Kriegsgegner vor US-Kaserne in Baumholder

27.03.08
TopNewsTopNews, Internationales, Rheinland-Pfalz 

 

2. Brigade der 1. US-Panzerdivision aus Baumholder geht wieder in den Irak. Friedensaktivisten betrieben Aufklärungsarbeit vor Smith-Kaserne.

Vor der Verlegung der 2. Brigade der 1. US-Panzerdivision aus Baumholder in den Irak klärten Friedensaktivisten und Mitglieder der LINKEN die GIs in Baumholder über ihre Rechte auf. In Zusammenarbeit mit dem Irak-Veteran Chris Capps-Schubert von der Organisation IVAW (Irak-Veteranen gegen den Krieg) wurde auch zur Kriegsdienstverweigerung geraten.

Seit Beginn des Krieges im Irak sind laut einer unabhängigen Studie amerikanischer und irakischer Ärzte über 650000 Menschen, das sind rund zweieinhalb Prozent der irakischen Bevölkerung, durch Anschläge und Kämpfe gestorben. Die US-Truppen stehen fünf Jahre nach ihrem Einmarsch und 4000 toten GIs auf verlorenem Posten. Anstatt mit dem Rückzug zu beginnen werden stattdessen frische Kräfte ins Kriegsgebiet geschickt. Darunter ist auch die in Baumholder stationierte 2. Brigade der 1. US-Panzerdivision, die nach einer Abschiedszeremonie am 27. März 2008 für 15 Monate in den Irak gehen muss!

Der Aufruf von Elsa Rassbach (American Voices Abroad (AVA) Military Project & DFG-VK), die Truppenverlegung bekannt zu machen und vorher noch das Faltblatt "GIs - know your rights" in Baumholder zu verteilen, wurde auch im Kreis Birkenfeld vernommen: "Es werden 3800 junge Menschen in den Tod bzw. das Töten geschickt -- jeweils für fünfzehn Monaten. Wir sollten versuchen, der Öffentlichkeit in Deutschland diese Tatsache bekannt zu machen. Wir sollten vor allem versuchen, zumindest einige junge Menschen zu retten."

Am Karfreitag verteilten Mitglieder des Kreisverbandes DIE LINKE. Birkenfeld unterstützt von jugendlichen Sympathisantinnen der Friedensbewegung das Info-Blatt "GIs -know your Rights" mit dem amerikanische Soldaten über ihre verfassungsmäßigen Rechte, die auch das Recht auf Kriegsdienstverweigerung beinhalten, aufgeklärt werden sollen.

In dem Flugblatt werden auch Adressen angegeben unter denen sich kritische und ausstiegswillige Soldaten beraten lassen können. Schwerpunktmäßig geschah die Verteilung in den Garnisons-Städten Baumholder (Smith Barracks), und Idar-Oberstein (Straßburgkaserne), aber auch in der Kreis-Stadt Birkenfeld wohnende Amerikaner wurden informiert.

Erste Eindrücke der Kreisvorsitzenden Tanja Krauth: "Einige wollten überhaupt keine Flyer annehmen, andere gaben sie wieder zurück und meinten, dass sie gerne Soldat wären und auch mit der Befolgung von Befehlen keinerlei Probleme hätten. Diese unkritische Einstellung ist bestürzend. Gerade aber unter denen, die am bevorstehenden 15-monatigen Einsatz im Irak teilnehmen werden, haben wir mehrere Soldaten getroffen, die sehr froh über die Informationen waren, nach der Internet-Adresse fragten, und von sich aus auch anboten, die Flugblätter an ihre Kameraden weiter zu verteilen. Ich denke, dass wir mit dieser Aktion zumindest einige Angehörige der US-Streitkräfte zum Nachdenken angeregt haben. Mehr konnten wir kurzfristig nicht erwarten."

Am Ostersamstag nahmen Mitglieder der LINKEN als Teil des linken Bündnisses und andere Friedensaktivisten aus dem Kreis Birkenfeld am Ostermarsch in Wiesbaden teil. Mit etwa 300 Demonstranten (die Zahlen schwanken zwischen 250 und 330) war eine deutliche Zunahme gegenüber Mainz 2007 zu erkennen. Die Forderungen nach dem Abzug aller Besatzungstruppen aus Afghanistan und dem Irak waren ein zentrales Thema. Ein Redner, Hans Ripper von der DFG-VK Gruppe Mainz, wies aber auch darauf hin, dass die Bundeswehr immer offensiver um Rekruten für den Krieg werbe. Sie zeige Präsenz auf Messen, Märkten und Volksfesten, dränge mit ihren Positionen in die Schulen und nicht zuletzt versuche sie, aus der beruflichen Perspektivlosigkeit und der sozialen Zwangslage vieler jugendlicher Erwerbsloser Kapital zu schlagen.Einer der Hauptredner in Wiesbaden, der US-Irak-Kriegsveteran Chris Capps-Schubert von der wichtigen Organisation IVAW (Irakveteranen gegen den Krieg), berichtete über den Irakkrieg und über den wachsenden Widerstand US-amerikanischer Soldaten gegen den Krieg. Er ist als regionaler IVAW-Koordinator für Europa aktiv und unterstützt andere US-Militärangehörige, welche die US-Army verlassen wollen oder bereits fahnenflüchtig sind. Chris Capps-Schubert wurde am 09. Februar 2008 der Jahrespreis "FRIEDEN AUS ÜBERZEUGUNG" verliehen, der vom Munich American Peace Committee (MAPC) gestiftet wurde.

Chris Capps-Schubert und seine Frau Meike, die genau wie Elsa Rassbach (American Voices Abroad (AVA) bereits über die Aktion in Baumholder informiert waren, trafen sich während des Ostermarsches mit der Birkenfelder Kreisverbandsvorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden der Partei DIE LINKE. Rheinland-Pfalz, Tanja Krauth, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Capps-Schubert fand es so wichtig, die in Baumholder stationierten GIs über ihre Rechte zu informieren, dass er seine Teilnahme als Redner am Ostermarsch in Frankfurt absagte und am Ostersonntag nach Baumholder kam, wo er dann gemeinsam mit Mitgliedern des Kreisverbandes Birkenfeld direkt vor dem Gate der Smith Barracks Info-Material an interessierte GIs verteilte. Nach zwei Stunden waren die Info-Pakete alle ausgeteilt und die Aktion wurde mit Flyern an anderen Stellen im Stadtgebiet fortgesetzt. Gegen Abend konnten dann noch in mehreren Gaststätten reichlich "GIs -know your Rights"-Karten ausgelegt werden.

Chris Capps-Schubert wertete die Aktion als großen Erfolg! Und auch Tanja Krauth, die stellvertretende Vorsitzende der Partei DIE LINKE.Rheinland-Pfalz war sehr zufrieden. Das Video-Interview, das Krauth mit dem Irak-Veteran Capps-Schubert nach dem Ende der gemeinsamen Aufklärungs-Aktion führte, und in dem dieser auch seine Organisation IVAW (Irak-Veteranen gegen den Krieg) vorstellte, wird über einen Link auf der Webseite des Kreisverbandes auch im Internet zu sehen sein.

Die Friedensaktivisten Jürgen Müller und Rainer Böß sind davon überzeugt, dass durch die Vernetzung der einzelnen Gruppen auch die Friedensbewegung im Hunsrück wieder an Bedeutung gewinnen wird.

Böß: "Wir hoffen, dass die ausrückenden GIs nicht dazu beitragen das Leid der irakischen Bevölkerung weiter zu verschlimmern. Wir wünschen den Soldaten natürlich aber auch, dass sie gesund zu ihren Familien zurückkehren können!"

Rainer Böß







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