TERRE DES FEMMES: Weibliche Genitalverstümmelung passiert in Lockdownzeiten unbemerkt.

04.02.21
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Anlässlich des Internationalen Tages „Null Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung“ am 6. Februar

Von TDF

TERRE DES FEMMES – Menschenrechte für die Frau e.V. warnt vor den dramatischen Folgen des Lockdowns für von weiblicher Genitalverstümmelung bedrohte Mädchen. Durch die drastische Einschränkung sozialer Kontakte und damit auch dem Rückgang von regelmäßigen Arztbesuchen oder der Schließung von Schulen und Sportvereinen, fallen fast alle niedrigschwelligen Anlaufstellen weg, denen sich bedrohte Mädchen vor der Pandemie anvertrauen konnten.

Für Mädchen, die von weiblicher Genitalverstümmelung bedroht oder betroffen sind, ist es in Lockdownzeiten fast unmöglich, Hilfe zu suchen“, so Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von TERRE DES FEMMES. „Dieser schwerwiegende Eingriff aus Gründen der Tradition in den unversehrten Körper eines Mädchens bleibt aktuell unbemerkt. Denn der regelmäßige Kontakt zu LehrerInnen, ÄrztInnen oder VereinstrainerInnen fällt weg – wichtige Vertrauenspersonen, die ein niedrigschwelliges Hilfenetzwerk im Leben von Mädchen bilden können. Sie können auch nicht bemerken, wenn ein Mädchen sich plötzlich verändert oder unter Schmerzen leidet. Bis heute und auch in pandemiefreien Zeiten fehlt es in Deutschland an effektiven Interventionsketten, die betroffenen und bedrohten Mädchen in der Not helfen.

TERRE DES FEMMES setzt sich seit der Gründung mit Aufklärungs- und Präventionsarbeit gegen die Menschenrechtsverletzung der weiblichen Genitalverstümmelung ein. Aktuell entwickelt TERRE DES FEMMES, gemeinsam mit Stakeholdern und relevanten Akteuren des Mädchenschutz- und Hilfesystems in Berlin, Konzepte für effektive Interventionsketten, um Betroffenen von FGM (auf engl. FGM = female genital mutilation) schnell zu helfen. Im Rahmen dieses von der EU geförderten Projektes „CHAIN“ arbeiten VertreterInnen des Jugendamts, der Polizei, von Fachberatungsstellen und der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, sowie Vertreterinnen der von FGM betroffenen Communitys Hand in Hand, um einen koordinierten und effektiven Schutz von bedrohten Mädchen zu gewährleisten. Die Interventionsketten sollen im Herbst in einer nationalen Konferenz vorgestellt und bundesweit umgesetzt werden.

 

Weibliche Genitalverstümmelung ist eine patriarchale Praxis, die darauf abzielt, die Sexualität von Mädchen und Frauen zu kontrollieren. Der Eingriff wird weltweit aus traditionellen, religiösen oder ökonomischen Gründen an Mädchen durchgeführt. Laut UN WOMEN sind mindestens 200 Millionen Mädchen und Frauen von FGM betroffen. In der jährlich veröffentlichten Dunkelzifferstatistik von TERRE DES FEMMES geht die Frauenrechtsorganisation davon aus, dass 20.182 Mädchen (unter 18 Jahren) in Deutschland von weiblicher Genitalverstümmelung bedroht sind. Mindestens 74.899 Frauen sind von FGM betroffen. 

Zur Dunkelzifferstatistik 2020

 

 







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