - Fax 02381-37 33 498 - E-Mail: salzkreis@yahoo.de


Veranstaltungshinweis:

Außerhalb unseres Konferenzrahmens ruft u.a. DIE LINKE.NRW zu einem Demonstrationstag auf.
Motto: 'Enteignet Mohn - Bertelsmann'. Freitag 05. September 2008 - 10:00-17:00 Uhr Gütersloh.

 







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