Leserbrief: Der Schmerz der Opfer in Kolumbien darf nicht politisch instrumentalisiert werden - von keiner Seite

04.02.08
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Ein interessanter Artikel, da er wirklich nicht nur eine Seite des Konfliktes anspricht und dazu auffordert sich der Verantwortung zu stellen. Einige Dinge sollten darueber aber nicht vergessen werden:

- die kolumbianische Regierung hat in der Amtsperiode von Praesident Pastrana sehr viele Zugestaendnisse an die FARC gemacht. Ein Gebiet von der Groesse der Schweiz wurde insgesamt geraeumt. Ergebnis dieser "Sicherheitszone":
- die FARC haben die Zeit der Gespraeche fuer den Waffenschmuggel in diese sicher Zone genutzt
- die FARC haben ihre finanzielle Basis, insbesondere den "Besteuerung" (wie es so schoen ausgedrueckt wird) des Drogenanbaus und die Erpressung von Loesegeld (das nennt man dann "Revolutionssteuer") massiv ausgebaut
- ausserdem wurde das blinde Vertrauen europaeischer Regierungen und "humanitaerer" Gruppen ausgenutzt um ganz offen und unverbluemt Geld (z.B. auch in Deutschland) zu sammeln - offiziell fuer Krankenhaeuser und soziale Projekte. ... seltsam nur, dass davon nie etwas in der Zone ankam ... jedenfalls nicht fuer Krankenhaeuser und Schulen - hoechstens Schulen in denen man lernt mit Kalaschnikovs umzugehen

Als aus diesem sicheren Hafen heraus dann in verstaerktem Mass Uebergriffe auf die Bevoelkerung erfolgten schritt die Regierung ein. Ich kann Praesident Uribe sehr gut verstehen, wenn er Null Vertrauen in eine Verhandlung mit den FARC hat:
- sie sind notorische Luegner
- sie verfolgen nur noch an der Oberflaeche das urspruengliche Ziel einer Agrarreform. Wer Millarden mit Drogen macht ... will der wirklich an die politische Macht kommen ... sich mit der leidigen Demokratie und andersdenkenden rumschlagen und sein ganzes "hart verdientes" Geld an arme Bauern geben ... die Chance hat die FARC jetzt bereits und macht es nicht.

Die Taten der Paramilitaers und der Armee duerfen darueber keinesfalls vergessen werden und in einer nationalen Loesung des Konflikts ist die Bearbeitung dieses Themas unheimlich wichtig - und von so aehnlicher Tragweite, wie die Aufarbeitung der SED und Stasi-Geschichte in Deutschland nach dem Mauerfall.
Ein viel entscheidenderes Thema von internationaler Tragweite ist ein ganz anderes und vielleicht sollte das viel eingehender studiert werden. Die FARC mit ihrer angeblich revolutionaeren Vision werden von einem populistischen Praesidenten in Venezuela fuer seine eigenen Ziele miss- oder gebraucht. In diesem Zusammenhang ist Chavez derjenige der den Schmerz der Opfer politisch instrumentalisiert. Er versucht unter dem Deckmantel humanitaerer Aktionen den Konflikt mit Kolumbien weiter anzustacheln. Sein Fernziel ist ein "bolivarianisches" Grosskolumbien ... natuerlich mit Hauptstadt Caracas. Die Problematik der (abnehmenden: auch Dank Uribe!) Gewalt in Kolumbien ist das wichtigste aktuelle Thema - langfristig duerfte die groesste Gefahr in der Region aber vom Kriegs- Konflikttreiber Chavez ausgehen.

Ich wuerde mich freuen, weiter ueber Kolumbien und Lateinamerika bei Euch zu lesen ... ihr koennt auch gerne etwas neutraler sein und muesst nicht ganz so weit in die linke Ecke ruecken! ;-)

Jorge. 


VON: JORGE VASQUEZ






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