Leserbrief von Manfred Bartl zum Artikel "Partei DIE LINKE: Betrachtungen eines Desillusionierten" von Jürgen Noffz.

12.11.09
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Deine Analyse ist im Kern richtig, doch übersiehst Du zwei Dinge:

1. Der Etablierungsdruck kommt nicht allein aus der Partei oder dem Parteiensystem an sich heraus, sondern geht auch vom Wähler aus, weniger vom "linken" Wähler als speziell vom sozialdemokratischen Wähler. Da die SPD - als Sozialdemokratie - dezeit politischen Selbstmord betreibt und viele Wähler zur LINKEN abwandern, erwarten sie durchaus eher sozialdemokratische Alternativen als umstürzlerische neue Konzepte.

2. Der Coup mit dem Mindestlohnantrag im Bundestag, der auf einem Text der SPD beruhte, welcher im Rahmen einer Unterschriftenaktion verfasst worden ist, war zweifellos toll. Respekt! Ansonsten aber fehlt die Phantasie offenbar. Nachdem die GRÜNEN es abgelehnt hatten, sich zur Grundeinkommenspartei zu machen, hätte die LINKE s-o-f-o-r-t zu schlagen müssen! Man muss das Grundeinkommen ja gar nicht als politisches Ziel begreifen! Es reicht völlig, wenn man es als Mittel zum Zweck der Vermittlung eigener sozialistischer Konzepte ins Spiel bringen kann: Die Wirtschaft ist für den Menschen da, nicht umgekehrt! Jeder Mensch hat als Mitglied der Gesellschaft ein Anrecht auf volle Teilhabe an dieser Gesellschaft und dazu MUSS man Wirtschaftssubjekt sein! Dann - und nur dann - ist man in der Diskussion Grundeinkommen vs. Grundsicherung DRIN und steht nicht als "ewiggestriger Sozialist, der die Niederlage seines Systems noch nicht verkraftet hat" draußen vor der Tür! Wie sagte schon Francois de La Rochefoucauld im 17. Jahrhundert: "In der Politik sollte man weniger versuchen, neue Gelegenheiten zu schaffen, als die sich bietenden zu nutzen."



Partei DIE LINKE: Betrachtungen eines Desillusionierten - 11-11-09 18:57




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