Leserbrief von Franz Witsch: 'Kleine Anmerkung'

21.05.08
LeserbriefeLeserbriefe 

 

Liebe RedakteurInnen,

verfolge tatsächlich immer noch das, was man eine "linke" Debatte nennt, ohne davon überzeugt zu sein, dass es eine solche überhaupt gibt.

Denn diese zielt nirgends auf gesellschaftliche Erneuerung. Ein Indiz dafür unter vielen anderen ist, dass links-wohlmeinde Kritiker die schöne Hoffnung auf einen sozialstrukturellen Wandel innerhalb der "neuen" Partei "Die Linke" nicht aufgeben wollen. Ein solcher ist genauso wenig zu erwarten wie in der SPD, CDU oder den Grünen.

Menschen, die sich in alteingesessenen Strukturen wie der LINKEN engagieren, sind zur Unbeweglichkeit verdammt noch da, wo sie mit ihren Bewegungen nur dem Augenschein nach etwas bewegen (können in den Herzen der Repräsentanten). Sie sind und bleiben unter der Hand, ohne es zu wollen, den Besitzstandsinteressen alteingessener politischer (Partei-)Strukturen verhaftet. 

Innerhalb dieser Parteien oder in zu großer Nähe zu ihnen sind
wir nicht in der Lage, das Besitzstandsdenken frontal und realitätswirksam anzugehen (den Beweis liefert die SPD seit 140 Jahren, die Grünen seit 20 Jahren; und heute will der linke Gutmensch mit den LINKEN einmal mehr ausprobieren, was passieren wird, wenn man sie beschreit).
Besitzstandshandeln und -denken spielt unter LINKEN eine genauso große Rolle wie in anderen Parteien - sichtbar gerade in Zeiten exorbitanten Sozialabbaus.

Man kann einen Parteimenschen nur außerhalb seiner Partei ansprechen und unter Druck setzen. Alles andere ist politische Arbeit für den Papierkorb, nicht realitätswirksam innerhalb der Partei, geschweigen denn in die Gesellschaft hinein. Nur außerhalb von zu alten Parteistrukturen sind neue und alternative (Organisations-)Strukturen möglich, vorausgesetzt, sie wachsen von unten (im sozialen Nahbereich) und gehen mit einer entsprechenden Theorie schwanger, die ebenso aus dem sozialen Nahbereich wachsen muss. Alles andere läuft immer nur auf Gejammer und Geschrei hinaus, das sich an den "da oben" mit der impliziten Aufforderung richtet, doch bitte mal zu einem besseren Menschen zu werden. Die handeln gnadenlos im eigenen Interesse, daher systemaffirmativ, weit weg davon, was im Sinne einer sozialverträglichen Ökonomie notwendig ist.

Herzlichen Gruß

Franz Witsch, Hamburg


VON: FRANZ WITSCH






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