Zum Internationalen Frauentag 2017

06.03.17
FeminismusFeminismus, Bremen, TopNews 

 

von Britta Littke-Skiera

Es ist zu begrüßen, dass zahlreiche Veranstaltungen in Bremen zum internationalen Frauentag stattfinden. Diese sind angesichts der noch immer nicht umgesetzten gleichen Rechte für Frauen und Männer leider immer noch notwendig. Zu beklagen ist aber nicht nur die offensichtliche Verweigerung gleicher Rechte für Frauen, wie sie sich z.B. in einer geringeren Bezahlung von Frauen für gleiche und gleichwertige Arbeit zeigt, zu beklagen ist eine allumfassende Beschneidung der Rechte und Lebensbedingungen von Frauen. 

Wir leben in einer von Männern dominierten Hochleistungsgesellschaft, in der Männer die Regeln bestimmen und Frauen sich diesen Regeln unterwerfen sollen. Frauen werden klein gemacht – bei Mehrfachnennungen und in diversen Sprichwörtern erscheinen sie nicht einmal. Die weibliche Endung “in“ wird unterschlagen. Selbst in Berufen, die in der Mehrzahl von Frauen ausgeübt werden, wie z.B. Erzieherinnen, werden nur „Erzieher“ genannt. Im Berufsleben bestimmen Männer, wie sich Frauen zu verhalten und zu kleiden haben – vor allem in der freien Wirtschaft. Eine männlich dominierte Medizin entscheidet darüber, ob Frauen krank sind oder nicht, und ob sie nach einer Krankheit oder Verletzung wieder zur Arbeit zu erscheinen haben. Wie es den Patientinnen dabei geht, interessiert oftmals nur am Rande. Frauen sollen nicht nur für Haushalt und Kinder zuständig sein, sie sollen auch zwecks Ausbeutung ihrer Arbeitskraft den herrschenden Eliten des Kapitals zu Verfügung stehen – oft im Niedriglohnsektor. Armut ist weiblich. Durch den § 218 müssen sie sich einer Zwangsberatung unterziehen - auch wenn sie ihre Entscheidung bereits getroffen haben, werden sie wie Kinder ihrer Entscheidungsfreiheit beraubt. Aber ansonsten sollen sie gestandene Frauen sein. Das Dilemma an der männlichen Herrschaft in unserer kapitalistischen Hochleistungsgesellschaft ist, dass diese Regeln des Patriarchats nicht nur Frauen schaden. Von der gnadenlosen Ausbeutung ihrer Arbeitskraft sind z.B. Männer ebenso betroffen wie vom grausamen Zwangs- und Unterdrückungssystem namens Hartz IV. Werden Waffen und anderes Kriegsgerät exportiert, leiden unter dem Krieg Frauen und Männer, Mädchen und Jungen. Auf der anderen Seite unterdrücken auch Frauen andere Frauen – indem sie sich z.B. in den staatlichen und medizinischen Institutionen männlichen Regeln unterwerfen.

Dabei ist eine Umverteilung von Mitspracherecht im Sinne einer gleichberechtigten Teilhabe an Diskussions- und Entscheidungsprozessen dringend notwendig. Frauen müssen zu gleichen Anteilen mitreden und mitentscheiden können. Sonst werden Menschen am Rande der Gesellschaft immer weiter abgehängt in einer mörderischen kapitalistischen, männlich geprägten Hochleistungsgesellschaft. Sonst profitiert auch weiter eine kleine, mehrheitlich männliche herrschende Elite zum Schaden einer wachsenden Mehrheit, die immer stärker um´s Überleben kämpfen muss. Die steigende Anzahl von Stromsperren und Obdachlosigkeit sind bezeichnende Beispiele. Aber nur wenn Frauen und Männer gemeinsam gegen ihre Unterdrückung durch die herrschenden Eliten kämpfen, besteht eine realistische Chance auf Veränderung.

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DEMO ZUM FRAUEN*KAMPFTAG AM 11.3.2017 UM 16 UHR AB HBF BREMEN

Aufruf

Feminismus heißt ein gutes Leben für alle!

Wir wollen eine Gesellschaft, die Vielfalt als Bereicherung empfindet und in der jede*r glücklich werden kann. Wir wollen eine gewaltfreie Gesellschaft, in der niemand erniedrigt und verachtet wird und in der jede*r Platz hat und niemand fragt, woher er*sie kommt. Das bedeutet für uns, dass wir die kapitalistischen und patriarchalen Verhältnisse radikal ändern müssen, damit wir selbstbestimmt und frei leben, lieben und arbeiten können.

Feminismus heißt gleiche Rechte für alle!

Im Kapitalismus sind Arbeit und Reichtum ungleich verteilt. Erwerbslosigkeit, Arbeitsausbeutung, Zwangsarbeit, Minilöhne und Altersarmut sind nur einige Symptome dieses Gesellschaftssystems, in dem besonders Frauen* benachteiligt sind. Sie leisten den Großteil der schlecht oder gar nicht bezahlten Erziehungs-, Pflege- und Sorgearbeit zu Hause und in der Gesellschaft.
Die strukturellen Geschlechterverhältnisse werden im Privaten, in der Arbeitswelt und der Wirtschaft sichtbar und schlagen sich im Alltag durch sexistische Machtverhältnisse und sexualisierte Gewalt nieder. Immer noch gilt das Familienmodell Mutter, Vater, Kind als ausschließliches gesellschaftliches Ideal, in dem frau funktionieren soll. Menschen, die sich nicht den Kategorien Mann* und Frau* zuordnen wollen, wie Trans*- und Inter-Menschen, werden als „unnormal“ diskriminiert und gewalttätig angegriffen.
Wir wehren uns gegen jede Gewalt, die insbesondere Frauen*, LGBTQI* (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*-, Inter- und queere Menschen) und People of Color betrifft. Wir wehren uns gegen Ausbeutung und Unterdrückung. Wir kämpfen gegen Nationalismus und rassistische Alltagspolitik, gegen alle Gesetze zur Entrechtung von Geflüchteten, gegen die Kriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs und gegen Gesetze, die Sexarbeiter*innen diskriminieren.

Feminismus heißt Widerstand!

In Europa und weltweit erstarken die alten und neuen Rechten. In Deutschland haben sie einen parlamentarischen Arm in der AfD gefunden.
Durch Deutschland und Europa zieht sich ein national-konservativer Backlash, wodurch es immer wieder zu Angriffen auf Frauen*rechte kommt. Das bereits Erkämpfte wird immer wieder bedroht.
Antifeminismus, Rassismus und der Kampf gegen Gleichstellung sind gemeinsamer Nenner der neuen und alten Rechten und fester Bestandteil von konservativer bis hin zu rechtsradikaler Ideologie. All das dient dazu, traditionelle Vorstellungen von Familie, Geschlechterbildern und Lebensentwürfen zu verfestigen.
Rassistische Alltagspolitik wie Racial Profiling geht Hand in Hand mit der Verschärfung des Asylrechts und tödlicher Grenzpolitik europäischer Regierungen. Gleichzeitig nehmen auch Angriffe der Rechtsradikalen auf Gewerkschaftsorganisationen zu.
Wir Feminist*innen treten diesem Rechtsruck in all unseren Lebensbereichen kämpferisch entgegen und solidarisieren uns mit den weltweiten Kämpfen von Frauen* für Selbstbestimmung und bessere Arbeitsbedingungen.

Gemeinsam für einen feministischen Internationalismus!

Heraus zur Demo am Samstag den 11.3.2017!
11.3.2017 | 16:00| Bremen Hauptbahnhof |

*Der Genderstern symbolisiert alle Geschlechterentwürfe, die sich nicht den Kategorien weiblich oder männlich zuordnen.

Der Aufruf ist entstanden auf Grundlage des Aufrufes des Berliner Frauen*kampftagbündnis.

 







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