„Brot statt Böller" Appell einstellen. Lustfeindlichkeit und schlechtes Gewissen helfen nicht gegen Hunger

27.12.07
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Kann denn Feiern Sünde sein?

Die „Aktion 3.Welt Saar" (A3WS) fordert Hilfsorganisationen auf, den Appell ‚Brot statt Böller’ einzustellen. „Der Aufruf trägt eine gehörige Portion Lustfeindlichkeit zur Schau. Mit seinem Appell an das schlechte Gewissen richtet er zudem politischen Flurschaden an", so Roland Röder, Geschäftsführer der „Aktion 3.Welt Saar". Der damit unterstellte Zusammenhang zwischen dem Sylvesterfeuerwerk sowie Hunger und Armut in der Welt ist beliebig gewählt und existiert nicht. Genauso gut könnte man dazu aufrufen, keine Weihnachtsbäume, Kühlschränke und Bücher zu kaufen oder Fußball-Hallenturniere ausfallen zu lassen. „Der Einsatz für Gerechtigkeit und Solidarität führt ins Leere, wenn er mit einer Leidensmine und dem moralischen Zeigefinger einher geht", so Röder. Zum Wesen des Menschen gehört in allen Kulturen das Feiern, der Rausch, die Verausgabung – für manche eben auch die Freude am Sylvesterfeuerwerk.

Der Aufruf „Brot statt Böller" ist ungeeignet, um den Spendenrückgang bei Hilfsorganisationen aufzufangen. Dass Menschen hungern, obwohl genügend Nahrungsmittel vorhanden sind, liegt an der Verteilung und an der Verwendung von Nahrungsmitteln als Viehfutter. Denn Hunger ist kein Schicksal, sondern wird gemacht.

Um Hunger zu bekämpfen ist eine andere Agrarpolitik nötig, die dem Leitbild der Ernährungssouveränität folgt. Dazu gehört vor allem die Abkehr von der viel gepriesenen Liberalisierung des Welthandels und von der Vorrangpolitik für Gentechnik. Häufig werden in Ländern der so genannten 3.Welt auf besten Böden Futtermittel für die Industrieländer angebaut. Neuerdings beansprucht dort der Anbau „nachwachsender Rohstoffe" für den Bio-Boom in Europa Land zum Anbau von Nahrungsmitteln. So werden für die Anlage von Palmölplantagen in Indonesien großflächig Regenwald gerodet und Menschen vertrieben. Das Palmöl wird in Palmölkraftwerken in Europa verbrannt. Umgekehrt sorgen subventionierte Agrarexporte aus Europa - vor allem Milch und Fleisch –dafür, dass Märkte in der 3.Welt zusammenbrechen. Die EU-Subventionen für Agrarexporte und der Zwang zur Öffnung der Agrarmärkte vernichten in der 3. Welt jeden Tag Existenzen und sorgen dafür, dass Menschen verhungern. Ein Problem ist auch die von Industrieländern betriebene Biopiraterie, indem sie genetische Ressourcen der südlichen Länder in Besitz nehmen und gewinnbringend als Patente verkaufen. Heute werden weltweit genügend Nahrungsmittel produziert, so dass niemand hungern müsste. Weitere Informationen: Aktion 3.Welt Saar, Weiskirchener Str. 24, 66679 Losheim am See, Tel 06872 / 9930-56, www.a3wsaar.de , E-Mail: a3wsaar@t-online.de







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