Leserbrief von A. Holberg

06.01.19
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Der Autor schreibt zusammenfassend: "Diese rassistischen Mordversuche durch einen „wirren Einzeltäters“ zu deuten, verschleiert die gesellschaftspolitischen Hintergründe der Taten, bei der es nur durch Zufall gab es keine Toten gab. Der von Neonazis, AfD und ihren bürgerlichen Stichwortgebern geschürte Rassismus, der nach der Faktenlage der „Mitte-Studien“ von einer Vielzahl von Normalbürgern geteilt wird, gerät durch die Pathologisierung der Mordanschläge nicht in den öffentlichen Fokus. Hass gegen Geflüchtete oder pauschal gegen alles Nichtdeutsche wird systematisch ausgeblendet und darf weiterhin Bestandteil der politischen Kultur der BRD bleiben."

Natürlich gibt es einen Zusammenhang zwischen einer generellen gesellschaftlichen "Stimmung" und den Taten Einzelner. Das heißt aber nicht, dass man die (angesichts noch fehlender näherer Infornation) Wahrscheinlichkeit leugnen muss, dass die "rassistischen" Verbrechen in Bottrop und Esssen das Werk eines psychopathischen Einzeltäters war. Es ist offensichtlich eine "rassistische" und nicht eine "pauschal gegen Nichtddeutsche" gerichtete Tat. Nichts lässt vermuten, dass der Mann in eine z.B. als Niederländer oder Dänen zu erkennende Menschengruppe gefahren wäre. Wahrscheinlich wäre er nicht einmal in eine Gruppe saudischer Prinzen gefahren, wenn die die Mehrzahl der in der BRD lebenden Araber/Muslime stellen würden. Zur Erinnerung: Anfang des 20.Jahrhunderts waren Türken in Berlin wirklich "in". Ihre begrenzte Zahl, die z.B. zwecks Berufsausbildung ins Kaiserreich kamen, rekrutierte sich vornehmlich aus türkischen "Mittelschichtlern" und nicht aus anatolischzen Bauern (s. Gültekin Emre: "300 Jahre Türken an der Spree", Ararat Verlag, Berlin 1983). Um zu wissen, dass der Täter ein Psychopath ist, braucht man auch keine professionelle Untersuchung. Diese Tat nutzt überschaubar keiner aktuellen politischen Agenda. Der Täter drückt mit ihr "nur" Emotionen aus, die ihm - wegen der als sicher zu erwartenden Haftstrafe - nachhaltig schaden werden. Man sollte sich unter diesen Umständen in der Tat nicht wundern, wenn erwiesen würde, dass der Täter eben nicht Teil organisierten Rechtsextremismus ist und dass sich dessen Organisationen auch nicht zu ihm bekennen werden. Hier gibt es offensichtlich z.B. einen Unterschied zu Taten des islamistischen Terrorismus. Während hier - jedenfalls im "Haus des Krierges" (Dar el-harb = die nicht muslimische Welt) zunehmend pschopathische Einzeltäter Massaker begehen, reklamiert der "Islamiscze Staat" diese nachträglich für sich - zweifellos, weil er in einer sozialen Umgebung arbeitet, in der er davon ausgehen kann, dass solche Taten seinem Ansehen dienen. Das ist hierzulande, was offen rassistischwe Verbrechen betrifft, offenbar (noch) nicht er Fall soweit es um die vom Autor a<ngeführten "Normalbürger" und selbst organisierte Rechtsextremisten/Nazis geht.



Rassistische Mordanschläge in der Silvesternacht: Die Konstruktion des „wirren Einzeltäters“ - 02-01-19 20:52




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