Leserbrief zu: ’Glauben’ heute: nach 500 Jahren Luther und fast 200 Jahren Marx

01.06.17
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zu: ’Glauben’ heute: nach 500 Jahren Luther und fast 200 Jahren Marx(http://www.scharf-links.de/48.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=60906&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=4721ae9a65)

A.Holberg

Der Autor  schreibt u.a. "Religion  ist das Opium für das Volk"  und scheint damt K.Marx zu  zitieren. Dieser aber hat nicht umsonst geschrieben  "Religion ist das Opium des Volkes".  Wenngleich es keinen Zweifel daran geben kann, dass Religion wie jede andere Weltanschauung/Ideologie auch von interessierten Kräften gezielt zur Manipulation der Massen eingesetzt werden kann und stets auch wurde,  ist dieser Unterschied bedeutend. Marxens Anschauung gemäß erzeugt und nutzt "das Volk"  die Religion selbst, um mit dem Jammertal, in dem es  -  oder  richtiger: wir alle - leben, emotional fertig zu werden. Da Marx nun in aller erster Linie an gesellschftlichen Problemen  und deren (revolutionären)  Lösungen interessiert war,  hat er die Meinung vertreten, dass sich die Religion gewissermaße von selbst erledigen werde, sobald die gesellschaftlichen Bedingungen derart seien, dass sie nicht mehr zu ihrer "Vergoldung" notwendig sei. Entgegen der Religionskritik der bürgerlichen Aufklärung ging er über die Ersetzung der "goldenen Ketten"(der  Religon) durch eiserne Ketten hinaus und  trat für die Abschaffung aller Ketten ein. Mir scheint aber, dass  auch das eine verkürzte Sicht auf das Problem ist. Zunächst einmal sei festgehalten, dass es keinen Sinn macht, die Religion als solche mit Mittel der wissenchaftlichen Ratio bekämpfen zu wollen. Wissenschaft und Religion befinden sich auf völlig verschiedenen Daseinsebenen. Deshalb sind alle Versuche, "religiöse Wahrheiten" rational beweisen zu wollen, gescheitert und habe notwendigerweise nur dazu beigetragen, den  Zweifel  zu verstärken. Ebenowenig aber haben "wissenchaftliche" Versuche, die Religion zu widerlegen, bei den Gläubigen viel gefruchtet. Und es ist auch mehr als unwahrschinlich, dass die Einführung des "wahren Kommunismus" daran Grundlegendes ändern würde,  denn würden auch viele Quellen des gesellshaftlich bedingten Unglücks versiegen,  so blieben doch genügend ganz individuelle bestehen. Immer noch würde es Krankheit, Tod, Verlassensein etc. etc. geben, auch wenn die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beendet würde. Und für die psychische Bewältigung diesen Jammers werden  "die" Menschen wohl immer nach einem Rettungsanker Ausschau halten, der gerade deshalb die Religion - egal welche - wäre, weil diese eben nicht wissenschaftlich beweisbar aber  eben darum auch nicht widerlegbar ist. Ebenso wenig wie  man die Existenz         "Gottes" beweisen kann, kann man seine "Nichtexisenz" beweisen. Genau das macht in Verbindung mit der psychischen Not die Religion ewig. Marxisten sollten sich dehalb nicht  mit der "Kritik" der Religion als solcher beschäftigen, sondern mit deren konkreter Ausformung und ihren  gesellschaftlichen Folgen.



’Glauben’ heute: nach 500 Jahren Luther und fast 200 Jahren Marx - 31-05-17 20:52




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