Experiment mit Widerhaken – Kultur gegen Rechts in der Neunkircher Reithalle

09.05.08
TopNewsTopNews, Antifaschismus, Kultur, Saarland 

 

Applaus von Jung und Alt - Experiment gelungen - Wiederholung nicht ausgeschlossen.

Neunkirchen/Saar (sk) - Das Neunkirchener Bündnis gegen Rechts umfasst viele Organisationen und Einzelpersonen unterschiedlichen Alters und verschiedener Weltanschauung. So lag es nahe, dies auch im Programm des Kulturabends zum 08. Mai in der Reithalle zu berücksichtigen. Das Spektrum reichte von Chansons (Wolfgang Winkler) über HipHop (Schlagwort) bis zu Folk und Liedern des antifaschistischen Widerstands.

Es war ein Risiko, derart unterschiedliche Kulturtraditionen und Musikstile anzubieten. Und anfangs stand das Gelingen auf der Kippe: während Wolfgang Winkler, einer der besten saarländischen Liedermacher, die ersten Chansons in perfektem Französisch mit seiner eigenen Übersetzung verknüpfte, tummelten sich viele Jugendliche noch in der Sonne draußen vor der Tür. Trotz der anfangs nur dreiviertel gefüllten Halle konnte er jedoch die in der Mehrheit älteren Zuhörer schnell in seinen Bann ziehen, und nach seiner gelungenen Version von ‚La révolution permanente’ (Moustaki), einem israelischen Friedenslied und bekannten Gospels der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung gab es heftigen Applaus.

Mit der dreiköpfigen HipHop-Gruppe Schlagwort kamen dann auch die bisher draußen gebliebenen Jugendlichen, und bald gab es im Saal kein Halten mehr. Die Rhythmen mit den nicht immer leicht verständlichen, derb-ironischen Texten animierten viele aus der eher jüngeren Generation zum Tanzen, und nur wenige der Älteren wanderten ab. Die meisten blieben, applaudierten und viele bekundeten anschließend ihr Interesse an den Texten der Band.

Beendet wurde die Veranstaltung durch die sechsköpfige Folk-Gruppe Liedstöckl, deren Repertoire von antifaschistischen Liedern („Bella ciao") über Friedenslieder bis zu aktuellen Themen reichte. So thematisieren sie in ‚Völklingen’ die Arbeitslosigkeit als eine der Ursachen für das dortige Erstarken der NPD, und in ‚Zahltag’ die Fantasie staatlicher Finanzpolitiker, die Abgaben- und Steuerbelastung gerade für Erwerbslose, Gering- und Durchschnittsverdiener zu erhöhen. In der bis zuletzt gut gefüllten Reithalle applaudierten nun Jung und Alt vereint. Experiment gelungen, Wiederholung nicht ausgeschlossen.







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