Strasbourg - Die wunderbare Europäerin

18.04.08
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Stadt der Marseillaise zwischen Vogesen und Rhein

Von Petra und Claude Michael Jung

Über Jahrhunderte war Strasbourg Zankapfel zwischen den „Erbfeinden" Deutschland und Frankreich. Heute ist die Stadt zwischen Vogesen und Rhein Europastadt mit Sitz des Europaparlaments, des Europarats, sowie dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Auch der viel zu wenig bekannte Europäische Bürgerbeauftragte hat in der „Hauptstadt Europas" seinen Sitz. Europas Bürgerbeauftragter widmet sich den Beschwerden der Bürgerinnen und Bürger der gesamten Europäischen Gemeinschaft über Missstände in der EU Verwaltungstätigkeit. Wie es heißt, soll dem „Dompteur des europäischen Amtsschimmels" die Arbeit niemals ausgehen und die Arbeitsplätze hier sind sprichwörtlich zukunftsorientiert.

Reisende die in Strasbourg mit der Bahn ankommen, verlassen ihren Zug und betreten ein bedeutendes Drehkreuz der französischen Staatsbahn SNCF. Mit den modernen Schnellzügen der „Société nationale des chemins de fer français", sind Europas Metropolen von Strasbourg aus nur einen Katzensprung weit entfernt. Brüssel Paris, München und Zürich, aber auch die Industriestadt Lille und Nantes an der Loiremündung, im Norden Frankreichs, stehen als Ziel der französischen Superschnellzüge TGV auf der Informationstafel in der Eingangshalle des „Gare Central" (Zentralbahnhof). In etwas mehr als fünf Stunden ist von Strasbourg auch die Hafenstadt Marseille am Mittelmeer und die Atlantikmetropole Bordeaux mit dem TGV zu erreichen. Port Bou, das Tor in den Pyrenäen nach Katalonien und weiter nach Spanien hinein, lässt grüßen und träumen von einem Urlaub unter Palmen und Pinien. Auf spanischer Seite sind die Bauarbeiten für eine Weiterführung der TGV-Linie von Strasbourg über Port Bou, in die katalanische Hauptstadt Barcelona, bereits weit fortgeschritten, sodass sich der TGV aus dem Elsaß, mit seinem spanischen Pendant, dem Superschnellzug AVE, bald irgendwo auf der Strecke kreuzen wird.

Glaspaläste, Fachwerkhäuser und prachtvolle Bauten der Renaissance prägen das Bild Strasbourgs. Besonders auffallend präsentiert sich die vollständig verglaste klassizistische Fassade des „Gare Central", wie ein Raumschiff von einem fernen Planeten. Von hier aus führt der Weg in das romantische Strasbourg. Zuerst über den „Place Kléber", benannt nach dem, in Strasbourg geborenen Offizier der französischen Revolutionstruppen und späteren General Napoleon Bonapartes, Jean-Baptiste Kléber.

Hier, auf dem belebten Zentralplatz Strasbourgs, führen die Gedanken auch zurück in die Zeit der französischen Revolution. Nicht in Marseille wurde die französische Nationalhymne, die berühmte Marseillaise geboren. Das Lied der Franzosen wurde in Strasbourg als „Chant de guerre pour l’armée du Rhin", (Kriegslied für die Rheinarmee) anlässlich der Kriegserklärung des revolutionären Frankreich, an Österreich, im April 1792 von Claude Joseph Rouget de Lisle verfasst. Der französische Dichter und Komponist Rouget de Lisle widmete sein „Chant de guerre pour l’armée du Rhin" ausgerechnet einem Deutschen, dem aus Cham in der Oberpfalz stammenden, damaligen Generalleutnant und Oberbefehlshaber der französischen Rheinarmee, dem Grafen Nikolaus von Luckner. Seinen weltberühmten Namen „La Marseillaise" erhielt das Lied aus Zufall. Aus der südfranzösischen Hafenstadt Marseille, in Paris einziehende Revolutionstruppen sangen das phantastische, an das Gefühl der Revolutionäre appellierende Lied der französischen Rheinarmee bei ihrem Einmarsch in Paris. Dies war die zweite Geburtsstunde der französischen Nationalhymne mit, im Grunde genommen internationalem Hauch.

Die mehr als zweitausend Jahre alte elsässische Metropole ist bekannt für ihre reiche Kulturgeschichte und ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert. Nur wenige Schritte von der „Place Kléber" entfernt liegt die „Place Gutenberg". Hier findet der Strasbourger Büchermarkt statt. Antiquarisches aus der Ära Kaiser Wilhelms findet man hier in den Auslagen der Händler ebenso wie Kochbücher. Die großen Klassiker liegen neben den Werken Karl Mays, sowie Bildbänden aus der ganzen Welt. Englische, französische und deutsche Literatur aus vergangenen unfriedlichen Zeiten sind an den, mehr als nur sehenswerten Bücherständen auf dem Strasbourger Büchermarkt des 21. Jahrhunderts friedlich vereint.

Das alte Strasbourg ist eine Stadt der kurzen Wege. So steht die Besucherin oder der Besucher schon wenige Meter von der „Place Gutenberg" entfernt, vor der, als romanische Kirche konzipierten, gotischen Kathedrale, dem Münster. Begonnen wurde mit dem Bau im Jahr 1015 und Anno 1439, mit der Fertigstellung des 142 m hohen Nordturm wurde der mächtige Sakralbau aus rosa Sandstein, die elsässische „Cathédrale Notre-Dame", fertiggestellt.

Beeindruckend ist die figurenreiche Westfassade des Münsters mit ihren Portalstatuen, die Fensterrose, sowie die astronomische Uhr und die Silbermannorgel. Für Schwindelfreie ist eine Besteigung des Strasbourger Münsters ein Muss. Eine Wendeltreppe führt hinauf zur 66 m hohen Plattform der großen Kathedrale. Von hier oben aus genießt man an klaren Tagen einen grandiosen Überblick über die Stadt und bis weit in die Vogesen hinein.

Ein besonders sehenswerter, jedoch auch als Touristenmagnet stark frequentierter Stadtteil von Strasbourg, ist das ehemalige Fischer und Gerberviertel „La petite France" (Das kleine Frankreich). Eine erste Exkursion dorthin ist bequem mit der Elektrorikscha, dem Fahrradtaxi für zwei Personen, von der „Place der la Cathédrale", dem Münsterplatz aus möglich. Die 30minütige Rundfahrt kostet 15.00 EURO und ist ihr Geld, auch dank der ausgezeichneten Reiseleitung der Rikschafahrer, wert.

Entlang der „Barrage Vauban", einer militärischen Sperre des französischen Festungsbaumeisters Vauban, am ehemaligen Stadteingang, die dazu diente das gesamte Viertel bei einem feindlichen Angriff unter Wasser zu setzten, geht die Fahrt mit der Elektrorikscha entlang der zahlreichen Restaurants und Weinstuben (els. Winstubb). In den alten Fachwerkhäusern finden die Besucher auch zahlreiche kleine Geschäfte und Läden. Die direkt am romantischen Flüßchen Ill gelegenen, gut erhaltenen und stilvoll renovierten Fachwerkhäuser. lassen ihre Besucher in eine stimmungsvolle Atmosphäre eintauchen. Auch deswegen wird „La Petite France" gerne von den Besuchern Strasbourgs aufgesucht.

Darf es zum Abschluss der kurzen Visite von „Europas Hauptstadt" noch ein bisschen Hektik sein? Dann schnell noch zur „Place des Halles", zum Shopping. Ganz im amerikanischen Stil eines Superkaufhauses (Mall), gibt es hier Alles. Vom Nobelhotel über Restaurants bis hin zur Schraube, Staubsaugerbeutel, dem original elsässer Münsterkäse, Möbeln und teuren Mode-Accessoires. Doch auch am Rande des hektischen Getümmels, findet der Besucher zu seiner Überraschung einen Hort der Entspannung. Direkt hinter der Mall befindet sich eine Oase der Ruhe. Ein kleiner Park lädt mit seinen Bänken zu einem Resümee des Tages ein. Während ein lustiger Trupp Spatzen zwischen den Bäumen und Sträuchern munter umher tollt und ein paar Tauben mal nachsehen, ob es etwas essbares bei uns zu finden gibt, sagen wir: „Adieu Strasbourg, du wunderbare Europäerin, adieu und bis bald".

Au, den 18.April 2008







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