Nochmals: Geschlechterverhältnis & Revolution(en)


Bildmontage: HF

22.05.17
FeminismusFeminismus, Sozialismusdebatte, Debatte 

 

von TaP

Eine Antwort auf systemcrash (scharf-links v. 20.05.17)

scharf-links hat kürzlich einen wichtigen Artikel des Gen. systemcrash zum Verhältnis von patriarchalem Geschlechterverhältnis und kapitalistischen Klassenverhältnissen bzw. Feminismus und Antikapitalismus veröffentlicht. Während systemcrash und ich uns über dieses Thema vor ein paar Jahren zum Teil noch heftig in den Haaren hatten, sind wir inzwischen sogar in der Lage, gemeinsame Texte zu dem Thema zu schreiben[1]. Trotzdem reizt mich auch systemcrashs jüngster Text zum Widerspruch – und das geht schon mit dem politischen Ziel los.

1. Was ist das revolutionäre Ziel in Bezug auf das Geschlechterverhältnis?

systemcrash vertritt in Bezug auf die in der Zwischenüberschrift genannte Frage folgende These: Für die „Emanzipation der Frauen erreichen“ reiche es nicht

„dass sich frauen nur am ‚klassenkampf’ beteiligen [5], es reicht aber auch nicht, dass frauen nur ihre besonderen ‚weiblichen qualitäten’ (wie im differenzfeminismus) kultivieren. sondern wir brauchen (mindestens) BEIDES!“

Und in der Fußnote, auf die im Zitat verwiesen wird, ergänzt er:

„und schon gar nicht reicht es, wenn frauen ‚voll gleichberechtigt’ in den kapitalistischen produktionsprozess ‚integriert’ werden, denn die geschlechtshierachische arbeitsteilung bleibt ja weiter bestehen.

aus differenzfeministischer sicht (die mir eher liegt) ist der begriff ‚gleichberechtigung’ ohnehin fragwürdig. ‚gleiche rechte’ bedeuten nämlich noch lange nicht gleiche interessen, fähigkeiten, veranlagungen und/oder vorlieben. für mich ist es NICHT ‚emanzipatorisch’, wenn frauen soldatInnen oder bergarbeiterInnen werden können, GENAUSO WIE MÄNNER. sie dürfen gerne soldatIn oder bergarbeiterin werden, wenn sie es wollen; sie müssen dabei aber nicht ‚wie männer’ sein. wenn Lt. Jordan O’Neil im manöver sagt ‚lutsch meinen schw*’ dann zeigt das eben, dass sie sich nicht ‚als frau’ im männlich dominierten militärwesen durchsetzen kann, sondern nur, wenn sie ‚wie ein mann’ (zumindest) funktioniert. das hat für mich nichts erstrebenswertes! https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Akte_Jane

die ‚korrekte’ [politische] bestrebung wäre also „gleichRANGIGKEIT“ oder „gleichWERTIGIGKEIT“ der geschlechter. – ohne dass die geschlechtsspezifische differenz geleugnet werden müsste. (ohne den anspruch zu erheben, diese ‚differenz‘ umfassend „definieren“ zu können; vergl. dazu: https://systemcrash.wordpress.com/2012/12/09/materialzusammenstellung-zur-geschlechter-differenz/)“ (alle Hv. i.O.)

a) Wenn wir den m.E. nicht besonders klaren Ausdruck „Emanzipation der Frauen“ durch „Überwindung des Patriarchats“ ersetzen, dann kann ich den ersten beiden Halbsätzen des ersten Zitates so einigermaßen zustimmen. Ich würde meinerseits formulieren:

„Für Überwindung des Patriarchats reicht es nicht aus, dass sich Frauen am Klassenkampf beteiligen; und schon gar nicht führt es zu diesem Ziel, wenn Feministinnen – wie es der Differenzfeminismus tut – die Geschlechterdifferenz nicht analytisch (als etwas, das die jetzige gesellschaftliche Lage von Frauen prägt), sondern normativ (als Ziel) betonen.“

Aber ich möchte noch Eines hinzufügen, denn systemcrash bezieht sich mit seiner Formulierung auf folgende Formulierung von Nancy Fraser:

jede feministische Politik, die sich ausschließlich auf einen der beiden Pole [Produktion oder Reproduktion] stützt, ohne die Überlappungen und tiefen Verbindungen zu betrachten, [kann] nicht die Emanzipation der Frauen erreichen…“[2]

Meine Hinzufügung lautet: „feministische Politik“, von der ja Fraser spricht, in Bezug auf den Produktionsbereich bzw. die Erwerbsarbeit ist weitaus mehr und z.T. auch anderes als die Beteiligung von Frauen am „Klassenkampf“ (von dem systemcrash spricht). Denn dem Klassenkampf als solchem ist nicht inhärent, die unterschiedliche Lage von lohnabhängigen Männern und Frauen zu berücksichtigen (z.B. geschlechtshierachische Arbeitsteilung, Frauenlohndiskriminierung, sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz etc.) und auf deren Überwindung zu zielen.

Erfahrungsgemäß bedarf es immer erst Kämpfen von Frauen, um diese Themen auf die Tagesordnung zu setzen – und dies ist auch kein Zufall, sondern läßt sich erklären. Denn Männer (aus allen Klassen) sind die Täter von sexueller Belästigung und Gewalt und Männer haben Vorteile aufgrund der geschlechtshierarchischen Arbeitsteilung und der Frauenlohndiskriminierung: Die Löhne, die das Kapital nicht Frauen zahlt, kann das Kapital Männern zahlen, ohne seine Profitabilität zu gefährden. Die Aufteilung der auf einem bestimmten „historische[n] und moralische[n]“ Niveau (MEW 23, 185) gegebenen Lohnsumme auf Frauen und Männer ist Geschlechterkampf, nicht Klassenkampf. Und geschlechtshierarchische Arbeitsteilung heißt, daß Männer die besseren Chancen haben, die qualifizierteren und besser bezahlten Jobs zu bekommen.

Während es dem Kapital mehr oder minder egal sein kann, ob es die Löhne, die es zahlen muß, Frauen oder Männern zahlt, kann die geschlechtshierarchische Teilung der Erwerbsarbeit für das Kapital sogar nachteilig sein, da sie bedeutet – aufgrund gesellschaftlicher Stereotypen und klassenübergreifende Männerbündelei – im Zweifelsfall einen weniger qualifizierteren Mann einer qualifizierteren Frau vorzuziehen.

Auch feministische Politik im Produktionsbereich kann sich also nicht auf Beteiligung am Klassenkampf beschränken, sondern formuliert eigenständige Ziele, zu deren Durchsetzung es autonomer Organisierung und Kämpfe von Frauen innerhalb und außerhalb der Gewerkschaften; innerhalb und außerhalb politischer Organisationen, die auf die Überwindung des Kapitalismus zielen, bedarf.

b) Damit läßt sich vielleicht auch schon erahnen, daß ich dem letzten Halbsatz des ersten Zitates – „wir brauchen (mindestens) BEIDES!“ (die Beteiligung von Frauen am Klassenkampf und die ‚Kultivierung’ (systemcrash) „‚weibliche[r] qualitäten’ (wie im differenzfeminismus)“ – noch weniger zustimmen kann, als den ersten beiden Halbsätzen des Zitates.

Das, was in dieser und anderen Gesellschaften als männliche und weibliche Eigenschaften gilt, sind keine „Qualitäten“, sondern – teils gelebte, teils imaginäre – Zuschreibungen, mit denen die ideologischen Staatsapparate die jeweiligen Individuen zu mit ihren gesellschaftlichen Funktionen identifizierten Subjekten machen[3]. Diese Funktionen sind hierarchisch (zu einem erheblichen Teil: komplementär-hierarchisch) angeordnet – auch wenn nicht nur Differenzfeministinnen, sondern auch konservative CDU/CSU-PolitikerInnen und Konservative jedenfalls vieler Religionen die Wichtigkeit z.B. von Mütterlichkeit betonen.

Aber wichtig ist – aus nicht-konservativer Sicht – nicht die Mütterlichkeit, sondern – wenn die Gattung überleben soll –, daß geborene Kinder ernährt und erzogen werden; ob das Mütter, Väter oder Dritte machen, ist egal.

c) Daher möchte ich folgende Hypothese in Bezug auf das, was systemcrash ziemlich am Ende des zweiten – längeren – oben angeführten Zitates schreibt:

„die ‚korrekte’ [politische] bestrebung wäre also ‚gleichRANGIGKEIT’ oder ‚gleichWERTIGIGKEIT’ der geschlechter.“

formulieren:

Daß bestimmte gesellschaftlich notwendige Tätigkeiten bestimmten Gruppen – als deren vermeintlicher Neigung, natürlichen Qualifikation, Zuständigkeit (oder was auch immer) entsprechend – zugeordnet werden, hat nur Sinn, wenn den Individuen, die als Mitglieder dieser Gruppen angesehen werden, diese Tätigkeiten zwangsweise auferlegt werden soll. Wenn es dieses Zwanges bedarf, dann kann auch vermutet werden, daß es dabei immer auch um eine Hierarchisierung der Tätigkeiten und Gruppen geht – egal, wieviel warme Worte Konservative über den hohen Wert z.B. der „Mütterlichkeit“ verlieren.

Oder anders gesagt: Mir scheint wahrscheinlich, daß, wenn Differenzen zu Differenzen zwischen Gruppen vereinheitlicht werden, immer auch eine Wertung und Hierarchisierung im Spiel ist und daß also eine „Gleichrangigkeit“ fortbestehender Geschlechter genauso unmöglich ist, wie eine Gleichrangigkeit fortbestehender Klassen:

„Die Gleichheit des Bourgeois (Abschaffung der Klassenprivilegien) ist sehr verschieden von der des Proletariers (Abschaffung der Klassen selbst).“ (MEW 20, 581)

Analog möchte ich formulieren:

„Die Gleichheit der Männer und Differenzfeministinnen (die Abschaffung der UngleichRANGigkeit der Geschlechter) ist verschieden von der der revolutionären Feministinnen (Abschaffung der Geschlechter selbst).“

Oder wie es Shulamith Firestone schon 1970 in ihrem Buch The Dialectic of Sex and the Case of Feminist Revolution[4] ausdrückte:

„[...] genau wie am Ende einer sozialistischen Revolution nicht nur die Abschaffung der ökonomischen Klassenprivilegien, sondern die Aufhebung der Klassenunterschiede selbst steht, so muß die feministische Revolution, im Gegensatz zur ersten feministischen Bewegung [am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts], nicht einfach auf die Beseitigung der männlichen Privilegien, sondern der Geschlechtsunterschiede selbst zielen: genitale Unterschiede zwischen den Geschlechtern hätten dann keine gesellschaftliche Bedeutung mehr.“

c) Selbst wenn ich eine „‚gleichRANGIGKEIT’ oder ‚gleichWERTIGIGKEIT’“ (systemcrash) fortexistierender Geschlechter nicht für utopisch hielte, bliebe auf der Ebene der Individuen folgendes Problem: Den Individuen, die den verschiedenen Geschlechtern angehören oder als diesen angehörig angesehen werden[5] und von denen deshalb erwartet wird, daß sie diese oder jenen Tätigkeiten ausüben, diese oder jene Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen an den Tag legen, die sie aber u.U. gar nicht ausüben bzw. an den Tag legen wollen, ist mit der Beteuerung der ‚Gleichrangigkeit’ der Gruppen noch nicht im geringsten geholfen. Ihnen ist erst

– etwas – mit dem Verzicht auf die Annahme, eines männlichen und weiblichen ‚Wesens’, das sich in allen Angehörigen des jeweiligen Geschlechts möglichst stark zeigen solle,

– letztlich erst mit dem Verzicht auf die Annahme, daß die jeweiligen Geschlechtsangehörigen mehr verbinde als sich in (veränderbarer) gesellschaftlicher Praxis materialisiert,

- und mit dem Verzicht auf solche Zuschreibungen von Charaktereigenschaften, Verhaltensweisen und Zuständigkeiten sowie damit konsequenterweise auch auf Geschlechterbildungen überhaupt –

geholfen.

d) Des weiteren schreibt systemcrash:

„aus differenzfeministischer sicht (die mir eher liegt) ist der begriff ‚gleichberechtigung’ ohnehin fragwürdig. ‚gleiche rechte’ bedeuten nämlich noch lange nicht gleiche interessen, fähigkeiten, veranlagungen und/oder vorlieben.“

Nicht nur aus Sicht des Differenzfeminismus, der m.E. u.a. ein Symptom der tendenziellen Rechtsverschiebung des politischen Klima schon im Übergang von den 1970 zu den 1980er Jahren darstellt, ist der Begriff „Gleichberechtigung“ problematisch[6]. Entscheidend scheint mir aber vielmehr zu sein, ob mehr oder weniger als „Gleichberechtigung“ angestrebt wird; und diesbzgl. würde ich sagen: Der Differenzfeminismus strebt grosso modo weniger als Gleichberechtigung an; führt jedenfalls in seiner eigenen Logik zu weniger als Gleichberechtigung[7], während der revolutionäre Feminismus – sowohl der sozialistische als auch der radikale als auch dekonstruktivistische (wenn er nicht zum queeren verhunst wird) – mehr als Gleichberechtigung anstrebt und auch das theoretisch-konzeptionelle Potential dazu hat, dieses ‚Mehr’ zu erreichen. Dies zum einen.

Und zum anderen: „Veranlagungen“ würde ich gerne außen vor lassen, wenn es um Sozialtheorie geht; und bei den unterschiedlichen „interessen, fähigkeiten, […] und/oder vorlieben“ scheint mir wiederum die entscheidende Frage zu sein, ob diese auf der Ebene der Individuen verortet werden und zur freien Entfaltung kommen dürfen sollen oder ob sie Gruppen (hier: Geschlechtern) zugeschrieben werden.

e) Schließlich schreibt systemcrash:

„für mich ist es NICHT ‚emanzipatorisch’, wenn frauen soldatInnen oder bergarbeiterInnen werden können, GENAUSO WIE MÄNNER. sie dürfen gerne soldatIn oder bergarbeiterin werden, wenn sie es wollen; sie müssen dabei aber nicht ‚wie männer’ sein. wenn Lt. Jordan O’Neil im manöver sagt ‚lutsch meinen schw*’ dann zeigt das eben, dass sie sich nicht ‚als frau’ im männlich dominierten militärwesen durchsetzen kann, sondern nur, wenn sie ‚wie ein mann’ (zumindest) funktioniert. das hat für mich nichts erstrebenswertes!“

Ich möchte mal so zurückfragen: Ist es denn erstrebenswerter oder emanzipatorischer, wenn sich ein Mann (im Militär oder anderswo) „wie ein Mann“ durchsetzt?

Es ist doch eine Karikatur des Gleichheitsfeminismus zu sagen, dieser habe angestrebt, daß Frauen wie Männer werden – als hätte nicht auch der Gleichheitsfeminismus Kritik an Männer‚rollen’verhalten geübt.

Es ging und geht doch vielmehr zunächst einmal darum, daß es keine rechtlichen, moralischen Zugangshürden speziell für Frauen geben soll – und diese Forderung findet ja anscheinend auch systemcrash okay, auch wenn er es etwas gönnerhaft ausdrückt: „sie dürfen gerne soldatIn oder bergarbeiterin werden“.

Darüber hinaus war das Ziel oder die Hoffnung schon des Gleichheitsfeminismus, daß

  • wenn Männer ihre patriarchalen Herrschaftspraxen und Frauen ihre weiblichen Unterwerfungspraxen seinlassen;
  • wenn die o.g. Zugangshürden wegfallen und zusätzlich Quotierungsregeln eingeführt werden;
  • wenn Männer die Hälfte der Haus- und Erziehungsarbeit erledigen; wenn die Frauenlohndiskriminierung beseitigt wird;
  • wenn geschlechtsspezifische Erziehung und überhaupt Sozialisation überwunden werden etc. –

daß dann keine unterschiedlichen sozialen Geschlechter (engl. gender) mehr vorhanden sein werden.

Aber alldies würde ja weder bedeuten, daß Frauen dann so geworden sein werden, wie Männer im Patriarchat sind; noch daß dann Männer so geworden sein werden, wie Frauen im Patriarchat sind.

Und das kleine bißchen, daß der de-konstruktivistische Feminismus dann noch als Dreingabe gab, war aus dem Umstand, daß ‚Geschlecht’ (auch) biologisch eher ein Kontinuum als ein Dualismus ist[8], zu folgern, daß auch die sog. biologischen Geschlechter (engl. sexes) sozial produziert sind;

und damit eine stringere theoretische Grundlage für das zu entwickeln, was Monique Wittig schon auf vor-dekonstruktivistischer Grundlage postulierte:

„that the category ‚woman’ as well as the category ‚man’ are political and economic categories not eternal ones. Our fight aims to suppress men as a class, not through a genocidal, but a political struggle. Once the class ‚men’ disappears, ‚women’ as a class will disappear as well, for there are no slaves without masters.“[9]

„Sowohl der Kategorie ‚Frau’ als auch die Kategorie ‚Mann’ sind politische und ökonomische Kategorien, keine omnihistorischen. Unser Kampf zielt auch die Unterdrückung der Männer als Klasse – nicht mittels eines genozidalen, sondern mittels eines politischen Kampfes. Wenn die Klasse der Männer verschwindet, dann wird auch die Klasse der Frauen verschwinden, denn es gibt keine SklavInnen ohne HerrInnen.“ (meine Übersetzung)

Fortsetzung folgt.

Literatur:

Althusser 1969/70: Louis Althusser, Ideologie und Ideologische Staatsapparate (Anmerkungen für eine Untersuchung) [1969/70], in: ders., Ideologie und Ideologische Staatsapparate. Aufsätze zur marxistischen Theorie, Hamburg / Westberlin: VSA 1977, 108 - 153 = ders., Ideologie und ideologische Staatsapparate. 1. Halbband (Gesammelte Schriften hrsg. von Frieder Otto Wolf. Band 5), VSA: Hamburg, 2010, 37 ff. (im Internet unter: http://www.b-books.de/texteprojekte/althusser/index.html; engl. Fassung im internet unter: http://www.marx2mao.com/Other/LPOE70ii.html#s5).

Butler 1990: Judith Butler, Das Unbehagen der Geschlechter, Suhrkamp: Frankfurt am Main, 1991 (us-amerik. Originalausgabe: Routledge: New York, 1990).

Eichhorn 1994a: Cornelia Eichhorn, Zwischen Dekonstruktion und Identitätspolitik. Eine Kritik zur feministischen Debatte um Judith Butler, in: Die Beute. Politik und Verbrechen (Edition ID-Archiv: Amsterdam / Berlin), 1/1994, 40 - 43; im internet unter der Adresse: http://theoriealspraxis.blogsport.de/images/Eichhorn_Butler_Beute.pdf.

Eichhorn 1994b: dies., Im Dienste des Gemeinwohls. Frauenbewegung und Nationalstaat, in: Eichhorn/Grimm 1994, 77 - 91; im internet unter der Adresse: https://www.nadir.org/nadir/archiv/Feminismus/GenderKiller/gender_8.html.

Eichhorn/Grimm 1994: Cornelia Eichhorn / Sabine Grimm, Gender Killer. Texte zu Feminismus und Politik, Edition ID-Archiv: Berlin/Amsterdam, 19941, 19952; im internet unter der Adresse: https://www.nadir.org/nadir/archiv/Feminismus/GenderKiller/index.html.

Gildemeister/Wetter 1992: Regine Gildemeister / Angelika Wetter, Wie Geschlechter gemacht werden. Die soziale Konstruktion der Zweigeschlechtlichkeit und ihre Reifizierung in der Frauenforschung, in: Gudrun-Axeli Knapp / Angelika Wetterer (Hg.), Traditionen. Brüche. Entwicklungen feministischer Theorie, Kore: Freiburg i. Br., 1992, 201 - 254.

Hagel/Schuhmann 1994: Antje Hagel / Antje Schuhmann, Aufstieg und Fall der neuen Frauenbewegung, in: Eichhorn/Grimm 1994, 69 - 75; im internet unter der Adresse: https://www.nadir.org/nadir/archiv/Feminismus/GenderKiller/gender_7.html.

Haug 1999: Wolfgang Fritz Haug (Hg.), Historisch-kritisches Wörterbuch des Marxismus. Bd. 4, Argument: Hamburg, 1999.

Metz-Göckel 1999: Sigrid Metz-Göckel, Artikel „Feminismus“, Abschnitt II., in: Haug 1999, Sp. 299 - 305.

Nikell 1999: Eva Nikell, Artikel „Frauenbewegung“, Abschnitt „I. F[rauenbewegung] als Widerstandsbewegung“, in: W.F. Haug 1999, Sp. 842 - 849.

Wittig 1981: Monique Wittig, One is not born a woman [1981], in: Monique Wittig, The Straight Mind, Beacon Press: Boston, 1992, 9 - 20 (15); im internet: http://theoriealspraxis.blogsport.de/andere/monique-wittig-one-is-not-born-a-woman/.

 


[1] Geschlechterverhältnis und revolutionäre Organisierung. Ein Meinungsaustausch zwischen systemcrash und TaP; https://linksunten.indymedia.org/de/node/212106.

[3] Nach Althusser sind die Subjekte – entgegen der gängigen Vorstellung – nicht frei, autonom, Herren ihres eigenen Willens und ihrer Handlungen, sondern durch ideologische Anrufungen produziert (Althusser 1969/70, 140, 148: „Die Ideologie ruft die Individuen als Subjekte an.“ „Es gibt Subjekte nur durch und für ihre Unterwerfung.“; vgl. meine dortigen FN 241 - 243 auf S. 363). Die Ideologien sind ihrerseits nicht reines Bewußtsein, sondern sie materialisieren sich wiederum in den Ideologischen Staatsapparaten und deren Praxen (Althusser 1969/70, 137). Diese Praxen sind

„durch Rituale, in die sie sich einschreiben, innerhalb der materiellen Existenz eines ideologischen Apparates geregelt […] Auch wenn es sich nur um einen ganz kleinen Teil dieses Apparates handelt: ein kleiner Gottesdienst in einer kleinen Kirche, ein Tag in einer Schulklasse oder eine Versammlung oder Kundgebung einer politischen Partei usw.“ (Althusser 1969/70, 138 – Hv. i.O.)

Althusser kann sich deshalb

„[g]egen den Idealismus des Bewußtseins bzw. des Willens […] auf Pascal beziehen: Nicht der Glaube produziert das Niederknien und Beten, sondern – so Pascal: ‚Knie nieder, bewege die Lippen zum Gebet, und Du wirst glauben.‘“

In diesem Sinne sagt auch Butler, daß

„die Geschlechtsidentität ein Tun [ist], wenn auch nicht das Tun eines Subjekts, von dem sich sagen ließe, daß es der Tat vorangeht. […] ‚Täter‘ [… ist] also bloß eine Fiktion, die Tat dagegen alles […]. Akte, Gesten, artikulierte und inszenierte Begehren schaffen die Illusion eines inneren Organisationskerns der Geschlechteridentität (organizing gender core), […]. Da der Effekt der Geschlechtsidentität durch die Stilisierung des Körpers erzeugt wird, muß er als der mundane Weg verstanden werden, auf dem Körpergesten, die Bewegungen und die Stile unterschiedlicher Art die Illusion eines unvergänglichen, geschlechtlich bestimmten Selbst (gendered self) herstellen.“ (Butler 1990, 49, 200, 206 f. – Hv. i.O.).

[4] Shulamith Firestone, Frauenbefreiung und sexuelle Revolution, Fischer: Frankfurt am Main, 1975, 17 – Einfügung und Auslassung in eckigen Klammern von mir.

[5] Ich lasse hier den Biologismus-Dekonstruktivismus-Streit, ob Geschlechter (als Gruppen) biologische Realitäten sind, denen ‚nur’ dieses oder jenes zugeschrieben wird oder ob schon die Gruppenbildung selbst, die aus den vielfältigen individuellen biologischen Merkmalen (graduell stärkere oder geringere Körperbehaarung; graduell größere oder kleinere Brusterhebungen; keine Eizellenproduktion, trotz xx-Chromosomen; kein Penis trotz xy-Chromosomen; ...) zwei (oder auch mehrere) Geschlechter macht, schon ein zutiefst gesellschaftlicher Prozeß ist, außen vor.

[6] Zu ihrer Zeit [= zur Zeit von Hedwig Dohm (1831 - 1919)] galten Forderungen nach Gleichstellung von Frauen und Männern schon als radikal, während feministische Vorstellungen seit den 1970er Jahren über eine bloße Gleichstellung der Geschlechter hinausweisen und in dezidierter Parteilichkeit für Frauen eine ‚Umwertung der Werte’ und einen Umbau der Gesellschaft anstreben.“ (Metz-Göckel 1999, Sp. 299 – meine Hv.).

„Hielten etwa die Radikalen der ersten Frauenbewegung die sogenannte Frauenfrage in erster Linie für eine Rechtsfrage“ – von den gemäßigten insofern gar nicht erst zu reden –, „so traten in der neuen Frauenbewegung vor allem die strukturellen Bedingungen patriarchalischer Gewalt trotz formalrechtlicher Gleichstellung der Geschlechter in den Vordergrund der Aktionen und theoretischen Reflexionen.“ (Eichhorn 1994b, 86 – meine Hv.)

„Eine wichtige Grundlage für die Forderung nach Chancengleichheit wurde die 1948 in Paris verkündete Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen. Sie markierte den Endpunkt der älteren Emanzipationsphase und zeigte die Notwendigkeit, für eine vollständige gesellschaftliche und politische Alternative zum Patriarchat einzutreten.“ (Nikell 1899, 845; kursive Hv. i.O.; fette Hv. von mir)

[7] Vgl.

?    Hagel/Schuhmann 1994, 73: „Manche glaubten nun, Frauenidentität endlich selbst füllen zu können, weshalb Zuschreibungen qua Geschlecht plötzlich nicht mehr verdammenswert erschienen, sondern teilweise sogar gewünscht und produziert wurden. Damit bewegten sie sich auf einer Argumentationsebene, auf der Ungleichheiten festgeschrieben werden.

und

?    Eichhorn 1994a, 40: „Früh waren die Differenztheorien heftiger Kritik ausgesetzt. Zum einen, weil sie die biologistischen und kulturalistischen Zuschreibungen perpetuieren, die erst die Unterdrückung von Frauen absichern. Zum anderen, weil die von ihnen postulierte weibliche Andersheit als selbst universelle Kategorie die Unterschiede zwischen Frauen zum Verschwinden bringt.“

[8]Biologie und Physiologie […] treffen eine weitaus weniger trennscharfe und weniger weitreichende Klassifizierung als manche Sozialwissenschaft (und das Alltagsbewußtsein) und entwerfen ein sehr viel differenzierteres Bild des scheinbar so wohlumrissenen binären biologischen Geschlechts. ‚Weibliches und männliches Geschlecht (sex) […] werden nicht mehr als zwei entgegengesetzte, einander ausschließende Kategorien verstanden, sondern vielmehr als Kontinuum, bestehend aus dem genetischen Geschlecht, dem Keimdrüsengeschlecht und dem Hormongeschlecht‘ […], wobei die verschiedenen Faktoren, die zur Bestimmung des biologischen Geschlechts herangezogen werden können, weder notwendigerweise miteinander übereinstimmen müssen, noch in ihrer Wirkungsweise unabhängig von der jeweiligen Umwelt sind […].“ (Gildemeister/Wetterer 1992, 209 – meine Hv.).



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