Köln: Frauencafé zieht ins Naturfreundehaus

24.11.10
FeminismusFeminismus, NRW, Köln, News 

 

Das Frauencafe ist umgezogen vom AZ in das Naturfreundehaus. Aus diesem Anlass erkären die beteiligten Frauen:

"Da das AZ seinen eigenen Anspruch, ein Schutzraum für emanzipatorische Politik sein zu wollen, nach unserer Auffassung nicht erfüllt hat, handelt es sich bei dem Umzug um unsere politische Konsequenz aus den Vorfällen um das Frauenzimmer, das _fest und den Umgang mit den daraufhin gefallenen Hausverboten.

Dass es neben diesen negativen Erfahrungen auch starke solidarische Stimmen und Unterstützung gab, sowohl im Hinblick auf das Frauenzimmer und das _fest, möchten wir hiermit nicht schmälern.

Dass nun die Strukturprobleme innerhalb des AZ thematisiert und angegangen werden, ist ein zu begrüßender Ansatz. Das Frauencafé hat sich jedoch entschieden, an dieser Entwicklung nicht aktiv teilzuhaben, da das Thema und die Unzumutbarkeiten der bisherigen Geschehnisse schon viel zu viel Raum eingenommen haben, der eigentlich für feministische Inhalte vorgesehen war.

Die Vorfälle, die zu diesem Entschluss führten, sollen hier nun skizziert werden.

Sobald das Verlangen nach einem Frauenraum geäußert wurde, wurde gegen dieses Vorhaben Einspruch erhoben, aufgrund der „Diskriminierung von Männern“ und der Auffassung, ein Frauenraum sei nicht notwendig. Das Bedürfnis nach einem Frauenraum wurde nicht weiter thematisiert. In den Vordergrund wurde stattdessen der „Ausschluss von Männern“ gestellt und nicht, dass wir in einer strukturell patriarchalen Gesellschaft leben, aus der sich die Begründung für einen Frauenraum ergibt.

Der Standpunkt des AZ lautete übersetzt, einen Bedarf für einen Frauenraum gebe es nur, wenn darüber Konsens herrsche, dass Frauen sexualisierter Gewalt im AZ ausgeliefert seien. Die Argumentation, den Raum für feministische Zwecke nutzen zu wollen, und nicht „nur“ als Schutzraum nach Übergriffen, fand kaum Gehör. Es gab also keine Bereitschaft, sich mit Herrschaftsstrukturen auseinanderzusetzen.

Der Frauenraum wurde eingerichtet, auch ohne Konsens. Die Reaktion darauf war eine anonym und heimlich angebrachte Ablehnung. So haben sich dort wiederholt Männer Zutritt verschafft, was schon an sich eine gewaltvolle Grenzverletzung darstellt und ein politisches Statement der Ablehnung und Nicht-Respektierung von Frauenräumen ist. Des Weiteren wurde der Raum ständig sabotiert, u.a indem die Wände beschmiert, Müll hinterlassen, Materialien geklaut und die Aufschrift auf der Tür [Frauenzimmer] mehrmals verändert wurde, durch einfache Zerstörung oder indem sie mit Sprüchen wie „sexistischer Raum“ überschrieben wurde.

Als das Frauencafé am Montag nach dem _fest stattfinden sollte,  stellten wir fest, dass die Plakate des _festes zerstört worden waren, womit absichtlich eine Eskalation herbeigeführt wurde. Bereits bei den Vorbereitungen und während des _festes verhielten sich einige „Bewohner“ und Einzelpersonen des AZ wenig kooperativ und solidarisch, bis teilweise ablehnend. Die “Bewohner” reagierten teilweise pampig auf die Bitte nach Hilfe, störten Veranstaltungen und verbreiteten insgesamt das Gefühl, dass sie in „ihrem“ Raum gestört wurden. Als wir die „Bewohner“ mit der Frage nach den Verursacher_innen der Zerstörung konfrontierten, negierten sie ihre Teilhabe an der Zerstörung, befürworteten diese aber, und gebärdeten sich drohend und agressiv-dominant den Raum für sich beanspruchend, was den Frauen des Frauencafés keine andere Wahl ließ, als den Raum zu verlassen.

Sie zeigten damit, dass sie diesen Sabotageakt als legitime Kritik verstanden haben wollten, welcher aber in einem sich als emanzipatorisch verstehenden Raum absolut nichts zu suchen hat.

Was außerdem reflektiert und analysiert werden muss, ist, welche Rolle hier die Geschlechterkonstellationen spielten. Es handelt sich bei den „Bewohnern“ um vor allem als Männer sozialisierte und erkannte Menschen und bei dem Frauenzimmer und der  _fest Gruppe um als Frauen sozialisierte und erkannte Menschen. Weiterhin trägt sowohl das Frauenzimmer als auch das _fest Inhalte, die die Herrschaftsverhältnisse zwischen den Geschlechtern angreifen. Ob die Ablehnung der Inhalte und der Frauen ein bewusst sexistisches Verhalten war, müssen die Männer selbst reflektieren. Wir glauben aber nicht, dass es Zufall ist, dass es eine Gruppe Männer war, die aggressiv einen Raum zuerst für sich beansprucht und ihn sich dann durch Zerstörung wieder aneignet, nachdem dieser von einer Gruppe Frauen in Anspruch genommen wurde. Wir glauben nicht, dass diese Gruppe Männer bei einer anderen Gruppe Männer und/oder bei anderen Inhalten überhaupt so hätte reagieren können oder sich getraut hätte, so zu reagieren. Insofern sehen wir die Vorfälle nicht nur als an sich inakzeptables Verhalten, sondern auch als eine, bewusst oder unbewusst, Verdrängung von Frauen und feministischen Inhalten durch männliches Dominanzverhalten, mit welchem sich analytisch und praktisch innerhalb des AZ auseinandergesetzt werden muss.

Das eingeforderte und auf einem AZ-Plenum beschlossene Hausverbot, gegen die beschriebene Gruppe „Männer“, wurde nicht durchgesetzt,  begleitet von Rechtfertigungen und Erklärungen für das Verhalten der Leute, die Hausverbot bekommen hatten. Im Verlauf der daraufhin entstehenden Debatten wurden die Ereignisse immer wieder als Problem einzelner Betroffener dargestellt und somit auf diese verlagert, was zeigt, dass die Vorfälle nicht konsequent als Politikum verhandelt wurden. Da von Seiten vieler Leute die Vorfälle verharmlost wurden, sahen sich die „Betroffenen“ in einem ständigen Rechtfertigungsdruck, was die Reproduktion ihres „Betroffenenseins“ bedeutete und damit das Abschieben der Vorfälle in den „privaten“ Bereich. Die permanenten und übergriffigen und für die Betroffenen extrem anstrengenden Versuche der persönlichen „Aussprache“ mit Zuschreibungen und dem fortlaufenden Infrage-Stellen des “Problems“ an sich, zeugten von dem Unwillen, diese Situation als eine politische /strukturelle wahrzunehmen und ignorierten die Grenzen der Zumutbarkeit für die als Betroffene  konstruierten. Des Weiteren echauffierten sich die „Täter“ als „Opfer“ von Diskriminierung und erhoben damit verleumderische Vorwürfe gegenüber den Frauen vom _fest und vom Frauencafé, welche unkritisch übernommen und reproduziert wurden. Somit wurde alle Empathie auf die sich als „Opfer“ gebärdenden verwendet, während sie den Frauen entzogen wurde.

Problematisch in dieser Situation war, dass es keine Struktur gab, die sich des Konfliktes in angemessener Weise hätte annehmen können. Je nach Belieben war von einer AZ-Gemeinschaft als Adressat für Problemlösung die Rede, mal existierte eben diese wiederum nicht, anstelle dieser dann ungreifbare Einzelpersonen. Zudem wurden informelle Hierarchien ausgenutzt. Insgesamt wurde ein Klima geschaffen, welches für das Frauencafé eine Zusammenarbeit mit dem AZ verunmöglicht.

Ob das AZ wieder ein Ort wird, an dem Diskussionen emanzipatorisch geführt werden und sich mit Konflikten und auch der eigenen Eingebundenheit in Machtstrukturen kritisch und konstruktiv auseinandergesetzt wird, wird sich herausstellen. Zurzeit wird dies nicht so empfunden, worin sich begründet, warum das Frauencafé einen Ortswechsel für angemessen hält. Dennoch begrüßen wir die beginnende Auseinandersetzung mit dem Umgang mit Konflikten, wie z.B. die Gründung der Konflikt AG und die Veranstaltungen zu Definitionsmacht und Patriarchat.

Das Frauenzimmer im AZ halten wir nach wie vor für wichtig, um von Frauen für ihre Themen und Bedürfnisse sowie als Rückzugsraum genutzt werden zu können.

Diese Email ist nicht nur als ein politisches Statement zu begreifen, sondern auch als unser letzter Beitrag zur Debatte.

Wir möchten nicht, dass die weiteren Verläufe der Debatte an das Frauencafé herangetragen werden.

Das Frauencafé"







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