Gewerkschafter gegen Groko

10.02.18
ArbeiterbewegungArbeiterbewegung, NRW, News 

 

Leserbrief (zu der gesamten Berichterstattung zu den Sondierungs- und Koalitionsgesprächen CDU/CSU/SPD in den Westfälischen Nachrichten)

Es ist kaum zu ertragen, wie sich führende Gewerkschafter, allen voran der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann und der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske, für eine Groko aussprechen und die Befürworter auf dem SPD-Parteitag auch noch beklatschen. Das war im Fernsehen schön zu sehen. Der Zuschauer fragt sich, wo bleibt da die parteipolitische Neutralität der Gewerkschaften, die ansonsten so beschworen wird? Es gibt Mitglieder und Wähler vieler Parteien in den Gewerkschaften, Parteilose. Und viele Gewerkschafter mit SPD-Parteibuch, erst recht ohne, sind gegen eine Groko. Der Riß geht nicht nur durch die Partei, sondern auch durch die Gewerkschaften.

Nach den Sondierungsgesprächen ist von einer Groko für Gewerkschafter so gut wie nichts zu erwarten, ganz im Gegenteil. Da sind wir als parteilose linke Gewerkschafter uns mit vielen Kollegen, die dies auch minutiös schriftlich dargelegt haben, einig. Wir erwarten weitgehenden Stillstand auf Filzpantoffeln, verwalten statt  gestalten. Darüber hinaus scheint die SPD von einer Art Todessehnsucht ergriffen zu sein und gräbt sich ihr eigenes Grab. Bei der Bundestagswahl 20,5 Prozent, historischer Tiefststand, steht sie nach neuesten Umfragen derzeit bei 18 Prozent. Das wäre weniger schlimm, bestünde nicht die Gefahr, dass dieser Bazillus auch auf die Gewerkschaften übergriffe und sie in den Sog des Sterbens mitzöge. Nackte Zahlen: 2001 hatte der DGB 7.899.009 Mitglieder, Verdi 2.806.496. Im Jahr 2017 sind es beim DGB noch 5.995.437 Mitglieder, bei Verdi 1.987.336. Das entspricht einem Rückgang von 24 bzw. 29 Prozent. Auch eine andere Zahl gibt sehr zu denken: 15 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder wählten AfD, mehr als im Bundesdurchschnitt der Gesamtbevölkerung. Wir wenden uns gegen das Bild, das in der Öffentlichkeit durch Gewerkschaftsführer vermittelt wird. Die Gewerkschaften sind kein verlängerter Arm des SPD-Establishments. Zusammen mit den Jusos und anderen ungebundenen SPD-Kollegen sagen wir: No Groko! 

 

Eberhard Doths

Martin Radde   

Verdi-Ortsverein Gronau-Ahaus







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