Neuerscheinung: BURG WALDECK CD-BOX

29.04.08
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Trotz IEST - den Internationalen Essener Songtagen 1968 -, trotz Festivals in Tübingen, Freiburg, Ingelheim, Mainz und anderswo - kein Festival in der alten Bundesrepublik hat je eine solche Wirkung gehabt wie sechs Veranstaltungen oberhalb einer kleinen Burgruine nahe der Mosel. Auf der Burg Waldeck im Hunsrück wurden zwischen 1964 und 1969 nicht nur alte deutsche demokratische Liedtraditionen aus ihrem Schattendasein gerissen. Die Festivals wurden auch zur Wiege eines neuen deutschen Liedes. 


"Für einen kleinen Augenblick war das deutschsprachige politische Lied zu einer kulturellen Erscheinung von erheblicher Breitenwirkung geworden", schrieb Holger Böning zum 40. Jahrestag des ersten Waldeck-Festival im Juni 2004 im 'Freitag'. In den Liedern der ersten drei Festivals bis 1966 war bereits "eine leise, oft noch verklausulierte Gesellschaftskritik zu vernehmen - erste seismographische Vorboten von 1968." 

Bear Family Records veröffentlicht nun erstmalig (09.05.2008) und exklusiv eine 10-CD-Dokumentation mit Buch von Livemitschnitten aller Festivals auf der Burg Waldeck, über 15 Stunden bislang zum größten Teil unveröffentlichte Musik von mehr als 80 nationalen und internationalen Interpretinnen und Interpreten - von Franz Josef Degenhardt bis Reinhard Mey, von Odetta bis Phil Ochs, von Walter Moßmann bis Hannes Wader, von Lin Jaldati bis Perry Friedman, von Peter Rohland bis Hein & Oss Kröher, von Hedy West bis Guy Carawan, von Xhol Caravan bis zu Floh de Cologne, von Christof Stählin bis Schobert & Black, von Colin Wilkie & Shirley Hart bis Fausto Amodei, von Dieter Süverkrüp bis Rolf Schwendter, und Erich Fried. 

Als Bonustracks gibt es Interviewausschnitte sowie einen Auszug von der legendären Diskussion beim 1968er Festival als die Parole "Stellt die Gitarren in die Ecke und diskutiert" Festivalpublikum wie Künstlerinnen und Künstler spaltete und den Einfluß der Studentenbewegung auf das Festival zum Ausdruck brachte. 

Das umfangreiche Begleitbuch enthält neben zahlreichen Fotos einen Text zur Geschichte der Festivals von Michael Kleff, Erinnerungen und Anmerkungen einiger der damaligen Veranstalter, sowie vieler Musikerinnen und Musiker. 

Aber von vorne, bzw. in die unterschiedlichen Kontextebenen: 

"Die 68er", das klingt heute im "Jubiläumsjahr" leider oft wie ein Schimpfwort, so ist das mit Schubladenetiketten die man bekommt, nicht sich selbst gegeben hat. 

Kriegsende, Wirtschaftswunder-Aufschwung der 50er Jahre, politische Konsolidierung, Stabilität und neu erlangte Souveränität, alles lief eigentlich scheinbar problemlos voran. Man war zufrieden mit sich selbst und der Entwicklung, wollte keine Experimente, es ging uns gut: Deutschland frisst und trinkt sich Fett, glotzt kitschige Heimatfilme und frönt meist tumben Liedern. Man fliegt zum Mond, Farbfernsehen kommt, Babyboom, die Industrie brummt, man hat die rosa Brille auf. 

Aber "68" und Entstehung der APO (Außerparlamentarische Opposition) fing viel früher an: Die 60er Jahre waren durchweg unruhig, eine Dekade des Umbruchs und des Umdenkens, aber wo wären wir heute ohne dieses oft beschimpfte Jahrzehnt... 

Parallel zu Kubakrise, Kaltem Krieg, Vietnamkrieg, den französischen Atombombentests, Mauerbau und geteiltes Deutschland, Spiegel-Affäre, amerikanische Bürgerrechtsbewegung, Auschwitz-Prozess, Hochschulreformen, Notstandsgesetzen, Ablösung Adenauers durch Ludwig Erhard als Kanzler, Studentenunruhen, dem Tod von Benno Ohnesorg, dem Attentat auf Rudi Dutschke, Frankfurter Kaufhausanschlag, Prager Frühling, Woodstock, usw. entstand etwas. 

Man wollte viel mehr wissen, interessierte sich wieder für Politik, die Dinge wurden hinterfragt, Tabus gebrochen, man war an den Wahrheiten und der Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit und Auseinandersetzungen darüber interessiert, lehnte sich gegen Autoritäten und die unglaubwürdig gewordenen Institutionen auf, "das Establishment" war die Nr. 1 der Reizworte. 

Auch musikalisch entstanden neue Ufer, man probierte sich aus, war neugierig auf der Suche nach neuen Stilen, beginnt aber auch durch die Nazizeit vereinnahmte Volkslieder wieder neu zu bewerten und entstauben. 
Die Rock & Roll-Welle der 50er Jahre aus den USA ist abgeflaut und bürgerlich geworden, es rollt eine neue, wilde und pure Musik aus England an: Rock und Beat. The Who und The Rolling Stones entfachen einen Flächenbrand - "(Talking `bout) My Generation" und "I can`t get no satisfaction..." heißen die Lösungen. 

In den USA grassieren Folk, Flower Power und der Summer Of Love. Jeans und Lederjacke und aufgetragene Klamotten sind populär, es wird bunt und flippig, der Minirock kommt - die Haare werden zwar länger, aber der Verstand allen Sprüchen zum Trotz nicht kürzer... 

Die in Deutschland entstehenden progressiven Musikszenen sind von Folklore, Chanson, Bänkel- & Bardenliedern, Klassik, amerikanischen Polit-Protestsongs von Pete Seeger bis Bob Dylan geprägt. Die Popmusik der Beatles, Schlager, Schnulzen und Deutscher Jazz sind verpönt, eher spielt das in den 50er Jahren auf dem Zenit stehende politische Wort- und Gesangskabarett eine Rolle, ist vielleicht sogar schon das vorgebaute Nestgerüst des politischen Liedes und des neuen deutschen Chanson. 

Und genau hier setzt die vorliegende Burg Waldeck-Dokumentation an.

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