Saartire: Weinreserven aus dem dreißigjährigen Krieg an der oberen Saar geborgen

21.09.08
SaarlandSaarland, News 

 

Jahrhunderte alte Weine in der Krypta der Pfarrkirche Sankt Donner und Doria eingelagert - Bürgermeister Edgar Lump spricht von einer Begegnung der dritten Art

Von Claude Michael Jung

Als im Jahre 1618 der dreißigjährige Krieg ausbrach brachte das an der Saar und ihren Nebenflüssen lebende, weise Volk seine gesamten Fassweinreserven in der Krypta der Wallfahrtskirche Sankt Donner und Doria zu Großhumpendorf an der oberen Saar in Sicherheit. Zwar predigte der Bernhardinermönch Emerald damals vehement gegen die Saufgelage und Orgien seiner Christenherde, jedoch den marodierenden Heeren der Warlords missgönnte der Weihwasserexperte den Vollrausch mittels der süffigen Saarweine ebenfalls.

Nachdem die Evakuierung nach rund einem halben Jahr abgeschlossen war, verschloss der Mönch Emerald die schwere Eingangstür zur Krypta, warf den Schlüssel zum damals größten Weinkeller der Welt in den großen Strom der Saarländer und bat den Herrn, dass der Schlüssel zum Vollrausch niemals wieder aufgefunden wird. Danach mauerte der abstinent dahinvegetierende Kuttenträger auch noch die Tür zum Himmel der Weinseligen mit geweihtem Quadersteinen zu und ließ das Gerücht verbreiten, das Luzifer jedem der es wagen würde das Gewölbe zu betreten, die Sinne auf ewig verwirren würde.

Dem Obermessdiener Jens, einem Neffen des Großhumpendorfer Dorfchronisten, Studienrat Ernst Nonsens, ist die Wiederentdeckung der fast 400 Jahre alten Weine zu verdanken. Jens, dem Pastor Friedensreich Selighauer bei Androhung einer ordentlichen Tracht Prügel verboten hatte, jemals wieder hinter dem Hochaltar zu kiffen und der deswegen seinen Joint auf der Treppe zur Krypta rauchen wollte, war eine stark torkelnde und rülpsende Kirchenmaus aufgefallen. Den tierischen Vorfall meldete der pflichtbewusste Obermessdiener auf der Stelle dem gestrengen Gemeindehirten und handelte sich als Dank Gottes sieben gehörige Ohrfeigen ein, sodass Jens die Engel im Himmel singen hören konnte.

Trotzdem leitete Pastor Selighauer unverzüglich eine Ringfahndung nach der alkoholisierten Kirchenmaus ein. Sogar Dorfkater Baldrian nahm, wenn auch erfolglos, an der Fahndungsaktion teil. Erst nach rund einer Woche fand Pastor Selighauer das veilchenblaue Untier schnarchend neben seinen Hostienvorräten liegend und nahm den alkoholisierten Nager in Gewahrsam. Ausgenüchtert und mausgerecht mit Käse und Speck ernährt, führte die trunksüchtige Maus Pastor Selighauer schließlich in Gegenwart des gesamten Gemeinderats zu einem kleinen Loch in der Wand im Kellergewölbe der Wallfahrtskirche Sankt Donner und Doria.

Kompetenzträger wie Brandmeister Rohrbruch und Oberstleutnante a.D. Wilfried von Bockschuss waren rasch mit schwerem Abbruchgerät zur Stelle, um dem Geheimnis der blauen Maus auf die Spur zu kommen. Zum Glück verzichtete der Großhumpendorfer Gemeinderat auf den Einsatz von Sprengstoff, wie ihn Oberstleutnante a.D. Wilfried von Bockschuss wiederholt vorgeschlagen hatte ?Dies hätte unter Umständen die eingelagerten Weinfässer beschädigt und zur größten Weinsintflut aller Zeiten führen gekonnt?, so Kommunechef Edgar Lump, der sich bei Brandmeister Rohrbruch für die Bereitstellung und den geschickten Einsatz der schweren Brecheisen bedankte.

Es war wie die Öffnung eines Pharaonengrabes. Was fehlte war lediglich die Mumie eines saarländischen Ramses oder Tut-Ench-Amuns. Auch kein Tempelritter des uralten Geschlechts der Schlendriane, die eins die obere Saar beherrschten und den pfälzer Heiden die saarländische Lebensart einbläuten, wurde neben den unzähligen Weinfässern gefunden. Ebenso hielt sich der Schaden, den die versoffene Kirchenmaus angerichtet hatte in Grenzen. Das Tier erlebte seine tägliche Verklärung durch ein langsam, aber stetig tropfendes Rieslingfass, dessen Inhalt nach einer Analyse durch den Großhumpendorfer Arzt, Schauspieler und Bergsteiger Dr. Hubert Engerling, jedoch noch immer ein Hochgenuss für den gehobenen Weintrinker ist.

Derzeit ist die Weinanalyse in der Krypta der Wallfahrtskirche Sankt Donner und Doria noch im vollen Gang. Dr. Hubert Engerling hat ein Feldlazarett zur Ausnüchterung und zum Auspumpen, der in Mitleidenschaft gezogenen Mägen der Analysten, im Innenraum der mittelalterlichen Kirche errichtet und die tollen Puppen des Großhumpendorfer Jungfrauenvereins zu fürsorglichen Krankenschwestern und Trösterinnen in der Not verpflichtet. Wie es heißt soll Weingott Bacchus dem Gemeinderat erschienen sein und tatkräftig an der Analyse der erlesenen Weine für Spitzentrinker teilnehmen.

Wie die Pressestelle des Großhumpendorfer Rathauses meldet, wird das Volumen des unverhofften Weinfundes auf circa 125 000 Liter Spitzenweine und rund 80 000 Liter gewöhnlichen Deliriumsbeschleuniger geschätzt. Nach Darstellung von Renate Schlüpfher, Pressesprecherin der uralten Tempelritterkommune und Bürgermeister Edgar Lumps liebender Ehefrau Elfriede, rechnet die Gemeinde in den kommenden Wochen nicht mehr damit, dass der Gemeinderat seine Arbeit an der langen Theke von Ännchens Kneipe am Dorfbrunnen aufnehmen kann. Elfriede (La Rabiata) Lump hofft inständig darauf, dass sich der Fluch des Bernhardinermönchs Emerald von 1648, wonach denjenigen die Sinne auf ewig verwirrt werden würden, die es jemals wagen, die Ruhe der Bacchus-Krypta zu stören, nicht in Erfüllung geht.

Unterdessen verdichten sich Gerüchte, wonach die Entdeckerin des größten Weinschatzes der Weltgeschichte, die veilchenblaue Kirchenmaus, zur Ehrenbürgerin der autonomen Saargemeinde Großhumpendorf erklärt werden soll. Dies verkündete Bürgermeister Edgar Lump, der laut einem Bulletin des Großhumpendorfer Arztes, Schauspieler und Bergsteigers Dr. Hubert Engerling, zeitweise das Bewusstsein wiedererlangt hat. Kein Gerücht ist es dagegen dass Obermessdiener Jens wegen seiner Kifferei in der Pfarrkirche Sankt Donner und Doria, im elterlichen Hause nicht begnadigt wurde. Jens wurde der Arsch versohlt, trotz, oder gerade wegen seiner Halluzination von der veilchenblauen Kirchenmaus.

 







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