Registermethode 2.0


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02.05.13
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von Frank Pott - Berlin

Einige Überlegungen zur syndikalis- tischen Kampftaktik

Disclaimer vorneweg: Ich bin kein Program- mierer und habe bis heute nicht eine Zeile 'Code' selbst geschrieben, weshalb einige Gedankengänge nie umsetzbar wären.

Ich habe nachgedacht. Mal wieder.

Seit ein paar Tagen lässt mich die Idee einer technischen Aktualisierung des Syndikalismus nicht mehr locker, bzw. einer konkreten Taktik des Syndikalismus: Das Lohn- und Arbeitsregister.

Unter der sogenannten Registermethode wurde die lokale Erfassung aller arbeitsrelevan- ten Daten innerhalb der an die Arbeitsbörse angeschlossenen Organisationen verstan- den. Damals wurde das i.d. Regel durch noch vorhandene Systeme der Haus- und Straßenkassierung wöchentlich beim sogenannten Arbeitsnachweis gemacht. Jedes Mitglied der lokalistischen Gewerkschaften war demnach wöchentlich gezwungen, seine aktuelle Arbeitssituation gegenüber der Gewerkschaft offen zu legen. Dies erfolgte gleichzeitig mit der Kassierung der wöchentlichen Mitgliedsbeiträge und Aushändigung der Gewerkschaftszeitung.

Über diese Art der Abfrage war der Gewerkschaft ein wichtiges Instrument ihrer Arbeit gegeben: Sie wusste zu jedem Wochenturnus den Krankenstand in der Organisation, wie viel Stunden die Mitglieder gearbeitet haben, zu welchen Löhnen, wo Mitglieder im Streik sich befanden, wo Mitglieder entlassen wurden, wo Hilfszahlungen notwendig waren und natürlich auch wo Verbesserungen der Löhne im Bereich des möglichen waren. (Kurze Anmerkung, damals war eine Gewerkschaft zumeist für einen Beruf vor- handen, die Gliederung in Branchengewerkschaften erfolgte erst nach dem 1. Weltkrieg, wo die Registermethode zumeist nicht mehr zur Anwendung kam).

Da die Gewerkschaft eine Übersicht hatte, wie die Stundenlöhne in einem Beruf in einem Lokalen Rahmen waren, konnten sie lokal für sich Lohnuntergrenzen praktisch festlegen, in dem beschlossen wurde, dass Mitgliedern verboten wurde, unter einem Bestimmten Lohn zu arbeiten. Wer es dennoch machte, hatte mit Disziplinarverfahren zu rechnen, allerdings waren die Hilfskassen auch so organisiert, dass dies i.d.Regel nicht notwendig wurde. So konnten auch Verhandlungen nach zeitlich begrenzten Tarifverträgen um- gangen werden, da sie durch direkte ökonomische Aktion nicht mehr notwendig wurden. (Beispiele sind hierfür die Fliesenleger in Düsseldorf, oder die Textilarbeiter in Teilen Sachsens.)

Als Erweiterung des Registers war in vielen Arbeitsbörsen auch ein Stellenregister ange- schlossen, das Genossen in Jobs verhalf, gerade in Zeiten der Schwarzen Listen (Nicht-Einstellungslisten der Betriebe!) ein wichtiges Unterstützungswerkzeug.

Heute wäre so etwas technisch wesentlich einfacher möglich und könnte Helfen, das (Stunden-)Lohngefälle von Freiberuflern, 'Freelancern' und anderen Scheinselbststän- digen zu minimieren.

Was ist dafür zu tun? Nun es gibt zwei für mich sehr wichtige Anforderungen an das System:
1. Es muss dezentral organisiert sein
2. Es muss belastbar sein

Zu Punkt 1)
Die Dezentrale Organisierung hat folgenden Grund: Strukturen sind korrumpierbar. Wenn das System nur auf einem Server liegt, kann es aus Gründen abgeschaltet werden, oder noch schlimmer 'abgeschnorchelt' werden. Ich bin zwar dafür, die Daten anonymisiert als 'Open Data' zu betreiben, aber dagegen Zentralsysteme zu betreiben. Repression ist nur das eine, auch Distribution.

Wenn z.B. der Deutsche Gewerkschaftsbund diese Idee gut findet, eine Instanz aufbaut und viele (TM) Menschen mitmachen, der DGB aber eines Tages beschließt, dieses Sys- tem behindert seine Existenz, dann darf das System selbst nicht abschaltbar sein. Gerade aus dem Bereich 'Peer-2-Peer' kennt die Netzgemeinde schon verteilte System und Datenbanken, auch hier müsste ein solches zum Tragen kommen. Am besten über Verifizierung in einem 'Trustnetz'*. Eine der Schlimmsten Abhängigkeiten der Arbeiterbe- wegungen entstanden, als sie die Sozialsysteme – welche vorher selbst organisiert waren (und durchaus Ineffizienz aufwiesen) – in staatliche Hand übereignet wurden.

Zu Punkt 2)
Wenn das System wächst und an Brisanz zunimmt, dann wird es aus verschiedenen Bereichen beschossen werden, nicht nur von 'Anons', die meinen das Selbstbestimm- ungsrecht wäre gefährdet (auch deshalb ist ein dezentrales System notwendig), sondern auch Kapitalisten die die Dienstleistung “Datenmanipulation” als Geschäftsfeld entdecken werden (nicht so schlimm wie die Historische Parallele 'Pistoleros', aber genauso zerschießend!).

Also muss es möglich sein, jeden Angestellten zu verifizieren, das kann über die Steuer- nummer sein, das kann aber auch anderweitig z.B. über ein 'Trustnetz'* möglich sein. Auch muss das System es aushalten sowohl 10k Leute als auch 10 Millione Leute sich selbst organisieren zu lassen. Eine Verifizierung ist zwingend erforderlich, da der größte Schaden des Systems wäre, wenn seine Glaubwürdigkeit, die Belastbarkeit der Daten selbst angegriffen werden kann.

Was stelle ich mir also vor (wenn es denn möglich ist):

Als Endanwender habe ich mich am Anfang an einer noch nicht näher zu benennenden Stelle verifiziert, dass ich ich bin. Dann erhalte ich ein 'Client', oder ein 'Dashboard', in dem ich meine Steuerdaten und ähnliches eingeben kann (Maschinenlesbarkeit herstel- len!), auch die eigenen Vertragsbedingungen als Angestellter (z.B. Festlegung der Ar- beitszeiten, Überstundenregelungen etc.) sollten hinterlegbar sein.

Für 'Freelancer' gilt natürlich das Gleiche mit Werksvertragsdaten, oder andere Ver- tragsdaten, die die Bedingungen festschreiben. Wichtig wird jetzt natürlich eine Maske in der die geleistete Arbeitszeit eintragbar ist, sowie Pausenzeiten, Stückzahlen (Produzierendes Gewerbe), ect. pp.

Im Hintergrund läuft der Abgleich, bzw. Vergleich dieser Daten mit den anderen im System gemittelten Daten. Wenn es bereits Vereinbarungen gibt, wie z.B. die Über- stunden geregelt sind, und man diese verletzt muss dem Endanwender sowie der eventuell vorhandenen Gewerkschaft dies anzeigbar sein ('Alert' vielleicht?). Hier kann dann interveniert werden. Die Daten werden im besten Falle via einem 'Peer-2-Peer' Ansatz ausgetauscht, am besten noch erweitert um einen 'Mesh'-Ansatz, damit die Daten nicht zensierbar sind. Die Software muss 'API'´s bieten, die offen und nachvoll- ziehbar ist, damit weitere Entwicklungen programmierbar sind. Überhaupt ist eine Grundlage der Software offener Quellcode und freie Lizenzen.

Ich hoffe die Ideenskizze war jetzt nicht zu wirr und ich bekomme 'Feedback' zu den Ideen, Diskussionen bitte in den Kommentaren, oder auf Twitter @syndikalista

*Trustnetz: Zunehmend geht die Zertifizierung für Webseiten weg von Zentralin- stanzen, die Zertificate 'signen' hin zu Trustnetzen, die sich gegenseitig bestätigen “echt” zu sein.

Quelle: The Copper Anarchist

www.anarchosyndikalismus.de.vu

https://syndikalismus.wordpress.com/2013/04/03/registermethode-2-0-einige-uberlegungen-zur-syndikalistischen-kampftaktik

 

 

 

 


VON: FRANK POTT - BERLIN






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