Folgt man Günter Meisinger...

25.11.12
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von Klaus Horn

...dann besitzt die Zivilisation schon wieder ein...'Jahrhundertwerk'.
Diesmal nicht wegen des Einsteinschen E=mc², auch nicht dem der Französischen Revolution und auch nicht jenem, des 8.Mai 1945 nach Vorangegangenem, mit einem Verdun, bis hin zu Stalingrad. Das mit und nach Hiroshima wartet noch auf ein Jahrhundertwerk.

Nein, es ist ein Literarisches. Etwa nach der Bibel für die Christen oder das „Manifest der Kommunistischen Partei“ für alle Kommunisten? Das bleibt nach dem Lesen zu- nächst verborgen. Das Werk kommt aus Kuba, wurde von Padura geschrieben, trägt den Titel „Der Mann der Hunde liebte“, wurde vom Unionsverlag Schweiz für 14,95 € herausgegeben und was das Wichtigste ist, es ist ein Roman über Trotzki.

Man kann davon ausgehen, dass ich mir das Jahrhundertwerk beschaffen werde. Dafür gibt es Gründe.

Einer dafür ist der Inhalt von Günter Meisingers Buchbesprechung. Nacheinander erfährt man – ich fasse mich kurz – dass zeitweilig auch Padura, wie sein Sohn, Gejagte in Kubas Castro waren; es folgen Episoden über den sich bereits außerhalb der Sowjet- union befindenden und gejagten Trotzki, die Ermordung seiner beiden Söhne durch Stalins Geheimdienst, die Erwähnung der Moskauer Prozesse 1937; der spanische Kommunist und Mörder Trotzkis, Mercader (er lebte nach seiner Freilassung in Mexiko bis zu seinem Tode 1977 in Kuba oder der Sowjetunion...?); eine Feststellung über das Abschlachten der spanischen Revolution ab 1936 durch Stalin; Majakowski wird bemüht; Trotzkis Affaire mit einer Frida; sein Manifest, sein Tod durch den Schlag mit der Eispickel; die Beisetzung mit einer halben Million Anteilnehmender...

Und dann zieht Günter Meisinger sein Fazit: Das Jahrhundertwerk ist ein Schlag gegen den Stalinismus, die MLPD und DKP; eigentlich könnte ein Gramsci gleich mit dem Eispickel losmachen gegen die Castros und...schließlich dann die Frage aller Fragen: Wird es ein ideologisches Tauwetter geben,...zumal Reste vom Stalinismus sich noch im Trotzkismus aufhalten. Pause. Ich halte mich zurück.

Summa summarum ein paar Anmerkungen.

Der deutsche Kleinbürger oder Michel ist durch die Jahrhunderte zu einem Begriff  geworden (siehe ganz kurz einiges von K.Horn am 14.10. zur Linksdebatte ab „Los geht´s“). Selbiger würde sich wie in nicht nur Wilhelm Busch Bilderserien bei dieser Blutspur in seine Kissen vergraben und flüstern: „Nie wieder Kommunismus!“ oder etwas Ähnliches. Denn zwischen vor, sowie nach 1917 und dem Tod Trotzkis 1940 gab es nur das Beschriebene. Anderes nicht. Kategorisch!

Der mit einer dicken Zigarre und seine vielfältigen Ableger in Politik, Wirtschaft, Banken, Justiz, beim Militär und sonst wo, inklusive die Vereinnahmer in der brüsselschen EU, meint wohlgefällig nach dem Lesen (wenn überhaupt): „Gut so, Jungs, macht weiter so!“

Zum ideologischen Tauwetter. Gerade über Leo sind in der letzten Zeit bedeutend mehr als eine Biographie erschienen. Die Anzahl der Vereine, die sich um ein Erbe bemühen ist hoch. Auch in „scharf-links“ erschien von RIO – einem der Vereine - am 03.10. unter „Marxismus in der Krise“, auch sich berufend auf die Fraktion FT-CI, eine Vorstellung, wie es besser gehen soll: „Errichtung eines Arbeiterinnen-Halbstaates, der Diktatur des Proletariats, Räte, sowjetische Strategie...“ Spricht doch für sich. Oder etwa nicht?

Leo Bronsteins interessantes Leben begann aber weit vor dem Jahre 1925 mit den dann einsetzenden Folgen für ihn. Und bis dahin war er nicht nur ein Verfechter der und was nach der Oktoberrevolution geschah, sondern auch ein bedingungsloser und harter Kämpfer gegen alles, was nur andeutungsweise wie Weiß aussah. Zeugen sind u.a. sein Vorgehen gegen die Matrosen von Kronstadt und die „nationale Kriegsführung gegen Polen“!. Beides hatte sehr negative Folgen für die weitere Entwicklung in der sich gründenden Sowjetunion.

Wohl kaum will man diesen Trotzki. Und wird man ihn dafür loben?

Noch sichtbarer wird das Ziel oder Anliegen, indem ein Gramsci ohne eine Erklärung erwähnt wird bis auf, er könne auch mit der Eispickel auf die Castros losgehen...Gramsci war ein italienischer Kommunist. Auch er taucht immer öfter auf, wenn es darum geht: Was tun? Die Eroberung der Macht sah er, indem man Abstriche und Kompromisse machen müsse, um Allianzen zu suchen und einen historischen Block zu gründen gegen das Kapital mit einem Marxismus, der dann längst die religiösen Bedürfnisse des Menschen gedeckt hätte.

Man solle sich nichts vormachen. Die sozialistische Idee erlitt mit dem Niedergang des sozialistischen Lagers eine empfindliche Niederlage. Auf diese Weise funktionierte sie nicht! Seitdem versucht man sich vielerorts um eine eigentliche, begründete oder neue Darstellung des Sozialismus. Dabei sind durchaus Versuche wie im Roman „Der Mann der Hunde liebte“, oder RIO's Ausweg aus der Krise des Marxismus oder Gramscis Gedanken ernst zu nehmen und nicht abzukanzeln! Es lauert aber ständig die Gefahr, dass ihre Interpretationen gegen sie selbst benutzt werden können. Der Kapitalismus ist eben auch sehr pfiffig!

In der Realität können sich aber diese Versuche letztendlich nicht ernsthaft gegen das Fortbestehen des enorm nach dem Ende des kalten Krieges stärker gewordenen Kapitalismus richten. Ein Kirchenführer vor kurzem befragt, was man gegen Ihn unternehmen müsse, antwortete kurz: „Vergessen sie bitte nicht, dass besonders zwei Eigenschaften den Menschen prägen: Die Gier und der Egoismus. Damit haben wir es bei der Ausübung unserer Religion seit über 2000 Jahren zu tun“. Ähnliches hatte auch 1932 Freud dem Einstein mit der Machtfrage geantwortet auf dessen Frage „Warum Krieg?

Es bleibt somit nichts anderes übrig, als sich um eine für den so genannten „einfachen“ Bürger erklärende, die Angst nehmende und begreifende Antwort zu bemühen: Was ist das, der Sozialismus. Zumal der von der DIE LINKE. vertretene demokratische Sozialismus ernsthafte Schwierigkeiten hat, selbst in ihren eigenen Reihen begriffen zu werden. Und dabei wird sich sein Blick zwangsläufig richten auf „Übriggebliebenes“ in China, Vietnam, Venezuela, Kuba sowie auf das Tun von linken Parteien.

Und was Letztere betrifft, komme man erneut zurück auf den Schwur der Schweizer Eidgenossen in Schillers Tell: „Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern.“ Die Eidgenossen waren diesbezüglich nicht nur damals gegen die Habsburger viel weiter als die Linken heute, soweit es sie weltweit oder in der EU, im Europaparlament, in ´Bund, Ländern und Gemeinden´...sichtbar links gibt.

Ein solidarischer Gruß
Klaus Horn   
       

P.S.:
Wie weit DIE LINKE. nach Göttingen vorangekommen ist, zeigt uns, wie die Linkspartei ihre Spitzenkandidaten 2013 zunächst zur Zeit im „Hotel am Walde“ des thüringischen Elgersburg sucht. Ost und West, Dame und Herr, die oder der, wer passt zu wem...spielen wieder eine herausragende Rolle! Da bleibt die Antwort auf die Frage „Was ist das, der Sozialismus?“ unbeantwortet. Oder erneut: „Das ist er auch wieder nicht!“ (DIE WELT berichtete über das vorliegende Nichtergebnis am 24.11. mit einem Beitrag vom 23.11.

"Traurig, was die Linke macht":
www.fr-online.de/politik/linkspartei---traurig--was-die-linke-macht-,1472596,15418378.html

 

 

 


VON: KLAUS HORN


Antwort auf Klaus Horn - 29-11-12 17:52
EIN JAHRHUNDERTWERK AUS KUBA: DER TROTZKI-ROMAN VON PADURA - 23-11-12 20:16




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