487. Saarbrücker Montagsdemo gegen die Hartz-Gesetze am 06.09.2021

06.09.21
SaarlandSaarland, Bewegungen, News 

 

Von S. Fricker

Zur Kandidatenbefragung hatte die heutige Montagsdemo 12 von 15 Parteien eingeladen, die im Saarland zur Bundestagswahl antreten (die Saarbrücker Zeitung ignorierte übrigens einmal mehr die entsprechende Pressemeldung) – zusätzlich den Einzelkandidaten von Bündnis 90/ die GRÜNEN. Faschistische Organisationen und Coronaleugner jedoch aus Prinzip nicht. Es gab 3 Absagen von SPD, VOLT und Die PARTEI aus unterschiedlichen Gründen. CDU, FDP, Bündnis 90/die GRÜNEN etwa reagierten gar nicht auf die Einladung – „das spricht Bände über deren Haltung zu den Leuten mit Hartz IV“, hiess es.

Zugesagt hatten die Kandidierenden der Internationalistischen Liste / MLPD.

Wer nun enttäuscht mit einer eher langweiligen Kundgebung rechnete, irrte sich. Passantinnen und Passanten nutzten die Gelegenheit ebenso wie die MontagsdemonstriererInnen zu einer sehr gründlichen und tiefgehenden Debatte.


Weil die meisten Menschen die meilenweite Abgehobenheit der Politiker von den sogenannten kleinen Leuten dermaßen satt haben, war ein Kernpunkt die Frage nach dem Lebensstil etwa des Direktkandidaten Rolf Tickert und nach seiner Verbundenheit mit dem Leben und den Kämpfen der ArbeiterInnen, der Arbeitslosen usw.

„Ich bin Rentner, habe bisher als Chirurg gearbeitet. Ich lebe mitten in Malstatt in einer Mietwohnung – nicht irgendwo in einer schicken Villa, und ich war noch nie mit dem Flieger in der Südsee. Wie alle Kandidierenden unserer Liste behalte ich keinen Cent aus meiner politischen Arbeit persönlich, keine Privilegien. Seit 40 Jahren engagiere ich mich für die Arbeiterbewegung, weil ich erkannt habe, dass es kein schöneres und reicheres Leben gibt als sich für eine befreite Gesellschaft, ich nenne das Sozialismus, einzusetzen“.

Auf die etwas skeptische Nachfrage, ob man einem Arzt so was echt glauben könne, verbürgten sich eine ganze Reihe Montagsdemonstrierer für Rolf Tickert: „Ich mache seit 20 Monaten etwa bei der Montagsdemo mit, und konnte prüfen, wie bescheiden und kompetent der Mann ist. Also – ich hab‘ ihn schon gewählt.“ „Wir brauchen solche Leute, die nicht nur dem Wort nach, sondern auch in ihrem ganzen Verhalten an der Seite der Ausgebeuteten stehen – und immer da sind, wenn man sie braucht.“

Interessant war auch, dass der Wahlkampf dieser Liste auf Tiefgang achtet. Ein anderer Kandidat, Dieter Schwang, empfahl ein brandaktuelles Buch zur ‚Krise der bürgerlichen Ideologie‘ – „weil wir heute Durchblick und einen inneren Kompass brauchen gegen diesen ganzen herrschenden Egoismus, zu dem wir verleitet werden und gegen den Antikommunismus, der den Blick darauf verstellt, dass es eine Ideologie der Befreiung braucht.“

„Warum überhaupt wählen gehen?“ „Kann man eine linke Partei wählen, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird“? waren weitere Fragen. „Weil das Wahlrecht hart erkämpft wurde und ein wichtiges Recht bedeutet, das man nicht wegwerfen darf, auch wenn Gesetze und Verordnungen wie ‚abgestufte Chancengleichheit‘ beim Plakatieren usw. uns das Leben nicht grade leicht machen, mal ganz abgesehen von den Medien, für die wir nicht existieren. Zum Verfassungsschutz: „Der wurde nach der Hitler-Diktatur mit Vertretern eben dieser Diktatur aufgebaut und ist bis heute sehr aktiv gegen alle fortschrittlichen Organisationen – dagegen blind auf dem rechten Auge, da ist es geradezu ein Gütesiegel, vom Verfassungsschutz beobachtet zu werden. Aber Spass beiseite – dieser Inlandsgeheimdienst muss aufgelöst werden.“


Viele weitere Beiträge zum Streik der Lokführer, zu den Renten, zur Kriegsministerin Kramp-Karrenbauer wurden gehalten, selbstbewusste Frauen, Migranten, ältere Leute ergriffen das Wort am offenen Mikro.

Einer brachte es auf dem Punkt: „Was mir Angst macht, ist das komplette Unvermögen der regierenden Berliner Parteien, diese ganze Wucht der gesellschaftlichen Krisen, zu lösen, da wird herum gemanagt, die Krisen kleingeredet und wenn Olaf Scholz auf alles immer eine Antwort weiss: im Untersuchungsausschuss zu Wirecard kann er sich auch bei der 40. Nachfrage an nichts erinnern. Zeit, umzudenken und anders zu wählen“.

Die 488. Saarbrücker Montagsdemo findet statt am 04. Oktober, 18:00, dann wieder als Demo.

Und: Für die Nachbesprechung haben wir endlich wieder einen Raum, im Nauwieser Viertel. Wie schön!

Die Vorbesprechung soll sein am Mittwoch, den 29.09., 13:00, wenn alle einverstanden sind.







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