Leserbrief von Rainer Schäfchen

02.02.09
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Liebe Redaktionäre,

Eure angesprochenen Probleme der Linken beschäftigen mich schon seit einigen Jahren und ich habe große Teile davon ausgearbeitet und ins Web gestellt - ich bin dabei das Ganze zu überarbeiten.

Es ist dabei ein Fachjargon entstanden: die "Linken Rituale", bei den Abstimmungen (sie nennen es "Demokratie") die Sieger und die Verlierer ... die sich denn auch wie solche verhalten (die Sieger sind immer diesselben Cleveren), die Plenen als Redearenen, die endlosen hohlen Statements immer wieder von vorne, die latenten Selbstdarsteller, die Irritationen und Imponderabilien etc.

Den Kreis der Linkspartei habe ich erweitert: Es sind ALLE soziale Initiativen und die Kämpfe sind ALLE gleich, auch gleich gemein, gehen auch alle gleich bis in die intimsten persönlichen Bindungen (das Ausgrenzen bei Meinungsverschiedenheiten als Racheakt).

Auch die Ursachen habe ich gefunden in der Abrichtung der bürgerlichen Erziehung des Jeder-gegen-Jeden plus der Errungenschaften der Neuzeit wie das lethargische Konsumverhalten, das phosporüberaktive Adhoc, die Konzentrationsmängel, die Karrieresucht (als Versuch im System noch etwas an Wohlstand zu bewahren, freilich auf Kosten der Gemeinschaft), das Einschnappen, das plötzliche Umschlagen von Lethargie in nervösen hohlen Überaktionismus.

Im Orts-/Kreisverband sind die "Linken Rituale" bereits überdeutlich, sie werden bereits von den Beteiligten schon nicht mehr selbstreflektiert, die Selbstreflektion ist bereits zerstört. "Gewählt" wird nicht nach Eignung - das würde Sensibilität und Intelligenz erfordern -, sondern nach Gefühlsmatsch - also nach Beliebtheit ... wobei sich die Beliebtesten gleich ihr eigenes Stimmvieh mitbringen.

In den "Plenen" hört keiner mehr dem anderen zu, sondern wartet, bis er selber drankommt. Dann freilich nimmt er ein vermeintliches Reizwort des Vorredners auf. Keiner hat am Sozi = Mitmensch Interesse, keiner würde sich die Mühe machen, sogar der Rede des Anderen nachvollziehend zuzuhören und Fehler/Fehlendes nachliefern, also konstruktiv zu sein. Jede neue Intention oder Idee wird sogleich mit überhäufender Killerkritik gleich im Ansatz vereitelt ... was das niedrige Niveau zur Folge hat. Und: Sie merken es nicht!!! Auch wenn es noch so hart wird, sie merken es einfach nicht! Es ist unfaßbar!

Bei Vorstandwahlen wissen weder die Kandidaten noch die "Wähler", welche Aufgaben der Vorstand hat und was dazu im Unterschied die eigentliche Mitgliedstätigkeit (vulgärdeutsch: Basis) ausmacht. Oft werden die Aufgaben nach der "Wahl" verteilt: "Wir brauchen noch jemand, der die Öffentlichkeitsarbeit macht! Wer?", "Was muß man denn da machen?", "Ach, Presse, die Pressemitteilungen, machst Du das?" (So wird jeder gefragt, der interessiert gefragt hat!). Der Schatzmeister "macht" die Kasse und "berichtet", "Wir ham 3.431,12 Euro auf dem Konto - davon sind noch 1577,-- Euro an den LV abzuführen.", man kann noch nicht einmal eine Saldenliste der Konten erwarten (in der Software Menü "Berichte") ... der Rest des Vorstandes - obgleich er die Geschäfte nach innen und außen zu führen hat - interessiert sich dafür denn ja auch nicht. Würde man die Aufgaben des Vorstandes auf diese reduzieren, so fühlten sich die Vorstandsmitglieder eingeengt ... wie meine Anfragen ergeben haben (Thiess Gleiss, ich schätze ihn sehr, aber hier liegt er im bürgerlichen Mainstream.). Sie meinen also, die Wahl zum Vorstand würde zu mehr als die Aktivitäten des Vorstandes berechtigen.

Das höchste Organ, die Mitglieder-MV oder -HV bedeutet Vorständen in der Regel nur die Aufmerksamkeit zur ihrer Wahl, das wär's dann. Gebunden fühlen sie sich an das höchste Organ Mitglieder überhaupt nicht! Die Mitglieder danken dies zur MV und HV, indem sie sich durch permanent dummes Gequatsche selbst entmündigen! Das ist der biedere Alltag einer Partei, der sozialen Initiativen, ganz schlimm in manchen Erwerbsloseninitiativen ... insbesondere DGB-Gewerkschaften (letztere machen Tagessitzungen!).

Wer aktiv sein will, läßt sich in den Vorstand wählen, weil man so "richtig aktiv" nur im Vorstand sein kann(!?!). Worim? Na, weil der die "Macht" hat, was ins Rollen zu bringen, was sonst? Die Mitglieder können auch teilnehmen: Stand, Flugies vom Landesverband einwerfen, bei "Wahl"-Veranstaltungen Raum besorgen und Stühle rücken.

Teilvorstandssitzungen finden auch auf offener Straße hinterherlaufend statt, auch gerne bei persönlichen Treffen in Cafès. Das Parteibüro (ohne kostenpflichtigen Getränkezwang und optimaler Arbeitsumgebung) wird für fast überhaupt nicht genutzt!!!

Hat jemand innerparteiliche Diskussion gesagt? Bewußtseinsarbeit? Bildungsarbeit?

Nö! Das tun DIE sich nich' an! Du hast sie ja wohl nicht mehr alle!

Kipping und "Fraktionsspitze" haben sich nun ihren Ernst-Hartz zurechtgelegt. Dazu brauchen die keine Mitglieder, das machen die "so". Wer fragt, liegt schon falsch.

Ja, was ist "Links"? Das möchte ich mal wissen. Wenn manfrau blöd genug ist, so wie ich, dann fragt man. Huuuuh! Es lohnt nicht das Anhören ... es ist unvorstellbar substanzlos (nicht -arm), ich nenne diese Partei "bewußtlos" - es gibt da nichts, was soll das sein? Warum sollen die Wähler die wählen? Keine Ahnung! Wegen irgendeines "Gerechtigkeitsfimmels" und es wird dann "Gerecht" oder "Sozial" oder was? Wie in Berlin oder Mecklenburg-Vorpommern?

Ich würde es ehrlich finden, wenn wir sie als Jobmaschine sähen. Wir wählen dann wie im Lotto den Gewinn Jackpot den Gewinn Superbezahltenjob. Es könnte vereinbart werden, daß sich die Gewinner später noch an uns erinnern.

Das wäre mein Vorschlag zur Güte.

Friendly
Rainer Schäfchen
aus dem ach so mittelmäßigen Gießen


VON: RAINER SCHÄFCHEN






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