392. Saarbrücker Montagsdemo gegen die Hartz-Gesetze am 04.11.2013

05.11.13
SaarlandSaarland, Bewegungen, News 

 

von S. Fricker  

Mit Stoppuhr und Pfeife für's Messen der Redezeit ausgestattet, die Kapuzen über den Kopf gezogen wegen des Regens, - und alles in allem ziemlich gut drauf war die heutige Montagsdemo. Jedenfalls blieben etliche der etwas spärlichen Passanten stehen und einer meinte am offenen Mikrofon: „Das finde ich wirklich vorbildlich, was Ihr da macht“.

Engagierte Beiträge gab's von einer Vertreterin von „Cattenom, no! merci“; von einem Mann, der als Gehandicapter von der Ausbeutung in einer Behindertenwerkstatt erzählte; von einer alten Dame, die ihrer Vermutung Ausdruck verlieh, sie würde bald ebenso als Terroristin gelten wie viele Leute in Ländern, in denen um die Befreiung von Besatzung und Unterdrückung gekämpft wird; von einer anderen, die sich um ihre Stimme bei der Bundestagswahl betrogen sah angesichts der Großen Koalition in spe; von einem Mann, der sich die krisenhafte Wirtschaft u.a. mit dem Hauen und Stechen zwischen Konzernen in verschiedenen Regionen der BRD zu erklären versuchte; von einer Frau, die die Arbeitslosenstatistik „sprechen“ ließ – längst nicht so viele offene Stellen gibt es wie Arbeitssuchende, entgegen der diffus gestreuten sogenannten „öffentlichen Meinung“, die in Wirklichkeit die Öffentlichkeit täuscht; von einer Frau, die die brisante Situation in der Bretagne publik machte, wo zig-Tausende Leute mit den „roten Mützen der Revolution“ gegen die Arbeitsplatzvernichtung v.a. bei den Schlachthöfen und gegen Steuererhöhungen auf die Straße gehen; von einem ganz jungen Mann, der sich für die Pöbeleien schämte und entschuldigte, die ein paar seiner Altersgenossen gegen die Montagsdemo richteten.

Im Mittelpunkt standen heute einmal mehr die Herausforderungen des Umweltkampfes in Verbindung mit denen in der sozialen Frage.

„Es ist eine Lüge, dass die erneuerbaren Energien teuer seien, so teuer, dass man Atomkraft und Fracking und die Verbrennung fossiler Energieträger zur Entlastung der Verbraucher in Kauf nehmen müsste. Sonnen- und Windenergie schenkt uns die Natur ohne die giftigen und zerstörerischen Hinterlassenschaften – dagegen muss z.B. Kohle mühsam aus der Erde gebuddelt werden, transportiert werden usw. Warum werden eigentlich Solaranlagen nicht staatlich organisiert auf alle geeigneten Dächer angebracht und dann Kosten und Nutzen auf alle Bürger umgelegt? Sehr schnell wäre der Strom billiger. Dafür müsste ein Saat eigentlich da sein und das einzige Hindernis sind die Machtverhältnisse.“

„Man nennt das heute Umweltpolitik, wenn ab dem neuen Jahr die Staubsauger gedrosselt werden sollen, das ist ja reine Satire“.

„Es sind die gleichen Politiker, welche uns Armut verordnen, die gewissenlos die Wünsche der Umweltverbrecher umsetzen. Und die GRÜNEN sind einfach fix und fertig mit dem Umweltkampf. Dieser GRÜNE Klaus Kessler, in der Jamaika-Koalition Bildungsminister, ist ja nicht arbeitslos geworden nach dem Verlust seines Ministeramtes, nicht mal sein alter Job als hochdotierter Studiendirektor war ihm genug. Er hat sich von der Ministerpräsidentin sage und schreibe ein Amt mit Gehaltsstufe „B3“ übertragen lassen und wurde als Stabsleiter zuständig für das Verfassen des Armutsberichtes(!) - bis er jetzt wieder in den Landtag nachrückt, nachdem seine Kollegin Simone Peter jetzt in Berlin die GRÜNEN anführt. Ist das nicht erbärmlich? Und wir stehen hier als Arbeiter, Angestellte, Kleinunternehmer und Hartz-IV-Betroffene und es sind auch Leute bei der Montagsdemo dabei, die nicht einmal das bekommen, die leben als Ex-Höll-Arbeiterinnen von der Hand in den Mund und sind ausschließlich auf Spenden angewiesen. Und dennoch lassen wir uns nicht auf einen Deal ein, der den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen irgendwelchen windigen Versprechungen von bezahlbarer Energie opfert. “

Wir müssen uns immer wieder klarmachen: Wir Bürger sind die Stärkste der Parteien, das ist viel wichtiger als jetzt enttäuscht zu sein über irgendwelche Wahlergebnisse“, mahnte eine Rednerin.

Und eine andere hielt das Schlusswort frei nach Erich Kästner:

„Was immer geschieht: Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.“

Hier noch der Aufruf zu wichtigen umweltpolitischen Aktionen:

Am kommenden Mittwoch abend / 06.11. ist im Cafe Jederman ein Vorbereitungstreffen für den 16. November. An dem 16.11. ist bei der Thalia-Buchhandlung in Saarbrücken eine Protestaktion anlässlich des Weltklimagipfels in Warschau am selben Wochenende – im Rahmen des internationalen ICOR-Umwelt-Kampftages beteiligen sich verschieden Gruppen daran in Saarbrücken.

Am 30.11. ist eine bundesweite Großdemonstration in Berlin gegen Atomkraft, Fracking und Kohleverbrennung. Von Saarbrücken fährt ein Bus ab Merzig. In Saarbrücken geh's los um 21:30 am 29.11. Die Kosten betragen 45.-€ für die Fahrt. Näheres bitte auf der homepage www.cattenom-non-merci.de nachschauen.

Und die nächste Montagsdemo ist dann am 02.12. - pünktlich 18:00 Uhr bei der Europa-Galerie!

www.montagsdemo-saar.de


VON: S. FRICKER






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