Saartire: Öko-Fischstäbchen kommen bald aus der Saar


Die Saar bald Biosphärenreservat für Fischstäbchen? Foto: SaarKurier

06.02.08
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Der bunte Wolgabarsch soll's möglich machen

Von Claude Michael Jung

Orthodox denkende Saarländer waren schon immer dafür. Jetzt sind auch Ökos, Sozis und Linke dafür. Es geht um die Produktion von Delikatessen im Saarland. Auch um die weitere Überfischung der Weltmeere zu stoppen, vor allem aber um in Zukunft unabhängig von Fischimporten aus Drittstaaten zu werden, soll jetzt die Saar zwischen der ostfranzösischen Stadt Saargemünd bis hinunter zur Saarschleife zum Biosphärenreservat für Fischstäbchen und Fischfrikadellen (für Berliner -Fischbouletten)erklärt werden.

In einem, in anglerlatein verfassten Memorandum haben führende Fluss-Ökologen aus der Linken und den Grünen im Saarland gefordert, den bunten Wolgabarsch schleunigst in der Saar anzusiedeln, um das Delikatessenangebot an den Fischtheken des Landes weiter zu erhöhen. Bedenkenträger, die in dem Russenfisch, mit dem roten Stern auf der Stirn, einen gefährlichen Feind und Nahrungskonkurrenten für die heimischen Fischarten, wie den Revolverkarpfen und den schwarzen Bückling sehen, konnten bereits im Vorfeld der Debatte, beruhigt werden. Bei dem bunten Wolgabarsch handelt es sich um einen reinen Vegetarier.

Beobachtungen saarländischer Angler zufolge, die zu Studienzwecken an die Wolga gereist waren, sei der bunte Wolgabarsch überaus nützlich und in der Lage, sich bereits in kurzer Zeit der saarländischen Mentalität anzupassen. Zumeist in den Nachstunden kommen die Wolgabarsche aus dem Flussbett um die Uferzonen abzuweiden und zu säubern, berichten die Angler.

Dietmar Fickes, er ist Mitglied der Landesarbeitsgemeinschaft „LAG Öko-Fischerei und Anglerwesen" bei der Partei DIE LINKE Saar, ist von den heu und grasfressenden Wolgabarschen ebenfalls hellauf begeistert. Eine kleine Population dieser Süßwasservegetarier hat er bereits in seinem Gartenteich angesiedelt und verbringt fast seine gesamte Freizeit mit den Freunden aus Russland. „Sie wedeln sogar mit dem Schwanz, wenn sie mich kommen sehen", sagt Dietmar Fickes.

Nach einer Mitteilung des saarländischen Fischereiministeriums ist der bunte Wolgabarsch ein wohlschmeckender Tausendsassa, der als Fischstäbchen, mit ein wenig Maggiwürze und mit Bratkartoffeln und Flaschenbier gereicht, jeden Gourmet um den Verstand bringt.

Im Saar Fischereiministerium ist man ebenfalls der Überzeugung, dass eine Ansiedlung des schwimmenden Vegetariers aus der Wolga im großen Strom der Saarländer, sich positiv auf den Familientourismus auswirkt. Nach Planungen des Fischereiministeriums sollen in einer ersten Phase über 120 Fütterungsstationen entlang der Saar entstehen, an denen die Touristen die schuppigen Neusaarländer mit Kopfsalat, Möhrchen, Radieschen und Würfelzucker, den Lieblingsspeisen der Wolgabarsche, abfüttern können.

Scheitern könnte das geplante Biosphärenreservat für Fischstäbchen an der Saar allerdings noch an der EU. Dort streiten Amtsschimmel und Paragraphenreiter jetzt darum, ob Öko-Fischstäbchen aus der Saar eine eigene EU Norm benötigen, oder um die bisherige Fischstäbchennorm auch für Fisch aus der Saar Gültigkeit hat. Passionierte EU-Angler wollen zunächst 15 Tonnen des bunten Wolgabarschs in einem Aquarium vor der Brüsseler Behörde in einer Langzeitstudie beobachten und spätestens am Sankt Nimmerleinstag entscheiden, ob und unter welchen Vorraussetzungen Fischstäbchen aus der Saar auf den EU Binnenmarkt gelangen können.

Ein bekannter EU-Paragraphenabstauber aus Bayern hat unterdessen erste generelle Bedenken gegen eine Ansiedlung des bunten Wolgabarschs in EU Gewässern geäußert. „Die Fische heben bereits zur Sowjetzeit in der Wolga gelebt und da ist es unvermeidlich, dass noch etwas von ihrer alten Gesinnung in ihnen weiterlebt. In die Isar, oder den Starnberger See kommen die Rotkopferten jedenfalls nicht", so Europas Paragraphenangler Nummer Eins.

Au, den 6. Februar 2008







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