Premiere am kommenden Montag im Concordia in Bremen: "Die Flammen des Profits"

19.05.08
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Aktuelle Theater-"Anspielungen" auf die Bücherverbrennung vor 75 Jahren

Das Concordia, Bremens Freie Bühne an der Schwachhauser Heerstraße 17, überrascht am kommenden Montag das politisch interessierte Publikum der Hansestadt mit der aktualisierten Inszenierung eines zeitgeschichtlichen Themas. Das Theaterstück "Die Flammen des Profits", eine Arbeit des in Bremen lebenden Autors Rudolph Bauer, enthält "Anspielungen" auf die nationalsozialistische Bücherverbrennung 1933 einerseits und auf die gesellschaftlich bedenkliche Entwicklung des gegenwärtigen Bücher- und Medienmarktes andererseits.

Genau 75 Jahre ist es her, dass die Nationalsozialisten im Mai 1933 Scheiterhaufen errichteten, um die Veröffentlichungen von Autorinnen und Autoren zu verbrennen, deren Werk damals als "undeutsch" gegolten hat. Heute haben die "verbrannten Autoren" zwar wieder ihren Platz in unseren Buchhandlungen, Bibliotheken und Bücherregalen: so beispielsweise Alfred Döblin ("Berlin Alexanderstraße"), Erich Kästner ("Pünktchen und Anton"), Kurt Tucholsky ("Schloss Gripsholm"), oder der Psychoanalytiker Siegmund Freud, die AWO-Gründerin Marie Juchacz und der Finanzwissenschaftler Rudolf Hilferding.

Ist damit aber die Gefahr gebannt, dass Bücher und ihre Autoren geächtet und unterdrückt werden? Diese Frage thematisiert das Theaterstück, das im Concordia zur Uraufführung gelangt. Dabei kommt folgendes Ergebnis zu Tage: Das Diktat der Ökonomie führt im Medien- und Verlagswesen dazu, dass vor allem Einschaltquoten und Auflagenhöhen darüber entscheiden, was und in welcher Auflage verlegt bzw. was und zu welcher Stunde ausgestrahlt wird.

Die herausfordernde Botschaft des Theaterstücks lautet: Geächtete Literatur in Belletristik und Wissenschaft wird heute nicht - wie vor 75 Jahren - dem Feuer übergeben und verbrannt. Aber sie ist sehr in Gefahr, den "Flammen des Profits" zum Opfer zu fallen. Im Theaterstück wird dies anschaulich gemacht am Beispiel der Rolle des Weltkonzerns Bertelsmann AG, zu dem u. a. der Buchverlag Random House, die Zeitschriften des Verlags Gruner + Jahr, die Bertelsmann Music Group BMG sowie diverse Radio- und Fernsehstationen (etwa RTL) im In- und Ausland gehören.

Die Medienmacht der Familie Mohn, in deren Besitz sich der Bertelsmann-Konzern befindet, ist in demokratischer Hinsicht besonders deshalb enorm problematisch, weil sie im Zusammenspiel mit der gemeinnützigen Bertelsmann-Stiftung einen kaum wahrgenommenen und kritisch wenig beachteten Einfluss auf die Entscheidungen der Politik ausübt - wie es beispielsweise der Fall ist in der Schul- und Gesundheitspolitik, im Hochschulwesen, in den Bereichen Arbeitsmarkt und Sicherheit, nicht zuletzt auch auf der europäischen und der internationalen Politikbühne.

Für die Inszenierung des Stücks zeichnet Lars Töbelmann verantwortlich. Die Komposition der musikalischen Intermezzi bewerkstelligte Klaus Raudszus. Die Uraufführung des Autorenprojekts erfolgt in Kooperation mit dem "theaterlabor bremen", dem Bremer Literaturkontor e.V. und dem VS-Landesverband Niedersachsen/Bremen der Schriftstellerinnen und Schriftsteller in der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di.

* Premiere am Montag, 26. Mai, 20.00 Uhr, im Concordia, Schwachhauser Heerstraße 17
* Eintritt: 8 Euro, ermäßigt 4 Euro
* Vorbestellung an der Theaterkasse Tel. 98 68 966 oder karten@concordia-bremen-de
* Weitere Infos: www.concordia-bremen.de







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