Leserbrief von Erika S. zum Thema HartzIV - Sanktionen

09.09.09
LeserbriefeLeserbriefe 

 

Und sowas nennt sich deutscher Sozialstaat!! Jetzt bin ich seit über 4 Jahren arbeitslos, lebe seit 2007 von HartzIV unverschuldeterweise...Ich wurde aufgefordert eine kleinere Wohnung zu suchen, mir stehen 45qm bis zu einem Mietpreis von 225€ kalt zu! Das habe ich auch versucht und natürlich nichts gefunden, ich wohne in einer 71qm Wohnung zu 423 € Warmmiete. Mein Geld wurde deshalb um 80€ gekürzt deshalb, ich habe dagegen geklagt und was kam jetzt dabei raus. Der Richter Herr B. hat entschieden: Ich bin verpflichtet in ein 18qm Kämmerlein zu ziehen und das mit meinen 51 Jahren, dabei kostet so ein Zimmerchen vielleicht im Endeffekt 50€ weniger als meine 3-Zi-Wohnung.

Einen Umzug bekomme ich nicht bezahlt, die Sicherheitsleistung für die Wohnungsbaugesellschaft wird mir versagt, kann also auch nicht auf die Liste für eine Tauschwohnung kommen. Auch eine Renovierung wird mir nicht bezahlt. Es heisst nur immer nein das bezahlen wir nicht !!
Also bleibe ich eben in meiner "viel zu großen Wohnung" mit weniger Geld als mir eigentlich zusteht!

Ich werde auf Kurse geschickt die kein Mensch braucht, wo man den ganzen Tag rumsitzt und sich die Zeit im Internet vertreibt oder man lernt wie man sich schminken muss für das Vorstellungsgespräch. Das ist doch wohl ein Witz, nur damit man aus der Statistik rausfällt...!!

Seit 3 Jahren versuche ich einen Kurs zu bekommen den ich brauche für meinen Job als Bürokauffrau, und zwar Buchhaltung, SAP und englisch. Das bekomme ich nicht bezahlt!! Es gab es einen Kurs mit SAP, da ich aber schon in AlgII war, habe ich den nicht bekommen, mit Alg I hätte ich den SAP-Kurs belegen können!!
Jobvorschläge vom Jobcenter Reutlingen habe ich in den 4 Jahren meiner Arbeitslosigkeit vielleicht 8 Stück bekommen, die dann nicht einmal in Frage kamen für mich oder schon belegt waren!!

Ich habe mich geweigert einen Kurs zu machen, 3 Monate jeden Tag, wieder mal mit Bewerbungstraining und wie man sich kleidet usw...also lauter Dinge die ich sowieso kann, Fahrgeld hätte ich noch 23€ bezahlen müssen im Monat. Was ich nicht habe.

Nachdem ich diese Maßnahme abgelehnt habe bekam ich eine Kürzung meiner Leistung um 30 %. Dann habe ich noch 620 € zum leben, das heisst: nach Abzug meiner Kosten wie Strom, Heizung, Wasser, Internet und Telefon blieben mir im Monat noch 25 € zum überleben...

Das Jobcenter erkannte meine Begründung nicht an, in der ich geschrieben hatte, dass ich einen solchen Kurs schon besucht habe (was mich aber nicht weiterbrachte) und dass ich das Fahrgeld nicht gezahlt bekomme.
Sie schreiben, eine Monatskarte (sie kostet 41,90€) würde ich ja auch privat nutzen.
Ein Witz, ich kann mir gar keine Monatskarte leisten, also wie und von welchem Geld soll ich die Fahrtkosten bestreiten?
Aber anstatt dass sie mir einen Kurs (Buchhaltung oder SAP) bezahlen den ich auch wirklich brauche, nein, den bekomm ich als Alg II-Empfänger nicht bezahlt, sowas wird nur einem Alg I - Empfänger angeboten!
Übrigens, in anderen Städten sind die Jobcenter wohl etwas menschenfreundlicher, meine Freundin hat mit ihren 58 Jahren sofort einen SAP-Kurs bekommen!
In Reutlingen bekommt man wohl als 51-jährige Frau und nach 4-jähriger Arbeitslosigkeit keine Chance mehr, im Gegenteil man wird vom Jobcenter regelrecht fertiggemacht... 



Leserbrief von Astrid S. zum Leserbrief von Erika S. und zur Erfahrung mit ARGEn - 10-09-09 10:19
Hartz IV: Sanktionsparagraphen aussetzen oder streichen? - 01-09-09 23:03




<< Zurck
Diese Webseite verwendet keine Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz