Abends zechen, morgens brechen

09.04.08
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So überstehen Sie problemlos die kommende Grillsaison

Glosse von Claude Michael Jung

Alkohol ist ein hervorragendes Lösungsmittel: Es löst Familien, Ehen, Freundschaften, Arbeitsverhältnisse, Bankkonten, Leber und Gehirnzellen auf. Alkohol lässt auf dem Nachhauseweg von einer ausgedehnten Zechtour so manches Auto im Straßengraben landen und den teuren Führerschein in Flensburg schmachten. Alkohol sorgt am „Day after" für Niedergeschlagenheit, Brummschädel, Brechreitz und Magenverstimmung. Für die Folgen einer Druckbetankung kann keineswegs der Wirt, oder der Produzent der, hinter die Binde gegossenen Fuselstoffe regresspflichtig gemacht werden. Hier gilt der Grundsatz, „Jeder ist sich selbst der Nächste".

Die saarländische Verbraucherschutzgesellschaft „Zechen mit Verstand" (ZmV) rät allen Zechern möglichst direkt nach dem Betreten des auserwählten Lokals dem Wirt eine formlose Liste mit den für die Betankung vorgesehenen Alkoholika auszuhändigen. Aufgeführt auf der Liste sollte ebenfalls Name und Anschrift für einen eventuellen Rücktransport per Taxi sein. Auch sollten Angaben darüber gemacht werden, ob der Zecher Brillenträger, Hosenträger, oder Gebissträger ist. Der Aufbewahrungsort von Ehering oder Kontaktlinsen sollten dem Wirt ebenfalls bekannt gegeben werden, damit er in der Lage ist beim Verlassen des Lokals alles auf Vollständigkeit zu überprüfen. Sinnvoll ist es auch die Geldbörse dem Wirt zu übergeben. Er wird dann für eine reibungslose Bedienung sorgen und festlegen, wenn der Kragen voll ist.

Danach sollte die allgemeine politische Lage, und der neueste Fußballskandal mit den übrigen Gästen besprochen werden. Dabei ist es ratsam keinesfalls die SPD zu loben. Dies könnte zu einem unvorhergesehenen Nasenbeinbruch, Prellungen und einem blauen Auge führen. Weitere Themen des Abends können die Beine der Bedienung, die Ehefrau, die eigene Trinkfestigkeit, sowie ein kurzes Statement über ihren Nachbar sein.

„Zechen mit Verstand" rät dringend davon ab, andere Gäste anzupöbeln, und das bestellte Essen nicht als Fraß oder Zumutung zu bezeichnen. Sollte im Laufe des Abends ein oder mehrmals ein Sturz vom Hocker aus unerklärlichen Umständen erfolgen, so ist dies nicht zwangsläufig auf eine Schikane des Gastes nebenan zurückzuführen. Niemand wird sich am Aufprallgeräusch eines fröhlichen, den Freuden des Lebens frönenden Mitmenschen ergötzen.

Für den Nachhauseweg rät die saarländische Verbraucherschutzgesellschaft ZmV im Falle eines Taxitransportes keineswegs Teile des abendlichen Konsums im Fond des Wagens abzuladen (kotzen). Dies würde eine unvorhergesehene Verteuerung der Transportkosten zur Folge haben. Um die hohen Feiertage der bevorstehenden GrIllsaison nicht beim Scheidungsanwalt ausklingen zu lassen ist es beim betreten der eigenen vier Wände dringend zu unterlassen die Gattin mit den barschen Worten „Was zu trinken, aber dalli - ich bin hier doch nicht auf Besuch" herauszufordern. Auch Rufe nach dem Geschäftsführer, dem Koch oder der Polizei sind aus ehetaktischen Gründen ebenfalls fehl am Platz. Das laute absingen schmutziger Lieder sollte aus Rücksicht auf die Mitbewohner und Nachbarn ebenfalls unterbleiben, meistens ist ihnen das komplette Repertoire in Dur und Moll schon länger und bestens bekannt. Na dann; „Schönen Kater".







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